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Kolumne: Karate – Murmeln Folge2

21. Oktober 2015 von
Unsere neue Kolumne zum Thema Sport. Ab sofort jede Woche. Titelfoto: privat

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Unterschiedliche Ansätze. Grafik: Frank Vollmer

Unterschiedliche Ansätze. Grafik: Frank Vollmer

Wenn der VfL Wolfsburg heute Abend in der Champions League auf den niederländischen Meister PSV Eindhoven trifft, werden aller Voraussicht nach wieder einige Plätze frei bleiben im Stadion am Mittellandkanal.


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Während anderswo die Tickets für Begegnungen der „Königsklasse“ sofort vergriffen sind und bald unter der Hand zu Mondpreisen gehandelt werden, könnte man in Wolfsburg sogar noch Karten an der Tageskasse bekommen – obwohl bei internationalen Spielen nur 26.000 Plätze zugelassen sind. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die dem Klub sowieso die Daseinsberechtigung in einer höheren Spielklasse absprechen, weil er ausschließlich durch unangemessen hohe Zahlungen des VW-Konzerns überleben könne. Und wirklich, das Ausbleiben der Zuschauer ausgerechnet bei den Filet-Spielen des Fußballjahres weist nach, dass es der VfL trotz massiver Unterstützung des Eigentümers immer noch nicht geschafft hat, sich in der Region eine für einen Bundesligisten übliche oder wenigstens ausreichende Fangemeinde zuzulegen.

Seit fast 20 Jahren buttert Volkswagen unerhörte Summen in den VfL Wolfsburg. Schätzungen zufolge sind es insgesamt bereits über zwei Milliarden Euro, jedes Jahr wird eine hohe zweistellige Millionensumme nachgeschossen, als hätte Geld keinen Wert. Marketing-Fachleute kritisieren diese Summen bereits seit langem als überhaupt nicht gerechtfertigt. Der Werbewert des VfL Wolfsburg wird deutlich geringer eingeschätzt, manche unterstellen dem Klub sogar Negativ-Werbeeffekte. Fakt ist: Bei den Menschen kommt der VfL nicht an. Und das überrascht nicht, denn im Gegensatz zu anderen Bereichen ist das Fußballgeschäft doch deutlich traditioneller geprägt. Im Musikbusiness mag es ja funktionieren, eine Band zusammenzustellen und Hallen füllen zu lassen. Der Fußball aber tickt anders. Man kann es ruhig als Markentreue bezeichnen, dass viele Fans ihren Vereinen auch nach Abstiegen treu bleiben. Auch wenn es natürlich viele der so genannten „Erfolgsfans“ gibt, die besonders dann da sind, wenn es gut läuft. Aber, und genau das ist das Besondere in diesem Fall, diese Erfolgsfans fehlen dem VfL Wolfsburg. Sonst wäre das für Bundesligaverhältnisse eher kleine Stadion durchgehend ausverkauft.

VfL-Sportchef Klaus Allofs erklärt das fehlende Interesse des Publikums an den Wolfsburger Europa-Auftritten mit den späten Anstoßzeiten. Gleichzeitig wünscht sich Max Eberl, Allofs‘ Pendant bei Borussia Mönchengladbach, mehr Tickets für die eigenen Fans – bei Auswärtsspielen. Die Borussia könnte also problemlos mehr Eintrittskarten verkaufen als man ihr zuteilt. Für Allofs ist das eine schallende Ohrfeige, denn die Borussia spielt nicht nur zeitgleich, sondern sogar fern der Heimat. An den Anstoßzeiten liegt es also nicht, dass Wolfsburg die Hütte nicht gefüllt bekommt. Es ist natürlich ein Imageproblem. Und dieses Imageproblem wird nicht kleiner, wenn Allofs ausgerechnet in Zeiten, in denen der VfL-Eigner Volkswagen eine existenzbedrohende Imagekrise durchschreiten muss, jeden „Verdacht“, der VfL werde zukünftig bescheidener auftreten, im Keim erstickt. Aber dieser Klaus Allofs, der in Parallelwelten zu leben scheint, ist authentisch. Bereits beim SV Werder Bremen hatte sich gezeigt, dass Allofs kein guter Wirtschafter ist, wenn die Mittel begrenzt sind. Der SVW knabbert noch heute an den Folgen so manch teuren Transferflops von Klaus Allofs und spielt nicht zufällig regelmäßig gegen den Abstieg. Allofs ist dann gut, wenn er Geld ausgeben kann. Diesen Mann muss man sich also leisten können. Der VfL Wolfsburg kann es. Noch.

Till

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Dies ist eine Kolumne von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

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