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Mit Sang und Klang: Bürger nahmen Abschied vom Gliesmaroder Bad

9. Juli 2014 von
"Sanieren statt abreißen": Das ist die Forderung des Fördervereins Gliesmaroder Bad. Fotos: Christina Balder

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Braunschweig. Lucy ist die letzte ihrer Art. Die Fünfjährige hat am Mittwoch als letztes Kind ihren Freischwimmer im Gliesmaroder Bad gemacht. Dass das Bad an diesem Tag zum (vorerst) letzten Mal geöffnet hatte, findet sie „schon blöd“. Damit geht es ihr wie all den Menschen, die sich am Nachmittag vor dem Eingang versammelt hatten, um das Bad mit Musik zu verabschieden.


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Lucy Arnold, Freischwimmerin Gliesmarode. foto: privat

Lucy Arnold hat am letzten Öffnungstag des Bades noch ihren Freischwimmer gemacht. Foto: privat

Ein Abschied soll es eigentlich gar nicht sein, sagt Gary Blume, der Vorsitzende des im vergangenen September gegründeten Fördervereins Badezentrum Gliesmarode. Denn sein Ziel ist es ja, das Bad zu erhalten. Dennoch: am 10. Juli wird das Bad morgens nicht wie gewohnt öffnen. Auch am 11. nicht und wer weiß, wie viele Tage danach ebenfalls nicht. Doch auch in der Hoffnung, es möge ein Abschied auf Zeit sein, habe man den Tag „nicht sang- und klanglos vorübergehen lassen“ wollen, sagt Blume.

Für Sang und Klang war den Nachmittag über gesorgt, und zwar mit hochkarätigen Musikern, die sich bereit erklärt hatten, kostenlos für das Bad zu spielen. Dabei waren unter anderem Georg Renz samt Cello-Quartett aus Musikern des Staatsorchesters, Peter Stoppok, Bernd Dallmann und Meike Koester. „Der Tenor bei allen war: Es ist grenzwertig, die Stadtteilbäder zugunsten eines Spaßbads zu schließen“, erzählt Artur Schmieding, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins.

Es soll, so wie es ist, erhalten werden, findet der Verein. Saniert ja, „aber mit dieser Fassade und dieser Architektur“, sagt Blume. Möglicherweise könne man das Beckenangebot verkleinern, doch die Optik solle erhalten werden.

Architekt: „Man kann es sanieren“

Das käme auch Hans Struhk entgegen. Struhk ist der Architekt, der das Bad seinerzeit entworfen und gebaut hat. „Es ist unendlich schade, dass es abgerissen werden soll“, sagt er. „Gucken Sie sich mal das Pflaster an, das ganze Umfeld: wie sich hier Mensch, Natur und Architektur zusammenfügen zu einer Einheit!“ Dass saniert werden müsse, sei klar. „Um es so zu erhalten, ist es zu marode“, sagt Struhk. Doch in seinem Büro habe man sich Gedanken gemacht, ob es  zu sanieren sei und zu welchem Preis. Die Antwort: „Ja, es ist zu sanieren, auch für die sechs Millionen Euro, die Friedrich Knapp investieren will“, sagt Wolf-Dieter Geisler, der die Kosten kalkuliert hat. Eine Sparversion sei sogar für 4,5 Millionen zu haben, aber dazu will Geisler nicht raten. „Für eine vernünftige Sanierung müssten es sechs Millionen schon sein.“

Smiljana Dings vor ihrem Tresen. Sie wird das Bad vermissen, sagt sie.

Smiljana Babic vor ihrem Tresen. Sie wird das Bad vermissen, sagt sie.

Noch gibt es keine Entscheidung der Stadt zu Friedrich Knapps Idee (BraunschweigHeute.de berichtete). Smiljana Babic hofft ebenso wie der Verein. Sie verkauft Pommes, bunte Tüten und Getränke an die Badegäste, an diesem Mittwoch zum letzten Mal. „Ich kriege Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, dass hier jetzt geschlossen wird“, sagt sie. Schon als Kind sei sie mit ihrer Mutter regelmäßig hergekommen, jetzt ist es damit erst einmal vorbei, trotz aller Gegenwehr: „Ich habe die Petition auch unterschrieben, aber Vater Staat hat nicht auf uns gehört“, klagt sie.

Wo Lucy nun ihre Schwimmfähigkeiten weiter ausbauen kann, weiß sie genauso wenig wie ihre Mutter. „Gute Frage“, sagt Madlen Arnold. Im Sommer werde sie wohl das Raffteichbad nutzen, doch für den Herbst sei noch alles offen. Das Spaßbad „Wasserwelt“, das am 14. Juli öffnet, wolle sie zwar mal ausprobieren – „gleich boykottieren darf man sowas ja auch nicht“ – , aber der Preis schrecke sie ab: „Das kostet ja ungefähr das Doppelte!“

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