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Für einen Abend nach China

1. Dezember 2015 von
Im kommenden Jahr macht der Chinesische Nationalzirkus auch Halt in Braunschweig. Foto: Chinesischer Nationalzirkus/Chinatown

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Braunschweig. China ist omnipräsent. Aus kaum einem Lebensbereich ist das Reich der Mitte jetzt noch wegzudenken. Konfuzianische Lebensweisheiten, Chinesische Küche, Kung Fu und die atemberaubende Akrobatik flankieren den Siegeszug der chinesischer Kultur, während die Chinesen nicht mehr von der weltpolitischen Bühne wegzudenken sind und ihre wirtschaftliche Präsenz eindrucksvoller denn je ist. Im Gespräch mit regionalBraunschweig.de erzählt der Produzent des Chinesischen Nationalzirkus, wie er mit seinem Programm die asiatische Kultur zeigt und warum das Thema der neuen Show aktueller denn je ist. Auch eine seiner Vorzeigeartistin, die 21-jährige Doudou, kam zu Wort.  Der Chinesische Nationalcircus wird am 14. Februar 2016 mit dem Programm Chinatown zu Gast in der Stadthalle Braunschweig sein. 


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Der Zirkus wurde 1989 in Deutschland von André Heller gegründet und im Jahr 2000 von Raoul Schoregge übernommen. Der gibt im Gespräch zuerst einen Einblick, wie die Akrobatik sich in China überhaupt zu so einem wichtigen Zweig entwickelt hat. Die Anfänge würden auf drei Säulen stehen. Da wäre die Armee, die bereits in frühen Zeiten eine Vorhut aus Akrobaten gehabt hätte, um dem Feind gleich Respekt einzuflößen, dazu käme das Akrobatik für den Einklang von Körper, Geist und Seele stehen würde. Ein weiterer wesentlichster Punkt sei im Teehaus zu sehen. Dort wollte man seit jeher unterhalten werden. „Im Teehaus ist nicht viel Platz und man hat nur Dinge aus dem alltäglichen Leben zur Hand, so entwickelte sich hier die Akrobatik Stück für Stück weiter. Aktuell gibt es in China 1000 Zirkusgruppe und Schulen, die diese Volkskunst weiter verfolgen und präsentieren. Chinesische Akrobaten gehören auch aufgrund der jahrelangen Ausbildung zu den besten der Welt“, so Schoregge. Seine Mannschaft kommt aus ganz China, neben einem festen Stamm, kommen immer wieder neue Talente zum Zirkus.

Raoul Schoregge ist Produzent und künstlerischer Leiter. Foto: R. Braumann

Raoul Schoregge ist Produzent und künstlerischer Leiter. Foto: R. Braumann

Eine von ihnen ist die 21-jährige Doudou. Bereits im Alter von 14 Jahren stieß sie zum team. Schoregge übernahm die Vormundschaft und sagt er habe seitdem eine chinesische Tochter. Sie erzählt ganz unverblümt, wie die Anfangszeit in ihrer Ausbildungsgruppe war, bevor sie zum Nationalzirkus stieß. Bereits als fünfjährige sei das Training losgegangen, wirklich hart wäre es für sie gewesen, dass man ihr selten etwas zu essen gegeben hätte.

Doudou: Einer der Stars zeigte sein Können vor Ort.

Doudou: Einer der Stars zeigte sein Können vor Ort.

„In meiner Gruppe war ich eine der kleinste und leichtesten Personen und wurde deswegen immer nach ganz oben bei Pyramiden oder ähnlichem gehoben. Die anderen Frauen in meiner Gruppe achteten daher sehr auf mein Gewicht und es gab nur Ei und Salat“, berichte sie in gutem Englisch. Bei einem ersten Kontakt mit dem Zirkus schlich sie sich heimlich Nachts zur Choreografin von Schoregge und bekam Schokolade, eine erste Bindung entstand. Nach der Beendigung ihrer Ausbildung, wollte Doudou nach Deutschland und zum Chinesischen Nationalzirkus, wo sie mittlerweile eine der Stars ist.

Schoregge ist es wichtig zu betonen, dass es mit seinem Programm auch darum gehe einen Einblick in die chinesische Kultur zu geben, nicht ohne einige Dinge kritisch zu hinterfragen. „Es ist nicht nur die Präsentation von Höchstleistungen und akrobatischen Fähigkeiten, es soll auch einen Einblick in die Kultur geben. Auch die Geschichte der jungen Künstler fließen in die Shows mit ein.

Es ist keine Propaganda Veranstaltung für China“, so der Produzent. Zum Glück sei man sehr erfolgreich, deshalb ließen die Chinesen ihn die Dinge auch ohne Probleme so machen, wie er es für richtig hält. „Es gibt häufig Vorurteile, inwiefern man ein totalitäres System damit unterstützen würde, inwieweit es eine Verherrlichung gibt. Das ist hier eine ganz andere Geschichte, ich bin Produzent aus Deutschland, habe mir auch meine Rechte in China erkämpft es so präsentieren zu können, wie ich es für richtig halte. Es ist mir auch egal was die sagen, ich möchte einen Einblick in die Kultur geben und das tun wir mit unseren Shows“,  sagt Schoregge.

Was erwartet die Besucher genau? Der künstlerische Leiter erklärte es im O-Ton:

Das aktuelle Programm heißt Chinatown und der Produzent betont die Aktualität des Themas. „Wenn man genau hinschaut, dann waren die Chinesen die ersten Wirtschaftsflüchtlinge und haben überall auf der Welt Parallelgesellschaften gebildet und das hat gut funktioniert. Im Programm zeigen wir aber auch die Probleme, Konflikte und Geschichten, die sich ergeben, wenn eine Kultur mit 5000 Jahren Geschichte ins Ausland geht. Sehr spannend, wir benutzen die Akrobatik, um auch auf wichtige gesellschaftliche Themen einzugehen. Menschen machen sich auf mit ihrer Kultur im Gepäck, um in einem neuen Land ihren Träumen und Hoffnung nachzugehen. Das ist aktueller den je.“

Zu der Crew des Zirkus gehören 26 Künstler und noch einmal so viele Teammitglieder, die sich um den reibungslosen Ablauf kümmern. Premiere feiert das neue Programm am 10. Dezember in Tschechien. Die Show geht gute zwei Stunden und Karten kosten zwischen 39 und 45 Euro und sind unter www.paulis.de zu haben. Die wohl besten Artisten der Welt trotzen dann am 14.02. 2016 in Braunschweig wieder einmal den Gesetzen der Schwerkraft und überwinden die Grenzen menschlicher Anatomie. „Günstiger kann man an einem Abend nicht nach China und wieder zurück kommen“, schließt Schoregge lachend das Gespräch.

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