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Tierwohl oder Ideologie? Circus Voyage im Streit mit PETA

13. Juni 2017 von
Ein afrikanischer Elefant im Circus Voyage. Die Organisation PETA spricht sich gegen Wildtiere im Zirkus aus. Foto: Circus Voyage
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Braunschweig. Der mit zahlreichen exotischen Tieren reisende Circus Voyage gastiert ab Donnerstag in Braunschweig. Die Organisation PETA erhebt aufgrund der aus ihrer Sicht mangelhaften Haltungsbedingungen schwere Vorwürfe gegen den Zirkus. Dieser kontert und wirft PETA vor, deren Kritik sei nicht fachlich, sondern ideologisch begründet.

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Die Tierrechtsorganisation PETA macht geltend, dass insbesondere die exotischen Wildtiere erhebliche Entbehrungen und Leiden in Kauf nehmen müssten. Auffällig sei beispielsweise, mit wie vielen Narben – die eine Folge der ständigen Transporte sein könnten – eine der Giraffen regelrecht übersät sei. Zudem kritisiere PETA die mangelhafte Haltung von Flusspferd Jedi, der sein Dasein als Herdentier beim Circus Voyage allein in einem kleinen Wassertank fristen müsse.

2016 habe der Bundesrat ein Verbot von Wildtieren wie Elefanten und Flusspferden im Zirkus gefordert und in seinem Entschließungsantrag wissenschaftlich begründet, warum diese Tierarten in Zirkussen erheblichem Leid ausgesetzt seien – unabhängig vom jeweiligen Betrieb. PETA appelliert daher an den Stadtrat Braunschweig, ein kommunales Wildtierverbot zu beschließen. Zahlreiche Städte wie Rostock, Stuttgart oder Erfurt würden Zirkusbetriebe zumindest auf eigenen Flächen nicht mehr zulassen.

Auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr sei laut PETA ein wesentlicher Grund für das kommunale Verbot für Wildtiere im Zirkus, denn die Verantwortung dafür liege bei den Kommunen. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus würden die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung bestätigen. Auch bei Circus Voyage seien in der Vergangenheit mehrfach gefährliche Tiere ausgebrochen.

regionalHeute.de konfrontierte den Zirkus mit den Vorwürfen und erhielt folgende Stellungnahme:

Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert prinzipiell jede Tierhaltung im Zirkus. Um fachliche Kritik handelt es sich hierbei nicht, vielmehr handelt es sich um ideologische Kritik. Die Organisation PETA richtet sich grundsätzlich gegen die Nutzung von Tieren durch Menschen und fordert auch eine Ernährung ohne Fleisch- und Tierprodukte.

Im Zirkus, so auch im Circus Voyage, werden Tiere unterschiedlichster Arten bis ins hohe Alter gepflegt, versorgt und beschäftigt. Zirkustiere werden keine Opfer von habgierigen Wilderern oder landen gar auf dem Teller. Die Tiere im Zirkus werden den Menschen näher gebracht und sensibilisieren so die Bevölkerung für den Artenschutz und den seriösen Tierschutz. Die meist von Tierrechtlern angepriesene freie Wildbahn ist leider ein Grauen für die Artgenossen der Zirkustiere (so zum Beispiel für afrikanische Elefanten).

Die ordnungsgemäße und tiergerechte Haltung im reisenden Betrieb wird durch das in Deutschland geltende Tierschutzgesetz gewährleistet. Nahezu an jedem Standort werden die Haltungsbedingungen, der Gesundheits- und Ernährungszustand als auch die Transportbedingungen der Zirkustiere durch lokale Amtsveterinäre geprüft. Entsprechend auch beim Circus Voyage. Die letzten Kontrollen fanden hier in Lehrte und in Salzgitter durch die lokalen Amtsveterinäre statt. Bei beiden Kontrollen gab es keine Beanstandungen. Dies wurde auch durch das Veterinäramt Goslar (zuständig in Salzgitter) vor den Medien bestätigt.

Die konkreten Vorwürfe von PETA zeigen die Unwissenheit der Organisation, die wohl auf emotionaler Basis und mit falschen Fakten versucht, die Ideologie „Keine Tiere in menschlicher Obhut“ durchzusetzen. So weist von den zwei Giraffen lediglich eine Narben auf. Wären diese Narben von den Transporten, hätten wohl beide Giraffen Narben. Die Narben erklären sich ganz simpel – im Prinzip wie bei einem Kind: Die Giraffe, die inzwischen 13 Jahre alt ist, hat sich in jungen Jahren beim Spielen in ihrem Außengehege verletzt. Die Giraffenhaut ist eine sehr empfindliche Haut und so sind die Narben auch noch heute – knapp zehn Jahre nach der Verletzung – trotz tierärztlicher Versorgung zu sehen. Würden die Narben durch mangelhafte Haltungsumstände kommen, hätten sich die Veterinärbehörden längst eingeschaltet.

Bei dem Flusspferd Jedi (42) handelt es sich um einen Bullen. Fachleute wissen, dass Flusspferdbullen auch in freier Wildbahn einzeln anzutreffen sind – dies ist sogar Wikipedia zu entnehmen. Anzumerken ist auch die bereits überschrittene Lebenserwartung des Flusspferdbullen Jedi – So liegt diese bei frei lebenden Artgenossen lediglich bei 30 bis 40 Jahren. Der von PETA als „kleiner Wassertank“ bezeichnete Container fasst 120.000 Liter Wasser, ist das größte transportabel Becken in Europa und erfüllt sogar die Auflagen nach Säugetiergutachten zur Haltung von zwei Flusspferden für zoologische Gärten.

Der Antrag des Bundesrates entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Basis. Entsprechend wurde dieser – rein aus politischen Gründen gestellte Antrag – auch von der Bundesregierung bereits mehrfach abgelehnt. Städtische Wildtierverbote, wie von PETA gefordert, entbehren jeglicher Rechtsgrundlage, wie das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg Anfang des Jahres bestätigt hat.

Alles in Allem sei festzuhalten, dass die Kritik der umstritten Organisation keine Beachtung finden sollte und die Amtsveterinäre sehr wohl dafür sorgen, dass die Bevölkerung ohne schlechtes Gewissen den Circus Voyage besuchen kann. Der Zirkus zeigt sich auch stets sehr transparent. So kann am morgigen Mittwoch, 14. Juni von 15 bis 15.30 Uhr der komplette Tierbestand kostenfrei auf dem Schützenplatz besucht und gefüttert werden.

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