300 Tote und ein Sensationsfund auf der Baustelle des GEI

28. Februar 2019 von
Kreisarchäologe Dr. Michael Geschwinde (li.) und Grabungsleiter Robert Brosch an der Fundstelle der acht toten Männer. Fotos und Video: Alexander Dontscheff
Braunschweig. Bei den Erdarbeiten für den Erweiterungsbau des Georg-Eckert-Instituts (GEI) wurden die menschlichen Überreste von bis zu 300 Personen gefunden oder erwartet man noch zu finden. Wie Kreisarchäologe Dr. Michael Geschwinde erklärt, sei dies nicht überraschend, handele es sich doch um einen Teil des ehemaligen Friedhofs des Heiligkreuzklosters. Dennoch habe man nun einen Sensationsfund gemacht.

Die Arbeiten an der Celler Straße Ecke Freisestraße seien von Anfang an archäologisch begleitet worden, da man mit Funden menschlicher Überreste auf dem Gelände, das teilweise zum Friedhof des um 1230 gestifteten und 1944 untergegangenen Heiligkreuzkloster gehörte, gerechnet habe. Doch seit einigen Tagen beschäftigt ein aufsehenerregender Grabfund Archäologen, Anthropologen und Historiker: Ein Grab mit den gut erhaltenen Skeletten von acht jungen Männern, die gleichzeitig bestattet und mehr oder weniger gleichzeitig gestorben sein müssen, wurde entdeckt.

Offenbar wurden die Toten nur mit geringem Aufwand bestattet.

Dicht dabei fand sich der Schädel eines älteren Mannes mit verheilten Kopfverletzungen, aber auch den Spuren eines tödlichen Säbelhiebs. „Solche Bestattungen sind typisch für militärische Ereignisse und dafür kommt in diesem Fall vor allem das Gefecht bei Oelper am 1. August 1809 infrage“, berichtet Dr. Michael Geschwinde, Bezirksarchäologe des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege.

Die Verletzungen an diesem Schädel, der in der Nähe gefunden wurde, deuten auf kriegerische Handlungen hin.

Indizien hierfür sei auch die Nähe zu anderen Orten, die mit dem Gefecht von Oelper in Verbindung stehen. So etwa die Friedrich-Wilhelm-Eiche am Petritor, wo die Schwarze Schar seinerzeit ihr Lager aufgeschlagen hatte, das Weiße Ross, das als Lazarett diente und nicht zuletzt das Grab des in dem Gefecht gefallenen Hauptmann Carl von Rabiel auf dem noch erhaltenen Teil des Heiligkreuz-Friedhofes.

Die Friedrich-Wilhelm-Eiche am Petritor.

Man befinde sich allerdings erst am Beginn eines Indizienprozesses. Man werde vermutlich nicht einmal nachweisen können, ob die Toten auf Seiten des Schwarzen Herzogs oder für das Königreich Westphalen gekämpft haben, so sie denn aus dieser Zeit stammen, erklärt Geschwinde. Das Gefecht von Oelper ist nicht nur für die Braunschweigische Geschichte von Bedeutung, es gilt auch als ein Auftakt der Befreiungskriege gegen die französische Besatzung und wurde in der Zeit des entstehenden Nationalismus entsprechend instrumentalisiert. Da es aus dieser Zeit wenige überlieferte Funde gebe, sei das Grab aber auch von anthropologischem Interesse.

Dr. Andreas Ströbl, Forschungsstelle Gruft Lübeck, präsentiert die Gräber zweier vermutlich an Unterernährung gestorbener Kinder im Alter von 8 bis 11 Jahren.

Für Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, den Direktor des Georg-Eckert Instituts, steht neben dem Fortgang des Erweiterungsbaus im Mittelpunkt, dass hier neue Facetten in der geschichtlichen Überlieferung erschlossen werden: „Geschichte wird immer noch zu sehr als Geschichte der Herrschenden und Geschichte der Siegenden verstanden. Wenn sich die Vermutungen bestätigen, können wir hier unmittelbar in die bittere Wirklichkeit einer militärischen Auseinandersetzung im Sommer 1809 blicken“. Und in der Tat: Das, was von den Archäologen freigelegt wurde, sind die flüchtig verscharrten Körper von acht jungen Männern, aber kein Heldengrab.

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