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AWO fordert: Kinderschutz und Jugendhilfe ausbauen

12. Dezember 2015 von
Symbolfoto: Max Förster

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Braunschweig. „Die pädagogische und häufig auch die materielle Not vieler Familien ist groß“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende des AWO-Bezirksverbandes Braunschweig, Rifat Fersahoglu-Weber, die jetzt veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Anzahl der jungen Menschen, die so genannte Hilfen zur Erziehung (HzE) bezogen. Demnach waren 2014 531.500 Kinder und Jugendliche betroffen. Zwei Drittel der Empfänger, unter denen viele Alleinerziehende sind, beziehen neben HzE noch weitere Sozialleistungen.


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Immer mehr kommen auch geflüchtete Kinder und Jugendliche in die Einrichtungen der HzE, die dringend zu versorgen und zu integrieren sind. „Das System der Hilfen zur Erziehung wird einer Belastungsprobe ausgesetzt, die oft nicht mit den bisherigen Mitteln zu meistern ist“, erklärt Fersahoglu-Weber. „Nur ein gut aufgestelltes Hilfesystem ist in der Lage, unerwartete gesellschaftliche und pädagogische Herausforderungen erfolgreich zu stemmen. Da muss manches – nicht nur mit Blick auf die Geflüchteten – bedarfsgerechter gestaltet werden.“

AWO-Vorstandsvorsitzender Rifat Fersahoglu-Weber. Foto: Sina Rühland

AWO-Vorstandsvorsitzender Rifat Fersahoglu-Weber. Foto: Sina Rühland

Auf Hilfe zur Erziehung haben Erziehungsberechtigte und Kinder Anspruch, wenn die für das Kindswohl erforderliche Erziehung nicht beziehungsweise nicht mehr gewährleistet ist. Dies gilt für alle Kinder, die sich in Deutschland aufhalten, gleichermaßen und wird durch entsprechende EU-Richtlinien unterstrichen. Gegenwärtig kann der Mindestbedarf an Schutz und Versorgung für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen, die durchweg als traumatisiert gelten müssen, nicht immer ausreichend gedeckt werden, weil die Kapazitäten fehlen.
„Kindernot – dazu gehört auch die seelische Not – toleriert keinen Aufschub“, betont der AWO-Vorstandsvorsitzende. Deshalb fordert die AWO unter anderem den sofortigen Ausbau von kindgerechter Unterbringung von unbegleiteten Minderjährigen von Beginn an außerhalb von massenhaften Erstaufnahmeeinrichtungen, die Sicherstellung von Gewaltschutz für Mädchen und junge Frauen, ausreichende und geschlechtergetrennte hygienische Einrichtungen, die sprachliche Fürsorge und eine behutsame, rund um die Uhr erfolgende Betreuung, die für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ebenso unverzichtbar sei wie für deutsche Kinder, die in Obhut genommen werden.

Die HzE erfüllen neben der individuellen, unverzichtbaren Unterstützungsfunktion einen entscheidenden Betrag zum Erhalt der gesellschaftlichen Stabilität. Deshalb müssen vorrangig die Ursachen für die Hilfebedarfe in den Blick genommen und fachlich bewertet werden. Ein grundlegendes Problem sieht Fersahoglu-Weber allerdings im Fachkräftemangel. „Personelle Übergangshilfen sind keine wirkliche Lösung. Sie müssen umgehend durch Fachpersonal ersetzt werden.“ Hier sei auch an berufs- beziehungsweise tätigkeitsbegleitende Qualifizierungsmöglichkeiten zu denken, die in Regelabschlüsse münden sollten.

Eine weitere Herausforderung stellt die Abbruchquote bei stationären Maßnahmen dar, die bei 58 Prozent liegt. Dies könne nur durch weitere Verbesserung der Qualität, beispielsweise durch sozialpsychologisch und ähnlich orientierte Clearingverfahren und eine ausreichende personelle Ausstattung zum Positiven verändert werden. „In der Jugendhilfe wird noch immer zu oft von der Kostenseite her gedacht und gehandelt. Das individuelle Wohl der Kinder und Jugendlichen muss wieder viel stärker im Vordergrund stehen“, fordert der AWO-Vorstandsvorsitzende.

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