Anzeige

„Mein Kampf“: Kommentierte Hetzschrift kommt in die Bücherregale

7. Januar 2016 von
Seitenweise Hetze: Adolf Hitler schrieb "Mein Kampf" während seiner Inhaftierung 1924. Symbolfoto: Sina Rühland/Stadtbibliothek Braunschweig

Anzeige

Braunschweig. An diesem Freitag kommt die wissenschaftlich kommentierte Neufassung von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ auf den Markt – und somit wahrscheinlich auch in die Klassenzimmer. 70 Jahre nach Hitlers Tod darf die Hetzschrift nun legal nachgedruckt werden. Die örtliche Buchhandlung „Graff“ wird die kommentierte Neufassung den Kunden ab Freitag zum Verkauf anbieten. Eine große Auslage soll es jedoch nicht geben, erzählt eine Mitarbeiterin. Man wolle mit diesem Buch kein Geld verdienen. 


Anzeige

Mit dem Ende Jahres 2015 hat der Freistaat Bayern die Urheberechte an dem bislang zum Nachdruck verbotenen Buch verloren. Seit dem 1. Januar 2016 darf also jeder Verlag das Buch nachdrucken. Die kommentierte, rund 2000 Seiten umfassende Neuerscheinung des Institutes für Zeitgeschichte „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“ darf ab diesem Freitag in den Regalen liegen. Die örtliche Buchhandlung Graff bestätigt auf Anfrage, dass die Neufassung ebenfalls anboten werde. „Wir werden diese Ausgabe im Regal stehen haben, es aber nicht präsentieren. Man wird es nicht als große Auslage finden“, so Graff-Mitarbeiterin Heide-Käthe Püdcher. Man wolle nicht das große Geld mit diesem Buch verdienen. Die Entscheidung, wie das Traditionsbuchhaus mit der Neufassung umgeht, führte auch unter den Mitarbeiterin vorab für viele Gespräche. „Es ist schwierig“, sagt die Buchhändlerin, „gerade in Zeiten wie diesen.“

Wie mit Anfragen umgehen?

Bereits vor dem Erscheinungs-Datum seien einige Bestell-Anfragen bei ihr eingegangen, erzählt Heide-Käthe Püdcher. „Vor allem Bibliotheken und Wissenschaftler wollen die Ausgabe in ihrem Bestand haben.“ Es seien aber auch junge Menschen in gängiger Kleidung der rechten Szene gekommen, um nach dem Buch zu fragen. „In solchen Fällen, habe ich versucht aufzuklären. Ich habe ihnen erklärt, dass das Buch eine wissenschaftliche Ausgabe mit 2000 Seiten sei und es ihnen im Internet gezeigt.“ Daraufhin hätten sich die Anfragen schnell erledigt, so Püdcher.

„Mein Kampf“ in den Klassenzimmern

Kultusministerin Frauke Heilgenstadt kündigte an, dass die kommentierte Version von „Mein Kampf“ im Unterricht eingesetzt werden dürfte. „Auch nach dem Auslaufen des Urheberschutzes erfüllt das unkommentierte Verbreiten dieser Hetzschrift nach wie vor den Tatbestand der Volksverhetzung. Darum darf es in der Originalfassung auch weiterhin nicht an Schulen eingesetzt werden. Das finde ich auch richtig, vor allem wenn ich daran denke, wozu dieses Hetzwerk beigetragen hat und was es noch heute bei den Überlebenden des Holocaust auslöst. Rechtlich anders verhält es sich mit kritisch kommentierten Ausgaben von „Mein Kampf“, wie beispielsweise der des Instituts für Zeitgeschichte. Sie deckt die Lügen, Halbwahrheiten und Feindkonstruktionen des Originals auf, korrigiert und ergänzt um Fakten, die Hitler im Sinne seiner menschenverachtenden Ideologie verschwiegen hat. Lehrkräfte, die das Thema im Rahmen ihrer pädagogischen Verantwortung im Unterricht behandeln wollen, können sich didaktisch aufbereiteter Quellenauszüge bedienen, um die Inhalte und Formen der nationalsozialistischen Weltanschauung und Propaganda im Unterricht zu behandeln.

‚Mein Kampf‘ ist und bleibt ein furchtbares Buch voller Rassenhetze und Grausamkeit. Es ist Aufgabe des Unterrichts, der durch ausgebildete Geschichtslehrerinnen und –lehrer erteilt wird, die kritische, mündige und reflektierte Auseinandersetzung damit anzuleiten. Schülerinnen und Schüler müssen klar erkennen können, zu welchen Gräueltaten dieses Buch beigetragen hat und welche aktuellen Bezüge sich dazu herstellen lassen. Wir haben Vertrauen in unsere Lehrkräfte, dass sie kritisch kommentierte Textauszüge angemessen in den Unterricht einbinden. Wir werden den Schulen jedoch nicht vorschreiben, die Schrift als historische Quelle verpflichtend einzusetzen.“

Medienpartner
Anzeigen
Kontakt zur Redaktion
Sie erreichen unsere Redaktion 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche per
E-Mail: braunschweig@regionalheute.de
und montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr per
Telefon 0531 / 362 597 03
Anzeigen
Telefonnummern
Apotheken-Notdienst: 22 8 33
Ärztlicher Notdienst: 116 117
Elterntelefon: 0800 111 0 550
Feuerwehr-Notruf: 112
Frauenhaus Braunschweig: 0531 / 2 80 12 34
Gift-Notruf: 0551 / 19 24 0
Kartensperrungs-Notruf (für alle): 116 116
Kinder- und Jugendtelefon: 0800 / 111 0 333
Klinikum Braunschweig: 0531 / 595-0
Naturheilpraxen Sabine Linek: 05371 - 1 88 30 Naturheilpraxen Sabine Linek: 05371 - 1 88 30
Polizei-Notruf: 110
Rettungsdienst-Notruf: 112
Telefonseelsorge (evangelisch): 0800 / 111 0 111
Telefonseelsorge (katholisch): 0800 / 111 0 222
Weisser Ring Opfertelefon: 116 006