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Ein viel zu kurzes Leben: Fotografen begleiten Sternenkinder

19. Dezember 2016 von
Foto: dein-sternkind.eu
Region. Für werdende Eltern gibt es wohl keinen schlimmeren Schicksalsschlag. Der eigene Nachwuchs ist ein sogenanntes Sternenkind, das heißt es kommt tot zur Welt oder sein Tod steht unausweichlich bevor. Eventuell kann bei der Bewältigung der Trauer ein Erinnerungsfoto helfen.

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In Deutschland kommen laut der Organisation „Dein Sternenkind“ jedes Jahr zirka 2500 bis 3000 Sternenkinder auf die Welt. Das heißt, sie sterben vor, während oder kurz nach der Geburt. Die Trauer der Eltern ist grenzenlos.

Eine Möglichkeit mit der Trauer umzugehen, ist ein Erinnerungsfoto anfertigen zu lassen. So die Idee des freien Fotografen und Filmemachers Kai Gebel, der 2013 „Dein Sternenkind“ ins Leben rief. Eltern von Sternenkindern können sich unter http://dein-sternenkind.eu/ melden, einer von bundesweit rund 630 ehrenamtlich arbeitenden Fotografen nimmt dann Kontakt auf.

Jan Schlüter aus Dettum ist einer von sechs ehrenamtlichen Sternenkinderfotografen aus der Region. Foto: Alexander Dontscheff

Jan Schlüter aus Dettum ist einer von sechs ehrenamtlichen Sternenkinderfotografen aus der Region. Foto: Alexander Dontscheff

Traue ich mir das zu?

Einer von ihnen ist Jan Schlüter aus Dettum. Der 58-jährige Hobbyfotograf kam über das Internet mit „Dein Sternenkind“ in Kontakt. „Traue ich mir das zu?“, war die Frage, die er sich selbst stellte. Der Vater zweier Töchter beantwortete diese nach langem Überlegen mit Ja. „Die Bilder helfen den Hinterbliebenen, die Erinnerung an das Kind wach zu halten“, so Schlüter.

Durch seinen Beruf als Krankenpfleger weiß Jan Schlüter wie der Tod aussieht. „Dennoch habe ich vor dem ersten Einsatz Blut und Wasser geschwitzt. Wie kann ich dem begegnen, gleich mit einem tot geborenen Baby und den trauernden Eltern konfrontiert zu werden?“ Hilfe fand er bei seinen Kollegen von „Dein Sternkind“, die ihre Erfahrungen online in einem Forum austauschen.

Auf Mundpropaganda angewiesen

In der Region Braunschweig/Wolfsburg gibt es sechs beteiligte Fotografen. Jan Schlüter hatte seit seinem Einstieg im Juli 2015 sechs Einsätze im Klinikum Wolfenbüttel, in der Helios Klinik Helmstedt und in der Medizinischen Hochschule Hannover. „Wir sind darauf angewiesen, dass Hebammen oder Ärzte die betroffenen Eltern auf unser Angebot aufmerksam machen“, erklärt Schlüter. In den meisten Fällen wissen die Eltern vorher, dass ihr Kind nicht lebensfähig zur Welt kommt. Nach dem Ausfüllen des Meldeformulars auf dein-sternkind.eu wird spätestens nach 15 Minuten Alarm bei den Fotografen in der entsprechenden Region ausgelöst. Diese sprechen sich untereinander ab, und je nach Verlauf der Geburt ist dann nach ein bis sechs Stunden ein Fotograf vor Ort.

„Ich stelle mich dann vor und spreche mit den Eltern ab, was für Fotos sie möchten. Manche wollen das Kind im Arm halten, für andere habe ich spezielle Kleider und Decken dabei“, berichtet Jan Schlüter. Die Bilder selbst, die an die Eltern per USB-Stick, CD oder über Cloud ausgegeben werden sind meist weichgezeichnete Schwarz-Weiß Aufnahmen. Auf Anfrage kann man aber auch die original Farbaufnahmen bekommen. „Eins muss man sich immer vor Augen führen – die Eltern lieben ihr Kind. Daher versuche ich, ihnen eine schöne Erinnerung mitzugeben“, so Schlüter.

Spenden benötigt

Da alle Fotografen rein ehrenamtlich arbeiten, benötigt „Dein Sternenkind“ Spenden für unter anderem gedrucktes Aufklärungsmaterial, USB-Sticks und Briefmarken. Außerdem kann man derzeit bei der Aktion #zusammentun der R&V Versicherung für „Dein Sternenkind“ abstimmen. Landet man bei dieser Aktion unter den ersten drei Projekten, gibt es eine finanzielle Unterstützung. 

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