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Mieter der Jahnstraße kämpfen gegen die BBG

18. Januar 2016 von
In der Jahnstraße gibt es sehr unterschiedliche Ansichten, über die aktuelle Situation. Fotos/Video: Robert Braumann

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Braunschweig. Die Jahnstraße in Braunschweig gibt schon ein eher ungewöhnliches Bild ab – glänzend sanierte Häuser stehen neben wirklich heruntergekommenen Gebäuden. Auf der Facebook-Seite „Jahnstrasse fights the BBG“, haben sich mittlerweile fast 200 Menschen versammelt und es gibt kritische Stimmen. Der Vorwurf, die BBG wolle aktuelle Mieter loswerden, um die alten Häuser zu sanieren und die Wohnung anschließen wieder teuer zu vermieten. Der Betrieb der Kohleöfen in einigen Gebäuden sei untersagt worden. Die Baugenossenschaft weist die Vorwürfe zurück, man strebe keine Luxussanierung an  und habe Ausweichmöglichkeiten angeboten.


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Für den Betreiber der Seite ist die Sache klar, wenn die jetztigen Bewohner vor Ort bleiben und saniert wird, könnten die Mieten nur moderat angehoben werden, so sehe es das Gesetz vor. Neue Mieter könnten demnach sehr viel mehr zu Kasse gebeten werden. So versuche man von Seiten der BBG alles, um die Situation so unangenehm wie möglich zu gestalten, heißt es. Da sind gleich mehrere Vorwürfe, die publik gemacht werden. So würden die Bewohner in einigen Gebäuden noch mit Kohleöfen heizen, dass habe die BBG nun untersagt. Man habe den Bewohnern je zwei kleine Radiatoren gegeben, die eine lächerliche Heizleistung hätten. Dazu werde seit Jahren nichts an den Häusern gemacht. Es gäbe wackelige Treppengeländer, zerbrochene Scheiben und der Putz käme von den Wänden. In einem Post wird das Ganze so zusammengefasst:

Die Öfen wollen einige Mieter behalten. Foto: Robert Braumann

Die Öfen wollen einige Mieter behalten. Foto: Robert Braumann

„Die Bewohner haben Verträge mit günstigen Mieten und wenn saniert wird, was unbesehen nötig ist, können diese Kosten dafür nicht auf die Mieter umgelegt werden. Deshalb soll entmietet werden. Auch wenn Heizungen eingebaut werden kann die BBG lediglich elf Prozent der Kosten für den Heizungseinbau pro Jahr auf die Bewohner umlegen. Diese Gesetzesvorgabe soll jetzt geändert werden auf acht Prozent. Neue Fenster können den Mietern nach dem Einbau nicht berechnet werden, weil die jetzigen auseinanderfallen und seit dem Einbau nie lackiert wurden. Ähnlich verhält es sich mit der Sanierung der Flure, der Toiletten, etc. Somit geht es der BBG einzig und alleine darum das Sie AUS GESETZLICHEN GRÜNDEN die Mieten nicht auf sechs Euro pro Quadratmeter erhöhen darf wenn die Mieter nicht vorher in irgend einer Art und Weise entsorgt werden.  Auch darf die BBG nur mit dem Einverständnis der Bewohner den Grundschnitt der Wohnung verändern. Auch deshalb müssen die Bewohner raus. Es sollen nach den Plänen der BBG Wände versetzt werden und große Badezimmer eingebaut werden. Danach hätten die Bewohner ein Zimmer weniger. Die Mieter dort haben ihre Wohnungen auf eigene Kosten saniert haben sich die Fußböden erneuert und die Wohnungen auf einen recht hohen Standard gebracht. Auch haben die Wohnungen Badezimmer und ja man wird es nicht glauben man wäscht sich auch in der Jahnstraße.  Die Mieter wollen somit nur auf ihr gutes Recht bestehen und das die Gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Die Bewohner wollen ihre Wohnungen so behalten wie sie sich diese hergerichtet haben. Gut schließende Fenster werden nicht per se abgelehnt aber man will nicht zahlen wofür man nicht zahlen muss weil es einfach von Rechtswegen verboten ist. Den Bewohnern werde als Ersatz für ihre Wohnungen aus denen sie raus sollen nur solche mit dreifachem Preis bei gleicher Wohnungsgröße angeboten.“

Was sagt die BBG?

Auf Anfrage von regionlHeute.de bestätigte die BBG das Verbot der Kohleöfen und liefert die Begründung gleich mit: „Am 4. November 2015 gab es einen Feuerwehreinsatz in der Jahnstraße 12. Durch Fehlbedienung eines Kohleofens drangen Rauchgase in eine leer stehende Wohnung. Die Rauchgase erhielten nicht den nötigen Auftrieb und wurden in die Wohnung zurückgedrückt. Am 5. November wurde durch eine Bauaufsichtsanordnung der Stadt Braunschweig die Nutzung der Kohleöfen im Haus untersagt. Die Schornsteinanlage darf in dieser Form nicht weiter betrieben werden. Die BBG ist im Zuge der Verkehrssicherungspflicht dafür verantwortlich, dass durch die Nutzung von Kohleöfen keine Gefahr für die Mieter ausgeht. Was in dem einen Haus passiert ist, könnte auch in anderen Häusern geschehen, so die Auskunft des Bezirksschornsteinfegers.

Die Jahnstraße in Braunschweig. Foto: Robert Braumann

Die Jahnstraße in Braunschweig. Foto: Robert Braumann

In Reaktion auf den Vorfall wurde deshalb am 17. November entschieden, die Nutzung der Kohleöfen auch in der Jahnstraße 8, 8a, 11 und 18 bis 20 zu untersagen. Den Mietern wurden zur alternativen Beheizung der Wohnungen jeweils zwei Radiatoren – mobile Elektroheizungen – übergeben. Sämtliche Kosten in Zusammenhang mit dem vorübergehenden Betrieb sowie die entstehenden Stromkosten für die Beheizung werden von der BBG übernommen. Aufgrund der beschränkten Beheizbarkeit der Räume wurde eine Mietminderung um 30 Prozent vorgenommen, rückwirkend ab Dezember 2015. Die Erneuerung der Schornsteine wäre nicht wirtschaftlich. Denn sowohl der Einbau einer Heizung als auch die Modernisierung der Häuser sind in Planung. Sie sollen bereits im Januar beginnen“, so Andreas Gehrke, Abteilungsleiter Marketing/Presse/Öffentlichkeitsarbeit BBG. Den betroffenen Mietern habe man angeboten, entweder in der Jahnstraße oder im gesamten Bestand eine sanierte Wohnung mit Zentralheizung – im Fall einer Zwischennutzung zu den gleichen Konditionen wie in ihrer derzeitigen Wohnung, mit Übernahme der Umzugskosten, zu beziehen. Dort liegen einige Mieten bei 2 bis 2,50 Euro pro Quadratmeter.

Vielfalt solle erhalten bleiben

Auch solle keine Gentrifizierung und Luxussanierung in der Jahnstraße erfolgen. „Die Häuser in der Jahnstraße wurden zwischen 1901 und 1912 gebaut. Einige der Häuser wurden im Lauf der Jahre modernisiert. So wurden in den 80er Jahren zum Beispiel Wohnungen mit öffentlichen Mitteln für kinderreiche Familien ausgebaut. 2008 eröffnete die BBG ein Sportlerhaus für junge Profis und Nachwuchsspieler. Das Projekt Nähwerkstatt wurde mit einer umgebauten, mietfreien Wohnung unterstützt. Ziel war (und ist), die einst verrufene, „vergessene“ Straße zu einem lebendigen Quartier mit eigenem Charme weiterzuentwickeln. Zunehmend zogen auch Studenten der HBK in Wohnungen ein. Einige leer stehende Wohnungen wurden Künstlern vorübergehend zur kostenlosen Nutzung sowie für Ausstellungen bereitgestellt. Langjähriger Nutzer war zum Beispiel das Projekt Neunraumkunst. Nicht wenige Häuser sind indes in einem schlechten Zustand. Ohne Zentralheizung und Bäder sind sie nicht zeitgemäß ausgestattet. Die Elektroinstallation etwa entspricht nicht den aktuellen Vorschriften. Frei werdende Wohnungen wurden deshalb bewusst leergehalten.

Einige Häuser sind dringend sanierungsbedürftig. Foto: Robert Braumann

Einige Häuser sind dringend sanierungsbedürftig. Foto: Robert Braumann

Diese Häuser in der Jahnstraße werden nun nach und nach modernisiert. Im Frühjahr 2015 wurden bereits zwölf modernisierte Wohnungen in Haus 7a neu vermietet. Hier wohnen nun Studenten, junge Mütter mit Kind, WGs und Angestellte – eine bunte Mischung. Das neu gestaltete Haus nebenan – Nummer 7 – wird durch die Mansfeld-Löbbecke-Stiftung genutzt. In fünf Wohnungen werden junge Erwachsene mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen betreut und begleitet. In den Zwei-Zimmer-Wohnungen wurden Bäder, eine Zentralheizung und doppelverglaste Iso-Fenster eingebaut. Das Dach wurde erneuert, die Fassade gestrichen.“

Es soll weiter saniert werden

Seit Herbst 2015 würden nun auch die Häuser 16, 16a und 17 guten Wohnkomfort bieten. Die Aufwertung dieser Häuser wurde mit öffentlichen Baudarlehen des Landes Niedersachsen sowie Städtebauförderungsmitteln finanziert. So sei es gelungen, den Mietpreis unter fünf Euro pro Quadratmeter zu halten. „Die Mieten der 28 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen sind für einen längeren Zeitraum preislich gebunden. Voraussetzung für den Einzug ist ein Wohnberechtigungsschein. Zusätzlich wurden fünf Dachgeschosswohnungen geschaffen. Eingezogen sind in die Häuser zum Beispiel Menschen mit Beeinträchtigung (Paare und 2er-WGs), die von der Lebenshilfe ambulant betreut werden, sowie junge Leute, die in ihrer ersten eigenen Wohnung durch Mitarbeiter der AWO begleitet werden. Auch junge Spanier wohnen nun hier. Sie machen im Rahmen des Projekts MobiPro-EU eine Ausbildung in Handwerksbetrieben, zum Beispiel als Tischler, Kfz-Mechatroniker, Maler und Lackierer. Eingezogen sind auch langjährige Mieter der Jahnstraße aus anderen Eingängen, die bald modernisiert werden. Die bunte Mischung im Quartier – inklusive vieler Kreativer – soll erhalten bleiben“, so Gehrke.

„Keine Luxussanierung“

Im nächsten Schritt sei nun die Modernisierung der Häuser 11 und 12 geplant – vis-à-vis des sanierten Blocks. Hier seien derzeit noch drei von 16 Wohnungen bewohnt, so der Sprecher. Den Mietern werde alternativer Wohnraum angeboten. Bei Interesse hätten sie nach der Modernisierung die Möglichkeit, ihre bisherige Wohnung wieder zu beziehen. Um den Mietpreis niedrig zu halten, seien öffentliche Baudarlehen und städtische Sanierungsmittel beantragt worden. „Ziel ist, die Kaltmiete um fünf Euro pro Quadratmeter zu halten! Die Entscheidung, ob die Mittel bewilligt werden, steht indes noch aus. Luxusmodernisierung sieht anders aus“, findet Gehrke.

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