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ASSE II: Kompetenz-Zentrum in der Region?

2. Mai 2014 von
Landrätin Christiana Steinbrügge, Dr. Detlef Lobas, Samtgemeindebürgermeisterin Regina Bollmeier und Architekt Hans Kemmerich wollen das Kompetenzzentrum für kerntechnische Entwicklung an die Asse holen. Fotos: Marc Angerstein

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Medienvertretern wurde das Konzept heute vorgestellt.


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Region. Am 14. Mai stellen der Landkreis Wolfenbüttel und die Samtgemeinde Asse im Bundesumweltministerium ein Konzept zur Ansiedlung des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgung (BfE) in Remlingen vor. Dazu gibt es auch Vorstellungen zu begleitenden Infrastrukturmaßnahmen. „Wir fahren nach Berlin und wollen hören, was die sich vorstellen“, sagte Samtgemeinde-Bürgermeisterin Regina Bollmeier heute. Gemeint ist die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter. Die Bewerbung liegt im Ministerium bereits vor. Remlingen steht in der Standortfrage für das BfE im Wettbewerb mit Bonn, Siegburg und Peine. Aus Sicht von Wolfenbüttels Landrätin Christiana Steinbrügge gibt es nur eine Option: „Hier ist der richtige Ort“, sagte sie heute und meint Remlingen in ihrem Landkreis.

Cristiana Steinbrügge. Foto: Landkreis Wolfenbüttel„Hier ist der richtige Ort.“

Landrätin Christiana Steinbrügge 

Das Konzept trägt den Titel „Asse II – Center of Excellence for Nuclear Waste Management“ und wurde im Auftrag des Landkreises Wolfenbüttel und der Samtgemeinde Asse im April vom Wittmarer Dr. Detlef Lobas (International Business Development) und Braunschweiger Architekten Hans Kemmerich erstellt. Heute wurde es während eines Pressegespräches der Öffentlichkeit vorgestellt. „Wir haben uns für einen internationalen Titel entschieden, weil kerntechnische Entsorgung auch eine internationale Aufgabenstellung ist“, erläuterte Lobas die Wahl der englischen Sprache zum Konzepttitel.

„Der Assefond ist zweitrangig“

Dr. Detlef Lobas und Landrätin Christiana Steinbrügge.

Das Konzept stellt inhaltlich drei Kernpunkte zum von der Politik erwarteten Beitrag zum Nachteilsausgleich für die Region Asse dar, mit der Unternehmen angesiedelt, qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen und die verlorene Lebensqualität in der Region wiederhergestellt werden soll. Den Schwerpunkt bildet die Ansiedlung des Bundesamtes in Remlingen, um vorhandenes Know How und praktische Expertisen in synergetischer Weise zu nutzen. Auch die Einrichtung eines Kompetenz- und Innovationszentrums für die kerntechnische Entsorgung und der Bau eines Tagungshotels und eines Boardinghauses sollte von der Politik unterstützt werden. Dort sollen Tagungen sowie Kongresse abgehalten und Mitarbeiter untergebracht werden. Das Hotel soll darüber hinaus künftig aber auch touristische Anreize schaffen. Dies ist der eigentliche Nachteilsausgleich, neben dem Assefond in Höhe von 500.000 Euro. „Diese Gelder würden verpuffen, aber Ansiedlungen von Behörden und des Hotels würden langfristig Arbeitsplätze schaffen und dabei die Region nachhaltig stärken“, erklärt Dr. Lobas. Den Assefond bezeichneten Steinbrügge und Bollmeier übereinstimmend mehrfach als „zweitrangig“. Er sei nur „ein Baustein“ und „zu wenig für die Region.“

Samtgemeindebürgermeisterin Regina Bollmeier und Architekt Hans Kemmerich.

Bollmeier negierte Vorwürfe, die Region würde sich durch den Assefond kaufen lassen. „Wir möchten keine Almosen, wir möchten wirklich gute, professionelle Unterstützung“, sagte sie. Dabei gestand sie aber auch zu, dass zur Ausgestaltung des Assefonds noch keine Details bekannt seien. Mit Blick auf die Ausgleichszahlungen in Salzgitter für den Schacht Konrad sagte sie: „Wir wollen in der Samtgemeinde nicht fünf weitere Rasenplätze.“ Die Gelder des Assefonds könnten nach Ansicht der Landrätin Steinbrügge auch in die Umsetzung des Konzeptes fließen. Die Kosten lassen sich nach Aussage des Architekten Hans Kemmerich im Moment nicht beziffern. So gebe es bisher auch von Seiten des Bundesumweltministeriums oder des Bundesamtes keine Aussagen über Investitionssummen.

SGB Regina Bollmeier foto privat„Remlingen ist der Mittelpunkt Niedersachsens“

Regina Bollmeier, Samtgemeinde-Bürgermeisterin Asse

Steinbrügge und Bollmeier verwiesen darauf, dass ihre bisher geäußerten Vorstellungen zur Ansiedlung des Bundesamtes direkt an der Asse mit diesem Konzept konkretisiert werden. „Wir nehmen unsere Bewerbung sehr ernst und bringen auch sehr gute infrastrukturelle Voraussetzungen mit“, unterstrich die Landrätin. „Wir geben vor Ort alles“, ergänzte die Samtgemeinde-Bürgermeisterin. „Obwohl die Kondtionierungsanlage und ein sogenanntes Pufferlager entstehen, sollte auch das Ministerium mit der Ansiedlung des BfE ein Zeichen setzen, das man sich traut, sich hier niederzulassen und auch hier zu wohnen“, so Bollmeier. Damit warb die Bürgermeisterin für den Wohn- und Lebensraum in ihrer Samtgemeinde: „In fünf Minuten ist man in Wolfenbüttel und in einer Viertelstunde in Braunschweig, da kann man doch bei uns wohnen und Arbeiten – Remlingen ist der Mittelpunkt Niedersachsens.“

Bollmeier erklärte, in Remlingen und rund um die Asse stünden genügend Flächen zur Realisirung der Konzept-Ideen zur Verfügung: „Wir sind hier sogenannter ländlicher Raum und flexibel bei den Beschlüssen von Bebauungsplänen.“

Know How in der Region

Dr. Detlef Lobas, Christiana Steinbrügge, Regina Bollmeier und Hans Kemmerich während der Präsentation.

Die Schachtanlage Asse II sei das Zentrum für die Handhabung, Verbringung und Rückholung kerntechnischer Abfälle. Auch wegen der Nähe zum Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter, dem Landesamt für Bergbau, dem Atommüll-Lager in Morsleben und der Schachtanlage Konrad sei der Standort Remlingen zu empfehlen. „Wir haben das Know How in der Region, alles eine halbe Auto-Stunde um Remlingen herum“, argumentiert Dr. Lobas. Von den Mitbewerber-Städten gäbe es stundenlange Anreisen mit Auto oder Bahn. Auch die Nähe zur Ostfalia reiht sich in die Argumentationslinie ein.

„Seit 40 Jahren beschäftigt uns der Atommüll in der Asse, wenn die Rückholung im Jahr 2033 beginne, beschäftigt uns das Thema noch weitere 30, 40, gar 50 Jahre. Wie sehr hätte die Asse die Entscheidung für den Behördenstandort Remlingen verdient?“ Diese rhetorische Frage stellte Lobas in den Raum.

Zu allen Sachargumenten ergänzte Landrätin Steinbrügge: „Wir haben hier auch gute Erfahrungen in der Öffentlichkeitsbeteiligung, da werden wir hier bundesweit als das Referenzprojekt gesehen.“

BraunschweigHeute.de-Podcast zum nachhören

Einigkeit herrschte darüber, dass kein Zwischenlager und womöglich noch zusätzlicher radioaktiver Müll in die Region kommen soll. Trotz der Ansiedlung des Kompetenzzentrums für kerntechnische Entsorgung sieht die Landrätin eine Gefahr dafür nicht. Ausschließen könne sie es aber auch nicht, wie sie im Einzelinterview vor Journalisten sagte. Das Interview im Original von Christiana Steinbrügge veröffentlichen wir hier als Podcast:

Die Sachargumente von Dr. Detlef Lobas im Originalinterview als Podcast hier:

Das Konzept im Original zum nachlesen

Die gesamte Präsentation im Original veröffentlichen wir hier.

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