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Diskussion über Rechte im Stadion: Vereine sind gefordert

4. Juni 2014 von
In einem Laden liegen Stoffbeutel der Ultras Braunschweig aus. Um rechtes Gedankengut in Fußballstadien ging es am Dienstag in einer Podiumsdiskussion. Fotos: Christina Balder

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Braunschweig. „Benennt das Problem!“ In einer Podiumsdiskussion zu rechtem Gedankengut in Fußballstadien haben die Beteiligten einen offensiveren Umgang der Vereine mit diesem Thema gefordert. Konflikte zwischen antifaschistischen Gruppen und rechts-gerichteten Hooligans dürften nicht mehr verharmlost werden, Vereine müssten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. 


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Sven Meyer ist Mitglied der antirassistischen „Aachen Ultras“ und „Sven Meyer“ ist nicht sein richtiger Name. Den will er öffentlich nicht lesen; er und andere Mitglieder der Ultras werden von rechten Gruppierungen ohnehin bedroht. Gemeinsam mit Michael Gabriel von der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte), Jonas Gabler Kompetenzgruppe „Fankultur und Sport-bezogene Soziale Arbeit“ (KoFaS) an der Universität Hannover und dem Journalisten Ronny Blaschke hat er am Dienstagabend im Universum-Filmtheater mitdiskutiert.

Michael Gabriel, Jonas Gabler und der Moderator der Diskussion, Ronny Blaschke, auf dem Podium.

Michael Gabriel, Jonas Gabler und der Moderator der Diskussion, Ronny Blaschke, auf dem Podium.

Die Beteiligten kritisierten die Haltung der Vereine, die Augen vor rechten Strömungen unter ihren Fans zu verschließen. „Es kann nicht sein, dass eine antirassistische Gruppierung Stadionverbot bekommt“, sagte Peter Ohlendorf von Filmfaktum, Veranstalter der Diskussionsrunde. Auch Sven Meyer schloss sich an: „Es bringt niemandem etwas, wenn antifaschistische Gruppen nicht mehr ins Stadion kommen und die Rechten machen können, was sie wollen.“ In Aachen waren die Ultras von rechten Gruppen aus dem Stadion vertrieben worden, in Braunschweig bekamen die Ultras Braunschweig (UB 01/Ultras Curva Nord) als Gruppe Stadionverbot.

Meyer forderte Schutz für antidiskriminierende Gruppen im Stadion ein. „Sie dürfen nicht als Provokateure dargestellt werden.“ Die Vereine hätten eine gesellschaftliche Verantwortung und müssten demokratische Werte vermitteln. „Eine neutrale Haltung heißt nicht, die Mitte zwischen Neonazis und Demokraten einzunehmen. Das ist eben nicht die Mitte.“

Jonas Gabler warb dafür, antirassistische Gruppen als Ressource zu verstehen: „Da engagieren sich Leute ehrenamtlich für ihren Verein und gleichzeitig für die Demokratie!“ Allgemein müsste der Umgang mit Konflikten zwischen linken und rechten Gruppen im Stadion sich ändern – das seien keine „Fankonflikte“, sondern ein gesellschaftliches Problem. Sven Meyer forderte eine klare Sprache: „Bei solchen Konflikten im Stadion müssen Ross und Reiter genannt werden. Es hilft nicht, wenn nur die Opfer namentlich genannt werden und man die Täter als Störenfriede oder Randalierer tituliert.“

Mit gesundem Selbstbewusstsein ist es leichter, „Nein“ zu sagen

Wichtig sei es auch, zu vermeiden, dass junge Fans von rechten Gruppen angeworben werden. In diesem Zusammenhang betonte Michael Gabriel die Kompetenzen von Fanprojekten. „Sie können Beziehungen zu den jungen Menschen in den Fankurven aufbauen und sie auf ihrem Weg begleiten, ihr Selbstbewusstsein stärken – damit sie nicht mitmachen, wenn ihre Gruppe auf einen Konflikt zusteuert.“

„Es ist aber eine Herausforderung, bei der Heterogenität der Fankurve festzusetzen, wo sich eine pädagogische Initiative noch lohnt“, sagte Gabriel. Bei manchen Kandidaten sei die politische Ausrichtung schon zu verhärtet, so dass keine großen Erfolge zu erwarten seien.

Allgemein lasse sich aber festhalten, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert habe. Es gebe keine ganzen Blöcke mehr, die „Jude, Jude“ brüllten, sagte Gabriel. „Die Ultras sind die dominierende Gruppe im Stadion.“ Zwar sei Fußball noch immer eine männlich und heterosexuell dominierte Welt, in der es für viele zur Fankultur gehöre, den Gegner durch diskriminierende Äußerungen abzuwerten. „Wenn Leute im Stadion ihr rassistisches, sexistisches oder antisemitisches Gedankengut rauslassen, ist das der Moment, wo man sie fragen muss: Was meint ihr eigentlich damit?“, sagte Jonas Gabler.

Die Hauptverantwortung für die Aufenthaltsbedingungen im Stadion liegt bei den Verein, da waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Doch es gibt unter den Fans ausreichend demokratisch denkende Menschen, die an diesem Prozess beteiligt werden können – wenn der Verein sie lässt.

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