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Studierende bangen um ihr Heim

28. September 2016 von
Das Studierendenwohnheim in der Gaußstraße 16 steht kurz vor der Schließung. Die Studierenden kämpfen um ihre Bleibe. Foto: privat

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Braunschweig. Das Studierendenwohnheim in der Gaußstraße 16 steht kurz vor der Schließung. Das Haus muss dringend saniert werden, doch die Mittel sind nicht da - so bleibt für 23 Bewohner und Bewohnerinnen nur die Hoffnung auf großzügige Spenden, die das ganze am Leben erhalten.

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Zugegeben im bestem Zustand ist das Wohnheim in der Gaußstraße nicht mehr, das Dach ist marode, die Elektrik und der Brandschutz müssten auf den neuesten Stand gebracht werden. Allein die grundlegenden Sanierungen werden mit rund 500.000 Euro zu Buche schlagen, das bestätigt auch die TU Braunschweig auf Nachfrage der Redaktion. Dennoch, das Haus hat einen ganz besonderen Flair, irgendwie wie eine richtige große WG. Kunstwerke an den Wänden, eine kleine Gemeinschaftsküche und ein Bad auf den einzelnen Etagen und mehrere Gemeinschaftsräume, die förmlich nach langen Diskussion bei Rotwein und Zigaretten schreien. Dazu sieht es aus wie in einer WG, ein bisschen wild, aber eben auch gemütlich und einladend.

500.000 Euro fehlen

Das Haus mit der Nummer 16 gehört dem Land und wurde der TU als Nutzer übertragen, erzählt Charlotte, eine von 23 Bewohnern und Bewohnerinnen. Das Wohnheim wird von den Studierenden selbst verwaltet und stellt damit eine echte Besonderheit da. Auch Elisabeth Hoffmann, Pressestelle der TU Braunschweig, weiß um die Besonderheiten des Gebäudes. „Das ganze liegt uns schon am Herzen, aber die Sicherheit der Bewohner ist einfach nicht mehr gegeben, es wäre aber natürlich Schade, wenn dieses besondere Wohnheim nicht zu halten ist.“ Besonders die Selbstverwaltung sei ein Alleinstellungsmerkmal. Charlotte erzählt: „Wir kümmern uns hier um alles, machen den Putzplan, entscheiden gemeinsam wer einzieht und sind eigentlich eine große Familie“, erzählt sie. Die kommt aus der ganzen Welt, im Haus leben Menschen aus Indien, Spanien, Kamerun oder auch Brasilien. Die TU hätte ihnen mitgeteilt, dass für eine Sanierung als Wohnraum keine Mittel beantragt werden könnten. Dies ginge nur für die Bereiche Lehre und Forschung, auch das bestätigt Hoffmann gegenüber regionalHeute.de. Die Bewohner sehen absolut ein, dass etwas getan werden muss und haben mit der TU nach eigener Aussage zumindest einen Deal aushandeln können.

Gerade am Dach muss etwas getan werden

Gerade am Dach muss etwas getan werden

Sechs Monate haben sie Zeit, um die 500.000 Euro, die für eine erste Sanierung anfallen würden, zu beschaffen. Danach ist Feierabend, sollte das Geld nicht gesammelt werden, schließt die Einrichtung. Hoffmann sagt: „Diese Frist ist absolut bindend, danach müssen die Leute raus.“ Doch die Studierenden haben Pläne, wie sie das noch abwenden könnten: Verschiedene Spendenaktionen bei öffentlichen Veranstaltungen im Haus, Kontakt zum Ehemaligennetzwerk, das Wohnheim besteht in der Form seit 1958, aufbauen, Eigenbeteiligung: Zahlung höherer Mieten, gegebenfalls Auffinden von Großspendern und Crowdfunding.

In der Gaußstraße 16 gibt es den einzigen Anlaufpunkt für Foodsharing in Braunschweig, der sehr gut nachgefragt wird, zudem würden Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedensten Hintergründen das Haus als Anlaufpunkt sehen.

Das Foodsharing im Haus wird gut angenommen.

Das Foodsharing im Haus wird gut angenommen.

„Es wäre eine weitere Geschichte, bei der ein Stück Multi-Kulti einfach verschwindet“, so Karolin, die ebenfalls im Haus wohnt. Charlotte ergänzt: „Wir geben volle Power und versuchen so viel wie möglich zusammen zu bekommen, auch wenn 500.000 natürlich eine ordentliche Hausmarke sind. Es wäre schon Schade, wenn das hier alles aufgegeben werden müsste.“ Die aktuellen Bewohner wird das alles aber vermutlich nicht mehr betreffen. „Sollten wir das Geld zusammen bekommen, dann müsste erst einmal rund ein Jahr lang saniert werden, so dass erst in zwei Jahren wieder Studenten hier einziehen könnten“, erzählt Charlotte.

Gaußstraße, Studentwohnheim, Foto: Robert Braumann

Dennoch wolle man das Haus erhalten, für die kommenden Studierenden, weil es eben so ein besonderer Ort sei. „Hier entstehen richtig coole Gemeinschaften und die Selbstverwaltung ist wirklich ein Privileg, deshalb wollen wir auch dafür kämpfen, dass es hier auch in Zukunft so etwas geben kann“, schließt sie. Seit Jahrzehnten unterstützt der Verein „Vereinigung zur Förderung des Studentenheims Gaußstraße 16 e.V.“ den Erhalt des Hauses als Wohnraum für Studierende. Auch ein Spendenkonto ist bereits eingerichtet: IBAN DE11250100300098005304, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: Erhalt des Studierendenwohnheims Gaußstraße 16. Kontoinhaber: Vereinigung zur Förderung des Studentenheims Gaußstraße 16 e.V.

Andere Nutzung denkbar

So oder so, möchte die TU das Gebäude im eigenen Bestand erhalten. Sollte die Summe für die Sanierung nicht zusammen kommen, werde man schauen, welche Mittel man beantragen könne, um das Gebäude für Studierende in anderer Form nutzen zu können. „Sonst wird das Haus einfach in den Landesliegenschaftsfond abgegeben, dass soll in jedem Fall verhindert werden“, erläutert Hoffmann. Die Bewohner würden bei der Suche nach einer neuen Bleibe nach ihrem Kenntnisstand bevorzugt behandelt, wenn sie in ein anderes Wohnheim ziehen wollen würden.

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