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Entlastung der Notaufnahme: In Braunschweig wird vorsortiert

11. Januar 2018 von
Die Zentrale Notaufnahme des Städtischen Klinikums befindet sich am Standort Salzdahlumer Straße. Foto: Archiv/Sina Rühland
Braunschweig. Überfüllte Notaufnahmen in Krankenhäusern sind deutschlandweit ein zunehmendes Problem. Am Städtischen Klinikum Braunschweig testet man daher seit September ein neues Verfahren, um wirkliche Notfälle von weniger dringenden Fällen zu trennen.

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„Die Notfall-Triage-Praxis ist ein innovatives Modellprojekt einer Kooperation zwischen dem Klinikum Braunschweig und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen zur Optimierung der Notfallversorgung“, erklärt Michael Siano vom Städtischen Klinikum. Dem Klinikum werde hierzu seitens der Kassenärztlichen Vereinigung der Einsatz von Ärzten zur reinen ambulanten Versorgung in der Notaufnahme gestattet. Patienten, die keiner Krankenhausbehandlung bedürfen, werden durch eine Triage (Verfahren zur Priorisierung medizinischer Hilfeleistung) identifiziert und zur Versorgung nach Hausarztstandard in die Notfall-Triage-Praxis gesteuert.

Hierdurch werde die Notaufnahme von diesem Patientenklientel entlastet und Ressourcen für die Patienten mit Bedarf einer Krankenhausbehandlung freigesetzt. Somit verbessere sich die Versorgung beider Patientengruppen, da sowohl die Wartezeiten verringert als auch die Behandlungsqualität auf die jeweiligen Bedürfnisse optimiert würden. Es gehe also nicht nur um eine Entlastung der Notaufnahme, sondern auch um den Aspekt der Patientenzufriedenheit.

Für ein Resümee noch zu früh

„Da das Pilotprojekt erst im vergangenen September gestartet wurde, ist es für ein abschließendes Resümee noch zu früh. Jedenfalls lässt sich bislang feststellen, dass die Zahl der Patienten in der Notfall-Triage-Praxis stetig steigt“, erklärt Michael Siano auf Anfrage von regionalHeute.de. Im Moment würden bei vier Stunden Öffnungszeit täglich durchschnittlich sechs Patienten, an Spitzentagen 15 bis 20 Patienten behandelt. In den nächsten drei Monaten soll das Ziel von vier bis sechs Patienten pro Stunde und 20 Patienten pro Tag erreicht werden.

Die Idee hinter dem Projekt

Die Städtisches Klinikum Braunschweig gGmbH betreibt aktuell zwei Notaufnahmen an zwei Standorten: eine unfallchirurgische Notaufnahme in der Klinik für Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie und eine Zentrale Notaufnahme in der Klinik für Notfallmedizin und Allgemeine Innere Medizin (ZNA). Am Standort der Zentralen Notaufnahme wurden in den vergangenen Jahren bereits mehrere Maßnahmen zur Optimierung der Notfallversorgung ergriffen. Trotz insgesamt weiter ansteigenden Patientenzahlen sank so im Jahr 2016 erstmalig seit Gründung der ZNA im Jahr 2005 die Zahl der ambulanten Fälle. Für diesen Rückgang ist der seit Ende 2015 am Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zur ZNA etablierte vertragsärztliche Bereitschaftsdienst verantwortlich.

Der Vorteil, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst am Standort in direkter Nähe zur Zentralen Notaufnahme zu haben, erstreckt sich aufgrund der Öffnungszeiten des Dienstes in den Abendstunden und am Wochenende nicht auf die Zeiten mit dem höchsten Patientenaufkommen in den Notaufnahmen. Die Patientenströme in die Zentrale Notaufnahme steigen ab dem frühen Vormittag an und erreichen ihren Höchststand über die Mittagszeit. Am Nachmittag nehmen die Patientenzahlen langsam ab. Und genau hier greift die Notfall-Triage-Praxis an. Das Modellprojekt wurde gestartet, um die ZNA zu den Zeiten des höchsten Patientenaufkommens im Tagdienst von 10 bis 14 Uhr zu entlasten. Hierzu werden Ärzte für eine ambulante, hausärztlich geprägte Versorgungstätigkeit in der ZNA eingesetzt.

So funktioniert die Notfall-Triage-Praxis

Seit Einführung der fünfstufigen Triage nach dem ESI-Algorithmus (Emergency Severity Index) rund um die Uhr in der Zentralen Notaufnahme kann die Behandlungsdringlichkeit der Patienten zuverlässig und sicher ersteingeschätzt werden. Patienten der ESI-Stufen 1 bis 3 werden in der ZNA weiterbehandelt. Fußläufige selbsteinweisende Patienten mit Einstufung nach ESI 4 und 5 werden in die Notfall-Triage-Praxis weitergeleitet. Dort erfolgt die Diagnostik und Behandlung nach Hausarztstandard. Zur Verfügung stehen neben den üblichen Verfahren auch EKG, Ultraschall und Basislabor. Die Verordnung von Arzneimitteln ist mit Rezepten über Arzneimittel in kleiner Menge möglich. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen können nicht ausgestellt werden.

Im Regelfall wird der Patient nach der Behandlung in die ambulanten Versorgungsstrukturen zu seinem weiterbehandelnden Haus- oder Facharzt weitergeleitet. Sollte sich bei der Versorgung in der Notfall-Triage-Praxis wider Erwarten eine Krankenhausbehandlung als notwendig erweisen, wird der Patient mit Verordnung stationärer Krankenhausbehandlung (Einweisung) direkt in die Zentralen Notaufnahme verbracht.

So ist die Praxis aufgestellt

Personell ist die Notfall-Triage-Praxis mit Fachärzten für Allgemeinmedizin und Medizinischen Fachangestellten ausgestattet. Die Mitarbeiter sind in der Klinik für Notfallmedizin und Allgemeine Innere Medizin angestellt und werden in der Notfall-Triage-Praxis eingesetzt. Die Vertretung zu Fortbildungszwecken, in Urlaubs- und Krankheitszeiten wird durch Personal der Zentralen Notaufnahme sichergestellt.

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