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Stadtbezirksrat lehnt 3D-Zebrastreifen ab

8. Februar 2018 von
Das Thema einer Einrichtung eines 3D-Zebrastreifens in Braunschweig sorgte am gestrigen Abend für viele Diskussionen. Foto: Nick Wenkel/Archiv
Braunschweig. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat im Stadtbezirk Lehndorf-Watenbüttel angeregt, dass an der Kreuzung Saarbrückener Straße/St.-Wendel-Straße der dortige Zebrastreifen zur Verkehrsberuhigung als 3D-Zebrastreifen umgestaltet werden solle. Mit diesem Thema hat sich am gestrigen Abend der Stadtbezirksrat befasst.

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Der Antrag beruhe auf einer Beschwerde von Anwohnern, die ihre Kinder an der besagten Kreuzung in Gefahr sehen würden, beginnt Dr. Frank Schröter, Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und stellvertretender Bezirksbürgermeister, mit der Präsentation des Tagesordnungspunktes zur Errichtung eines 3D-Zebrastreifen nach isländischem Vorbild. Nach der Straßenverkehrsordnung wäre eine solche Umgestaltung möglich. Fast alle anwesenden Stadtbezirksratsmitglieder hatten anschließend Diskussionsbedarf zum Thema.

Die Mitglieder des Stadtbezirksrates hatten zum Thema 3D-Zebrastreifen viel zu sagen. Foto: Jonas Walter

„Wer die Kreuzung kennt, weiß, dass das nicht reicht“

Daraufhin äußerte sich Karl Grziwa von der CDU-Fraktion. Es gehe bei dem Antrag im Wesentlichen um die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Wer die Kreuzung kenne, wisse auch, dass es mit einer Maßnahme wie dem 3D-Zebrastreifen nicht getan sei. Langfristig müsse die Kreuzung komplett umgestaltet werden, um eine angemessene Lösung zu finden, betonte das Stadtbezirksratsmitglied. Er wohne selbst in der Nähe der Kreuzung und könne bestätigen, dass viele Fahrzeuge nicht vorbei fahren, sondern gar donnern würden. Er schlägt weitere Maßnahmen wie zum Beispiel eine Verkehrsverengung durch Poller vor, einzig die Umgestaltung des Zebrastreifens wäre in Betracht des Problems nicht zielführend.

Karl Grziwa. Foto: T. Raedlein

„Panikbremsungen könnten zu Unfällen führen“

Karin Seibold, ebenfalls Mitglied der CDU-Fraktion im Stadtbezirksrat, ergänzte, dass sie zwar für mehr künstlerische Einflüsse in den Städten plädieren würde, den 3D-Zebrastreifen aber besonders an einer so vielbefahrenen Stelle als äußerst ungeeignet empfände. Sie sei Gutachterin für Verkehrssicherheit bei der Deutschen Bahn, das sei ähnlich wie auch im Straßenverkehr. Deshalb äußerte sie Sicherheitsbedenken im Hinblick auf eventuelle Panikbremsungen von Autofahrern, die sich vor dem neuartigen Zebrastreifen erschrecken könnten. Eine wissenschaftliche Analyse sei vor einer solchen Umsetzung dringend notwendig.

Thorsten Herla, Vorsitzender der Stadtbezirksratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen entgegnete daraufhin, dass er eher mit erhöhter Wachsamkeit der Verkehrsteilnehmer rechne, wenn sie das neuartige Objekt im Straßenverkehr sehen würden. Frei nach dem Motto „Was ist denn hier los?“.  Es bedürfe einer schnellen Lösung für das Geschwindigkeitsproblem an der Kreuzung, da die Eltern schon über ein halbes Jahr auf Verbesserungen seitens der Stadt warten würden.

„Keine Frage des Wollens“

Anschließend teilte Bezirksbürgermeister Frank Graffstedt mit, dass die Umsetzung von Maßnahmen keine „Wollens-Frage“ sei, sondern eine Frage nach dem, was rechtlich möglich sei. Momentan gehe er davon aus, dass die ab dem gestrigen Nachmittag vorliegende Verwaltungsstellungnahme zum Antrag die besten Maßnahmen enthalte, um der Gefährdung zu begegnen. Diese sieht unter anderem eine durchgezogene Linie zwischen den Fahrstreifen vor, sodass zumindest niemand mehr auf die Idee komme, direkt am Zebrastreifen einen am Fahrbahnrand haltenden Bus zu überholen, wie es zur Zeit oft geschehe.

„Nicht in der Lage die Folgen abzusehen“

Dr. Sebastian Vollbrecht. Foto: CDU

Dr. Sebastian Vollbrecht, Vorsitzender der Stadtbezirksratsfraktion der CDU, äußerte, dass das Projekt durch die optische Täuschung zwar mediales Interesse wecke und innovativ wirke, aber auch massiv abhängig vom gewählten Ort sei, wenn es um die Wirkung im Straßenverkehr gehe. Vor einem solchen Beschluss sollten vernünftige Stellungnahmen aus der Wissenschaft abgewartet werden. Vollbrecht sehe sich nicht in der Lage, die Folgen einer solchen Umgestaltung abzusehen.

Auch Simone Wilimzig-Wilke von der SPD Fraktion begegnete dem Konzept des 3D-Zebrastreifens mit Bedenken. Der betroffene Bereich sei Schulweg für viele Kinder und in den vorhandenen Videos der Zebrastreifen aus Island sehe man, dass der 3D-Effekt als Anreiz für die übertriebene Nutzung des Objektes diene. Deshalb sollten jetzt schon vorgeschlagene Maßnahmen priorisiert und die Wirkung abgewartet werden.

Simone Wilimzig-Wilke. Foto: SPD 

Eike Hoffmann von der FDP-Fraktion teilte seinerseits mit, dass er damals zufällig die Berichterstattung über das Konzept in Island mitbekommen habe und damals schon dachte, es wäre eher ein PR-Gag. Verkehrstauglichkeit traute er dem 3D-Zebrastreifen auf jeden Fall auch damals schon nicht zu. Schon gar nicht für Deutschland. Auch Hoffmann setzte sich für die Umsetzung der Verwaltungsvorschläge ein.

Antrag hat hohe Wellen geschlagen

William Labitzke von der SPD-Fraktion freute sich über den Antrag, weil er hohe Wellen geschlagen und das Thema auf die Tagesordnung gerufen habe. Auch er forderte die Umsetzung der Verwaltungsvorschläge, betonte allerdings auch, dass es ein Braunschweig-weites Problem sei, dass Autos nicht an Zebrastreifen halten würden. Viele Stellen hätten ähnliche Bedarfe wie die thematisierte Kreuzung.

Jens Kamphenkel, ebenfalls im Stadtbezirksrat für die SPD-Fraktion, versuchte nach eigenen Angaben offen an das Thema heranzugehen. Die Argumentationsweise überzeugte ihn aber nicht. So konnte auch er für den Moment dem Projekt keine Zustimmung geben.

Frank Graffstedt. Foto: SPD

Abschließend resümierte Bezirksbürgermeister Frank Graffstedt noch einmal: Auch er sehe die Probleme, die eine Umsetzung des 3D-Zebrastreifens mit sich bringen würde. Auch glaube er an einen Gewöhnungseffekt wie bei anderen verkehrsberuhigenden Maßnahmen auch. 

Am Ende stimmten die Mitglieder über zwei separate Anträge ab. Zum einen die ursprüngliche Anregung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die mit nur Zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt wurde. Zum anderen wurde seitens der Versammlung aufbauend auf der Stellungnahme der Verwaltung formuliert, dass man zusätzlich schraffierte Flächen mit technischen Überfahrungsmöglichkeiten ergänzen solle, um der Lage an der Kreuzung Saarbrückener Straße/St.-Wendel-Straße gerecht zu werden. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

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