ÖPNV zum Nulltarif bleibt vorerst Wunschvorstellung

von Nick Wenkel


Die Fraktion P2 stellte einen Antrag, zur Prüfung einer für den Fahrgast kostenfreien ÖPNV-Nutzung. Foto: Archiv
Die Fraktion P2 stellte einen Antrag, zur Prüfung einer für den Fahrgast kostenfreien ÖPNV-Nutzung. Foto: Archiv | Foto: Sina Rühland

Braunschweig. In einigen deutschen Großstädten wurde es bereits getestet: Der ÖPNV zum Null-Tarif. In der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am vergangenen Dienstag stellte die Fraktion P2 (Piraten/Die Partei) den Antrag, fahrscheinfreien Bahnverkehr zu prüfen. Ob nun aber ohne Papier oder ohne Kosten, es bleibt wohl zunächst eine Wunschvorstellung.


Unklarheit herrschte bei den Mitgliedern zunächst bei der Formulierung des Antrages. In diesem war nämlich von einem „fahrscheinfreien ÖPNV die Rede". Detlef Kühn (SPD) fragte die antragsstellende Fraktion P2, ob sie mit der Machbarkeitsstudie einen für Fahrgäste kostenfreien Bahnverkehr prüfen lassen wollen oder aber einen ohne Tickets in Papierform. Anke Schneide (Die Linke) lenkte ein und stellte klar, dass es sich hierbei wohl um eine Prüfung für eine ÖPNV-Nutzung zum Nulltarif handle, die sie so auch begrüßen würde. Doch Dr. Wolfgang Büchs (BIBS), der den Antrag der Fraktion P2 so ebenfalls unterstützt, fand die Formulierung „fahrscheinfrei" gar nicht so abwegig. Denn: Die Kosten bestehen in jedem Fall. Die Frage hier sei nur für wen?

Manlik: Umsetzung ist „völlig irreal"


Eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens sei laut P2 unbestritten notwendig. Daher auch der Antrag. Man wolle so das Klima und die Umwelt schützen, die Emissionsbelastung verringern oder die Verkehrsinfrastruktur zu entlasten. „Es geht auch darum den ÖPNV in Braunschweig auf die Zukunft vorzubereiten", sagte P2-Ratsherr Christian Bley im Hinblick auf den demografischen Wandel. „Man muss sich auch klar sein, dass dies ein Millionenauftrag ist", erwiderte jedoch Reinhard Manlik (CDU), der den Antrag der als „völlig irreal" bezeichnete. Auch einen ticketlosen Bahnverkehr hält er aktuell nicht für umsetzbar, obwohl er diesen gut fände. Problem hier wären überregionale Fahrten in andere Städte, wo der Fahrgast dann wieder ein Ticket in Papierform bräuchte. Daher müsste man in solch einem Fall, mit den anderen Kommunen zusammen arbeiten.

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Die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses diskutierten in ihrer vergangenen Sitzung über eine kostenfreie ÖPNV-Nutzung. Foto:


Gegenwind aus der Verwaltung


Für die Verwaltung, vertreten von Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer, sei es hingegen wichtiger, den ÖPNV insgesamt attraktiver zu gestalten. Hier sei man „auf einem sehr guten Weg", so Leuer. Bei einer fahrscheinfreien Bahnnutzung würden hingegen nicht nur Investitionserhöhungen im zweistelligen Millionenbereich hinzukommen, sondern es würde auch die Kündigung des Tarifverbunds beinhalten. Frank Flake (SPD), erinnerte abschließend daran, dass man in Leipzig alleine für die Machbarkeitsstudien rund 200.000 Euro ausgegeben hat. So kam es dann auch, dass der Antrag und die Prüfung zum ÖPNV-Nulltarif mehrheitlich abgelehnt wurde.


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