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30. November 2015
Leben mit Flüchtlingen: Experten beantworten Bürger-Fragen
von |
mit Video

Rund 1000 Bürger informierten sich am Montag über das Standortkonzept zu der Unterbringung von Flüchtlingen. Foto/Video: Sina Rühland
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Braunschweig. Sicherheit, Integration, Finanzen und Sozialgefüge: rund 1000 Besucher haben sich am Montagabend in der VW-Halle über das Standortkonzept für Flüchtlinge in Braunschweig informiert. 


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Die voraussichtlichen Standorte für die Unterbringung der Flüchtlinge stehen fest: an 16 Standpunkten sollen ab dem kommenden Februar Menschen im Anerkennungsverfahren dezentral untergebracht werden. Nachdem bekannt wurde, dass die Stadt Braunschweig etwa 1000 Asylbewerber dauerhaft aufnehmen soll, hatte die Stadtverwaltung ein Konzept entwickelt. Bis zu 100 Menschen sind laut des Konzeptes pro Wohneinheit vorgesehen. Die ersten Wohnanlagen in Leichtbauweise könnten innerhalb der nächsten sechs Monate stehen. Um die Bürger über die genauen Standorte zu informieren und ihnen Raum Anmerkungen zu geben, stellten sich Experten aus Verwaltung und Polizei den offenen Fragen. Dabei kamen Fragen nach Sicherheit, Wertverlust des Eigenheims und vor allem nach Integration an den Tag. Einer der Besucher fragte etwa nach Sozialpädagogen in den betroffenen Stadtteilen, eine andere Dame machte sich Sorgen um Wohlergehen und Sicherheit von Frauen. Dass ein Integrationskonzept aktuell erarbeitet würde, erklärte Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke. In Fragen der Sicherheit antworte Kripo-Chef Ulf Küch. Er erklärte, dass Kriminalität kein Thema Frage der Nationalität sei. Bedenken zeigte auch eine junge Dame in Hinblick auf die Zukunft ihres Sportvereins. Da die Turnhalle zweckentfremdet würde, mache sie sich Sorgen um den Verbleib des Vereinslebens. Eine problemlösende Antwort erhielt sie jedoch nicht.

Menschen lassen sich nicht kontingentieren

Stadtverwaltung, Polizei und Sachverständige stellten sich den Fragen der Bürger. Foto: Sina Rühland

Stadtverwaltung, Polizei und Sachverständige stellten sich den Fragen der Bürger. Foto: Sina Rühland

Es wurden einige Fragen an diesem Abend gestellt. Fragen, auf die auch die Stadtverwaltung noch nicht in Gänze antworten konnte. Die aktuelle Lage der Situation verdeutlichte Oberbürgermeister Ulrich Markurth: „Wir haben uns dieses Thema nicht ausgesucht. Es hat sich uns ausgesucht. Es geht nicht darum, ob wir wollen oder nicht. Wir sollten uns nun lieber darüber Gedanken machen, wie wir damit umgehen.“ Auch die Frage nach genauen Zahlen der ankommenden Flüchtlinge wurde immer wieder gestellt: „Wir werden über Zahlen reden müssen – aber dahinter stehen Menschen. Sie lassen sich nicht kontingentieren, sie lassen sich nicht aufhalten“, so Markurth. „Auch wenn wir nichts täten, kämen die Menschen hierher. Würden wir nicht helfen, hätten wir die größte Obdachlosigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg.“

3-Phasen-Konzept

So könnten die Leichtbauhäuser aussehen. (Beispiel-Bild aus Bremen). Foto: Stadt Braunschweig

So könnten die Leichtbauhäuser aussehen. (Beispiel-Bild aus Bremen). Foto: Stadt Braunschweig

Für den Fall, dass die Stadt Braunschweig innerhalb kürzester Zeit Menschen aufnehmen muss, hat die Verwaltung ein Konzept erarbeitet. Dieses sieht drei Phasen vor: kommen die Menschen in Braunschweig an, gehen dem in der Regel zwei Tage voraus. Um die Menschen schnell und unkompliziert unterbringen zu können, hat die Stadt im ersten Schritt die Unterbringung in den Turnhallen vorgesehen. So sollen vorerst die Sporthallen Naumburgstraße, Watenbüttel und Moselstraße als Erstaufnahme dienen. Begründet sind diese Standorte mit den Gegebenheiten wie vorhandenen Toiletten. Entstehen dort etwa 400 Plätze zur Verfügung. Im zweiten Schritt sollen die Menschen dann in die geplanten Wohneinheiten umziehen. Sie könnten in etwas so aussehen, wie das Beispiel aus Bremen zeigt. Je nach Standortgröße könnten dort 50 bis 100 Menschen ihren Raum finden. Wenn das Anerkennungsverfahren dann nach einigen Monaten abgeschlossen ist, haben die Menschen freie Wohnortwahl und dürfen sich somit ihren Lebensort selber bestimmen.

Geplante Standorte

Geplante Standorte. Foto: Stadt Braunschweig

Geplante Standorte. Foto: Stadt Braunschweig

Folgende Orte wurden ausgewählt: Bienrode, Im großen Moor, Gartenstadt, Elzweg, Gliesmarode, Hungerkamp, Hondelage, Ackerweg, Lamme, Bruchstieg, Melverode, Glogaustraße, Ölper, Biberweg, ehemalige Schule, Östliches Ringgebiet, ehemaliges Kreiswehrersatzamt, Rautheim, Braunschweiger Straße, Rühme, Flachsrottenweg, Rüningen, Unterstraße, Siegfriedviertel, Beethovenstraße, Stöckheim, Mascherorder Weg, TU, Mendelssohnstraße, Volkmarode, Ziegelwiese-Ost, Watenbüttel, Celler Heerstraße. Die Unterbringung soll dann überwiegend in Häusern in Leichtbauweise erfolgen. An den Standorten Östliches Ringgebiet und Ölper könnten eventuell die bereits bestehende Gebäude – Kreiswehrersatzamt und ehemalige Schule – genutzt werden.

Fragen und Antworten

Rund 1000 Bürger

Experten stellten sich den Fragen der Bürger. Foto: Sina Rühland

Der Rat der Stadt wird am 21. Dezember über das Konzept entscheiden kann. Auch die betroffenen Stadtbezirksräte werden angehört. Gegebenenfalls werden Anregungen in Ergänzungsvorlagen aufgegriffen. Alle Informationen samt genauer Standorte finden sich auf www.braunschweig.de. Ab sofort ist auch die Mailadresse standortkonzept-fluechtlinge@braunschweig.de freigeschaltet. Bis Dienstag, 15. Dezember, können Bürger Anregungen und Anmerkungen zum vorliegenden Standortkonzept direkt an die bearbeitenden Stellen in der Stadtverwaltung senden. Die Anmerkungen werden ausgewertet. Wichtige Hinweise sollen in der Ergänzungsvorlage zum Ratsbeschluss einfließen.


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