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10. Februar 2015
Rituelles Waschhaus auf dem Stadtfriedhof ist eröffnet

Dr. Sadiqu Al-Mousslie, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Braunschweig, Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Hayri Aydin, Vorsitzender des Rates der Muslime. Foto: Sina Rühland
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Braunschweig. Zu einer würdevollen Bestattung gehört in einigen Kulturkreisen auch die rituelle Waschung eines Verstorbenen. Oberbürgermeister Ulrich Markurth hat am Dienstagnachmittag das neu errichtete Waschhaus auf dem Stadtfriedhof seiner Bestimmung übergeben. Es soll das einzige dieser Art in der Region sein. 


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Das neu errichtete Waschhaus auf dem Stadtfriedhof. Foto: Sina Rühland

Das neu errichtete Waschhaus auf dem Stadtfriedhof. Foto: Sina Rühland

Das Waschhaus soll Menschen verschiedener Religionsgemeinschaften die Möglichkeit geben, ihre verstorbenen Verwandten und Freunde einer Totenwaschung zu unterziehen. Besonders gewünscht ist dies in der Islamischen Gemeinschaft, in der dieses Ritual ein wichtiger Bestandteil der religiösen Bestattungszeremonie und des Abschiednehmens ist. „Wir wollen, dass in unserer Stadt alle Bürger jeglicher Glaubensrichtungen und Weltanschauungen ihre Bestattungskultur würdevoll ausgestalten können.“, sagte Oberbürgermeister Markurth. Das sei eine moderne Großstadt ihren Bürgern schuldig und sei zugleich ein Teil gelebter Integration. Braunschweig setze mit dem Waschhaus ein kraftvolles Zeichen für die Kultur des Miteinanders. „Das Bekenntnis zu den freiheitlich-demokratischen Grundwerten unseres Zusammenlebens und der Respekt vor unterschiedlichen kulturellen und religiösen Traditionen sind keine Gegensätze.“, so der Oberbürgermeister.

Eine Zeichen der Willkommenskultur

Der 110 Quadratmeter große Gebetsplatz bietet eine Fläche für die Trauergebete. Foto: Sina Rühland

Der 110 Quadratmeter große Gebetsplatz bietet eine Fläche für die Trauergebete. Foto: Sina Rühland

Der Beschluss für die Errichtung des Neubaus wurde 2013 im Rat einstimmig beschlossen. Den ersten Spatenstich setzte man im Sommer des vergangenen Jahres. „Dieser Beschluss hat uns sehr gefreut – diese Anlage vermittelt uns eine gewisse Willkommenskultur. Die Lage ist zur Zeit leider nicht einfach. Dieser Schritt ist der richtige Schritt“, so Hayri Aydin, Vorsitzender des Rates der Muslime. Mit dem Bau hätte man ein Zeichen gesetzt – gerade den Menschen gegenüber, die einen Keil zwischen die Gesellschaft treiben wollten.

Details zum Waschhaus

Foto: Sina Rühland

Ein Tisch dient dem Herrichten des Leichnams. Foto: Sina Rühland

Das Gebäude umfasst einen einfach und funktional gestalteten, knapp 40 Quadratmeter großen Waschraum mit einem Waschtisch und einem Tisch zum Herrichten des Leichnams. In zwei weiteren Räumen können sich die Mitglieder der Trauergemeinde vor der Teilnahme am rituellen Totengebet reinigen. Für das Totengebet steht einer offener, befestigter Gebetsplatz zur Verfügung. Die Verwaltung rechnet derzeit mit 35 Waschungen von Verstorbenen aus Braunschweig und der Region pro Jahr. Die Kosten für den Bau des Waschhauses liegen bei 150.000 Euro.


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