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10. September 2014
Starke Frauen, keine Opfer: 100 Porträts in Ausstellung zu Gewalt gegen Frauen

99 Frauen - plus eine im Spiegel. Sie alle haben eine Geschichte zu erzählen. Annette Schiffmann hat zugehört. Fotos: Christina Balder
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Braunschweig/Wolfenbüttel. Sie sind 18 oder 91 Jahre alt, sie sind Akademikerin oder Zwangsprostituierte, Mutter oder kinderlos. Und viele von ihnen  wissen, was Gewalt ist. Ein Viertel von ihnen hat am eigenen Körper, an der eigenen Seele erfahren, was Gewalt bedeutet. Ihre Gesichter und ihre Geschichten zeigt eine Ausstellung in der Stadtbücherei, die das Frauenhaus Braunschweig und das Frauenschutzhaus Wolfenbüttel in die Stadt geholt haben. Am Mittwoch wurde sie eröffnet.


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Sie, du oder ich, wir sind die hundertste Frau. Wie hier die Ausstellungskuratorin Annette Schiffmann.

Sie, du oder ich, wir sind die hundertste Frau. Wie hier die Ausstellungskuratorin Annette Schiffmann.

99 Frauen und eine immer wechselnde, die in einem Spiegel erscheint, zeigt die Ausstellung von Annette Schiffmann. Die Heidelbergerin fotografierte und interviewte die Frauen, die einen Querschnitt durch die Gesellschaft bilden sollen, Frauen aus Deutschland und von anderswo, junge und alte, aus verschiedenen Städten und Milieus. Sie stellte ihnen immer dieselben fünf Fragen, darunter auch die, ob sie jemals mit Gewalt in Berührung gekommen sind.

Die Statistik sagt, jede vierte Frau hat bereits Gewalt erfahren, oft im familiären Umfeld. „Mit den Fotos wollte ich der Statistik ein Gesicht geben“, sagt Annette Schiffmann. Oder besser: 100 Gesichter. Schiffmanns nicht repräsentative, aber relativ zufällige Auswahl von Frauen zeigt: Es sind mehr als ein Viertel der Fotografierten, die ihre Frage bejahen. Doch die Ausstellung will nicht Opfer zeigen. Sie zeigt starke Frauen, die selbstbewusst in die Kamera schauen, und die das Schöne am Frausein beschreiben können. „Ich habe versucht, zu diesem hässlichen Thema Gewalt etwas Unhässliches zu machen“, erklärt Schiffmann ihre Motivation.

Andrea Reinhardt-Ziola, Annette Schiffmann und Gudrun Meurer-Hageroth.

So kommt es auch, dass die Frage nach der Gewalt erst die vierte von fünf Interviewfragen ist. Zuvor erzählen die Frauen – und all ihre Antworten sind per Audioguide hörbar – davon, worauf sie stolz sind, was ihnen daran gefällt, eine Frau zu sein, und was sie als Nachteile empfinden. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Frauen quer über alle Kultur-, Alters- und Klassengrenzen hinweg so ähnlich sind, wenn es um das Frausein geht“, erzählt Schiffmann. Sehr viele von ihnen antworteten, sie schätzten die Fähigkeit, schwach zu sein, und die gesellschaftliche Erlaubnis dazu.

Männer dürfen das nicht. Sie müssen stark sein, das heißt: nicht weinen, nicht „mädchenhaft“ sein. „Die Frauen empfanden es als sehr angenehm, dass wir mehr Gefühle entfalten dürfen, ohne uns etwas zu vergeben“, sagt Schiffmann. Im Gegenteil,  die Frauen kehrten Schwäche oft in Stärke um.

Die Frauen, die Schlimmes erlebt haben mit Männern, schöpften aus dieser Erfahrung oft viel Kraft. Auch Andrea Reinhardt-Ziola vom Frauenschutzhaus Wolfenbüttel hat diese Erfahrung  gemacht. „Statistisch dauert eine gewalttätige Beziehung rund acht Jahre, bis die Frau die Kraft findet, sich zu befreien – das ist ein gewaltiger Schritt, der auch viel mit persönlichem Wachstum zu tun hat“, erzählt sie.

Was Annette Schiffmanns 99 Frauen zu erzählen haben und was davon sie in ihren Gesichtern tragen, ist unter dem Titel „Die Hälfte des Himmels  – 99 Frauen & Du. Wander-Ausstellung zu Frauen & Gewalt“ bis zum 23. September im Lesesaal der Stadtbücherei im Schloss zu sehen. Daran beteiligt, dass sie nach Braunschweig gekommen ist, sind Andrea Reinhardt-Ziola (Frauenschutzhaus Wolfenbüttel), Gudrun Meurer-Hageroth (Frauenhaus Braunschweig), Susanne Löb (Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wolfenbüttel) und Maybritt Hugo (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig).



Starke Frauen, keine Opfer: 100 Porträts in Ausstellung zu Gewalt gegen Frauen

99 Frauen - plus eine im Spiegel. Sie alle haben eine Geschichte zu erzählen. Annette Schiffmann hat zugehört. Fotos: Christina Balder
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Braunschweig. Sie sind 18 oder 91 Jahre alt, sie sind Akademikerin oder Zwangsprostituierte, Mutter oder kinderlos. Und viele von ihnen  wissen, was Gewalt ist. Ein Viertel von ihnen hat am eigenen Körper, an der eigenen Seele erfahren, was Gewalt bedeutet. Ihre Gesichter und ihre Geschichten zeigt eine Ausstellung in der Stadtbücherei, die das Frauenhaus Braunschweig und das Frauenschutzhaus Wolfenbüttel in die Stadt geholt haben. Am Mittwoch wurde sie eröffnet.


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Sie, du oder ich, wir sind die hundertste Frau. Wie hier die Ausstellungskuratorin Annette Schiffmann.

Sie, du oder ich, wir sind die hundertste Frau. Wie hier die Ausstellungskuratorin Annette Schiffmann.

99 Frauen und eine immer wechselnde, die in einem Spiegel erscheint, zeigt die Ausstellung von Annette Schiffmann. Die Heidelbergerin fotografierte und interviewte die Frauen, die einen Querschnitt durch die Gesellschaft bilden sollen, Frauen aus Deutschland und von anderswo, junge und alte, aus verschiedenen Städten und Milieus. Sie stellte ihnen immer dieselben fünf Fragen, darunter auch die, ob sie jemals mit Gewalt in Berührung gekommen sind.

Die Statistik sagt, jede vierte Frau hat bereits Gewalt erfahren, oft im familiären Umfeld. „Mit den Fotos wollte ich der Statistik ein Gesicht geben“, sagt Annette Schiffmann. Oder besser: 100 Gesichter. Schiffmanns nicht repräsentative, aber relativ zufällige Auswahl von Frauen zeigt: Es sind mehr als ein Viertel der Fotografierten, die ihre Frage bejahen. Doch die Ausstellung will nicht Opfer zeigen. Sie zeigt starke Frauen, die selbstbewusst in die Kamera schauen, und die das Schöne am Frausein beschreiben können. „Ich habe versucht, zu diesem hässlichen Thema Gewalt etwas Unhässliches zu machen“, erklärt Schiffmann ihre Motivation.

Andrea Reinhardt-Ziola, Annette Schiffmann und Gudrun Meurer-Hageroth.

So kommt es auch, dass die Frage nach der Gewalt erst die vierte von fünf Interviewfragen ist. Zuvor erzählen die Frauen – und all ihre Antworten sind per Audioguide hörbar – davon, worauf sie stolz sind, was ihnen daran gefällt, eine Frau zu sein, und was sie als Nachteile empfinden. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Frauen quer über alle Kultur-, Alters- und Klassengrenzen hinweg so ähnlich sind, wenn es um das Frausein geht“, erzählt Schiffmann. Sehr viele von ihnen antworteten, sie schätzten die Fähigkeit, schwach zu sein, und die gesellschaftliche Erlaubnis dazu.

Männer dürfen das nicht. Sie müssen stark sein, das heißt: nicht weinen, nicht „mädchenhaft“ sein. „Die Frauen empfanden es als sehr angenehm, dass wir mehr Gefühle entfalten dürfen, ohne uns etwas zu vergeben“, sagt Schiffmann. Im Gegenteil,  die Frauen kehrten Schwäche oft in Stärke um.

Die Frauen, die Schlimmes erlebt haben mit Männern, schöpften aus dieser Erfahrung oft viel Kraft. Auch Andrea Reinhardt-Ziola vom Frauenschutzhaus Wolfenbüttel hat diese Erfahrung  gemacht. „Statistisch dauert eine gewalttätige Beziehung rund acht Jahre, bis die Frau die Kraft findet, sich zu befreien – das ist ein gewaltiger Schritt, der auch viel mit persönlichem Wachstum zu tun hat“, erzählt sie.

Was Annette Schiffmanns 99 Frauen zu erzählen haben und was davon sie in ihren Gesichtern tragen, ist unter dem Titel „Die Hälfte des Himmels  – 99 Frauen & Du. Wander-Ausstellung zu Frauen & Gewalt“ bis zum 23. September im Lesesaal der Stadtbücherei im Schloss zu sehen. Daran beteiligt, dass sie nach Braunschweig gekommen ist, sind Andrea Reinhardt-Ziola (Frauenschutzhaus Wolfenbüttel), Gudrun Meurer-Hageroth (Frauenhaus Braunschweig), Susanne Löb (Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wolfenbüttel) und Maybritt Hugo (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig).


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