Anzeige

Anzeige
Anzeige

18. April 2014
Großes Stadtgeläut: Nur in Frankfurt/Main klingen mehr Glocken als in Braunschweig
von |
mit Video
|
mit Podcast

Anzeige

Braunschweig. Sie ist die allererste Kirchen-Glocke, die Gründonnerstag Punkt 18 Uhr beim großen Stadtgeläut in Braunschweigs Innenstadt zu hören ist: Die „Blasius minor“ – fast ein wenig vorwitzig klingt sie aus dem Dom heraus. So, als wollte sie sagen: „Ich bin eine Dom-Glocke und gebe hier gefälligst den Ton an?!“


Anzeige
stand-stadtgelaeut-publikum

Einige „Hörlustige“ hatten sich rechtzeitig auf dem Parkdeck eingefunden. Fotos: André Ehlers

Kurze Zeit später stimmen die übrigen Kirchen in dieses exklusive „Glocken-Konzert“ ein. Nur aus der „St-Martini-Kirche“ ist nichts zu hören?! Was ist da los? Hat man am Altstadtmarkt das große Stadtgeläut verpasst oder die Automatik falsch programmiert? Ausgerechnet „St. Martini“ – die Kirche mit der größten und tontiefsten Glocke, dem „Großen Adler“, schweigt. Wie peinlich … ?! Doch dann schlägt sie an. Ein tiefer, durchdringender Ton erklingt. Durch die Fensteröffnungen der Glockenstube ist das Schwingen des großen Instrumentes zu sehen. Ganz klar: „Der Große Adler“ brauchte  seinen Extra-Auftritt – denn diese Glocke feiert in diesem Jahr ein stattliches Jubiläum.

Sebastian Wamsiedler kennt ihre Geschichte, wie auch die aller weiteren Glocken der großen Braunschweiger Kirchen. Als „Sachverständiger“ ist der Salzgitteraner der „Glocken-Experte“ der Region.

Wir haben ihn während des großen Stadtgeläuts auf dem obersten Deck des Karstadt-Parkhauses zum BraunschweigHeute.de-Interview getroffen:

Was fasziniert Sie am Braunschweiger Stadtgeläut?

Wamsiedler: Faszinierend ist natürlich die große Anzahl der Glocken. Es läuten gerade 46 Glocken der Innenstadt-Kirchen. Das ist das zweitgrößte Stadtgeläut, welches wir in Deutschland haben. Nur noch übertrumpft von Frankfurt am Main. Dort gibt es vier Glocken mehr. Aber wenn hier in Braunschweig alle Glocken läuten, dann ist das schon ein ganz faszinierendes Erlebnis und großartiger Klang.

Gibt es einen „Superstar“ unter den Braunschweiger Glocken?

Wamsiedler: In diesem Jahr haben wir ein Geburtstagskind in der Stadt: „Der Große Adler“ der St. Martini-Kirche. Sie ist die größte Glocke der Stadt Braunschweig und wird in diesem Jahr, im November, 390 Jahre alt. Sie ist eine Glocke mit über 5 Tonnen Gewicht. Das gibt es nicht so oft. Sie hat einen ganz faszinierenden Klang und wurde von Wandergießern aus Lothringen hier in Braunschweig gegossen und es ist einfach wunderbar, dass sich diese alte Glocke in Braunschweig erhalten hat.

Haben Sie persönlich eine Lieblings-Glocke in Braunschweig?

Wamsiedler: Ja, also „Der große Adler“ ist schon sehr faszinierend. Es gibt aber in St. Martini auch die älteste Glocke der Stadt: Die „Drei-Königs-Glocke“ – etwas kleiner als „Der Große Adler“ – stammt aber aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts und besticht durch ihre ganz wunderbare Klangfärbung. Das ist ein großartiges Instrument.

„Glockensachverständiger“ ist kein alltäglicher Beruf. Wie sind Sie dazu gekommen?

Wamsiedler: Die Glocken sind ja eigentlich Musikinstrumente und Musik war schon immer ein Hobby und eine große Leidenschaft von mir. Und da ich nebenbei Kirchenorgel spiele, habe ich mich irgendwann an die Glocken herangewagt. Die haben mich dann so fasziniert, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe.

Gibt es weltweit eine Glocke, die man unbedingt einmal live gehört haben sollte?

Wamsiedler: Da gibt es einige, bei denen einem als Glocken-Interessierter das Herz aufgeht. Eine der großen Glocken in Deutschland ist zum Beispiel die „Gloriosa“ im Erfurter Dom. Sie wurde übrigens von Gerhard van Wou gegossen, der auch mit den drei größten Glocken im Braunschweiger Dom seine Spuren hinterlassen hat. Es gibt aber selbstverständlich auch große Glocken im Ausland: Natürlich in Paris in Notre-Dame die „Emmanuel“ – ein Instrument, das man eigentlich wirklich einmal live gehört haben sollte.

Und Ihr Lieblingsfilm ist folglich „Der Glöckner von Notre-Dame“?!

Wamsiedler: (lacht) Fast – ich mag natürlich den schönen Roman von Victor Hugo. Er hat übrigens dazu beigetragen, dass die Glocken im 19. Jahrhundert wieder etwas mehr ins Bewußtsein der Menschen gerückt wurden.

Nur zweimal im Jahr läuten sämtliche Braunschweiger Innenstadt-Kirchen gemeinsam zum großen Stadtgeläut: Am Gründonnerstag und zum Beginn des Kirchenjahres, am Vortag zum ersten Advent.

So klang das große Stadtgeläut am Gründonnerstag 2014:

Lesen Sie auch:

Jubiläum beim Stadtgeläut: Seit 390 Jahren klingt der „Große Adler“ von St. Martini


Zurück zur Titelseite Artikel drucken

Anzeige