Black Out – Wenn im Landkreis das Licht ausgeht

26. November 2016
Der Katastrophenschutzstab des Landkreises probt 24 Stunden rund um die Uhr den Ernstfall. Fotos: Landkreis Wolfenbüttel
Region. Der Katastrophenschutzstab des Landkreises Wolfenbüttel führte von Freitag bis Samstag eine Katastrophenschutzübung durch. Dabei wurde das Szenario eines völligen Black Out durchgespielt. Erstamlig fand dieses Übung über einen längeren Zeitraum statt.

Es beginnt mit Stromschwankungen und sporadischen Stromausfällen. Dann fallen im gesamten Kreisgebiet die Ampelanlagen aus. Verkehrsunfälle häufen sich. Auf der Bahnstrecke bei Dettum und Börßum bleiben zwei Nahverkehrszüge liegen. Sie sind mit insgesamt 120 Personen besetzt. Im gesamten Landkreis wird das Wasser knapp. Die ersten Lebensmittelmärkte schließen. Die Geldautomaten der Banken funktionieren nicht mehr. Einkäufe sind nur mit Bargeld möglich.

Das Szenario, mit dem sich der Katastrophenschutzstab des Landkreises rund 24 Stunden lang rund um die Uhr beschäftigte, hatte es in sich. Was passiert, wenn im Landkreis der Strom ausfällt? Wie bekommt der Stab die Lage in den Griff? Was muss getan werden, damit Bevölkerung informiert wird und wie kann es verhindert werden, dass es zu unüberlegten Handlungen und Reaktionen kommt? Auf diese und andere Fragen galt es für den Stab, der zunächst in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Schladen tagte, eine Antwort zu finden (regionalHeute.de berichtete).

Dabei wurden die Stabsmitglieder aus den Bereichen Feuerwehr, DRK, THW, Bundeswehr und Verwaltung sowie diverse Fachberater vor immer neue Herausforderungen gestellt. Schließlich droht laut Energieversorger ein flächendeckender Stromausfall für den gesamten Landkreis. Der Zweckverband Großraum Braunschweig kündigt an, für den kommenden Tag den gesamten öffentlichen Nahverkehr in der Region einzustellen.

Als es schließlich im gesamten Landkreis zum Blackout kommt und die Wasserversorgung ausfällt, ruft Landrätin Christiana Steinbrügge am Freitagabend um 21:20 Uhr den Katastrophenfall aus. In zwei Schichten setzten sich die Stabsmitglieder auch während der Nacht mit den Folgen des Stromausfalls auseinander. So waren unter anderem 80 Bergleute im Assebergwerk eingeschlossen und in Groß Denkte wurde ein Fall von Vogelgrippe festgestellt.
Weil die Stromversorgung auch in der Feuerwehrtechnischen Schladen nicht mehr gewährleistet war, musste der gesamte Stab am Samstagmorgen sogar in die Hauptfeuerwehrwache nach Salzgitter-Lebenstedt umziehen, um weiterhin arbeitsfähig zu bleiben.

Stromausfall nur eine Übung

Der Stab musste in die Feuerwache nach Salzgitter umziehen.

Der Stab musste in die Feuerwache nach Salzgitter umziehen.

Gut, dass es sich bei dem geschilderten Szenario nicht um den Ernstfall, sondern um eine Stabsrahmenübung handelte. Denn es wurde schnell klar, dass ein länger dauernder flächendeckender Stromausfall das gesamte öffentliche Leben lahm legen kann. „Es ist notwendig und wichtig, dass wir uns auf solche kritischen Situationen vorbereiten“, sagt Landrätin Christiana Steinbrügge. „Ich bin sehr froh, dass es bei uns im Landkreis zahlreiche Ehrenamtliche gibt, die sich sehr engagiert in die Stabsarbeit einbringen.“

„Wir haben diese Form der Übung erstmalig praktiziert“, informiert der verantwortliche Koordinator Torsten Preuß. „Da es sich um eine Stabsrahmenübung handelte, agierten alle Beteiligten ausschließlich quasi auf dem Trockenen: Es wurden keine realen Rettungseinsätze trainiert. Die gesamte Außenwelt wurde durch die Übungsleitung dargestellt.“ Diese setzte sich aus Fachleuten der Bereiche Feuerwehr, Polizei und Verwaltung zusammen und spielte immer wieder neue Einlagen ein. Sinn und Zweck der regelmäßig stattfindenden Stabsrahmenübungen ist es, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen des Katastrophenschutzes zu trainieren. Dies hat nach einer ersten Einschätzung von Koordinator Torsten Preuß und Leiter des Stabes Jörg Koglin gut geklappt. „Wir werden die Übung intensiv auswerten und daraus für die weitere Arbeit profitieren“, kündigen beide an.

Auch Landrätin Christiana Steinbrügge zeigt sich zufrieden: „Wir haben wieder viel für den Ernstfall gelernt. Es ist beruhigend zu wissen, dass es im Landkreis Wolfenbüttel zahlreiche kompetente und einsatzfreudige Freiwillige gibt, auf die wir bauen können.“ Am Samstagmittag schließlich gab es für den Katastrophenschutzstab des Landkreises Entwarnung: Licht an, Übung aus, der erste Advent kann kommen.

 

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