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Gelassenheit am Esstisch: Schwieriges Essverhalten von Kindern

9. Mai 2018
Eine große Portion Gelassenheit bei den Erwachsenen hilft, Mahlzeiten genussvoll und angenehm zu gestalten. Symbolbild: pixabay
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Braunschweig. Da sich seit einiger Zeit bei der städtischen Ökotrophologin der Abteilung Kindertagesstätten im städtischen Fachbereich Kinder, Jugend und Familie Anfragen von Eltern bezüglich des Essverhaltens ihrer Kinder häufen, hat die Stadt in einem Pressegespräch darüber informiert.

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Die Ökotrophologin Heike Kästner und die zuständige Abteilungsleiterin Barbara Reinmüller gaben Auskunft über mögliche Folgen einer Nahrungsverweigerung und hielten Tipps für besorgte Eltern bereit, wie diese gelassener am Esstisch agieren können.

Täglich spielen sich in vielen Familien Dramen am Esstisch ab. Dahinter steckt oft eine große Verunsicherung und Sorge der Eltern. Schwierigkeiten beim Füttern von Säuglingen, Appetitmangel oder mäkeliges Essverhalten bei Kindern. Essen lernen fällt nicht jedem Kind leicht.

Die Ernährungsberaterin der städtischen Kindertagesstätten in Braunschweig kann bestätigen, dass es immer häufiger vorkommt, dass sie von Eltern oder pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kindertagesstätten um Unterstützung gebeten wird, weil ein Kind das Essen verweigert.

Die Sorge, dass das Kind einen Mangel erleidet, ist besonders bei den Eltern groß. Der Übergang von der Muttermilch bzw. dem Fläschchen zum Brei oder vom Brei zur festen Nahrung ist oft der Anfang der Probleme mit dem Essen.

Meistens steckt hinter dieser freiwilligen Nahrungsverweigerung eine ganz normale frühkindliche Entwicklungsstufe: Das Kind probiert aus, seinen Kopf durchzusetzen oder das Essen schmeckt ihm einfach nicht oder es fühlt sich komisch an im Mund.

Angst vor Neuem

Die sogenannte „Neophobie“ (Angst vor Neuem), eine Phase, in der Kinder Angst davor haben, neue Nahrungsmittel und Speisen auszuprobieren, ist eine ganz normale Entwicklungsphase, die viele Kinder zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr durchlaufen.

Eltern reagieren darauf meistens reflexartig mit gesteigerter Zuwendung. Häufig werden skurrile Rituale ausprobiert, um die Kinder zum Essen zu bewegen: Eltern, die mit gefülltem Löffel hinter dem Kind herlaufen, das Kind mit Spielzeug oder Fernsehen ablenken oder ihm eine Belohnung versprechen, damit es endlich isst. Auch der „Nachtischtrick“ findet noch immer häufig Anwendung: „Wenn du nicht vom Gemüse isst, gibt es auch keinen Nachtisch.“

All diese Methoden haben etwas gemeinsam: Sie funktionieren nicht – zumindest nicht dauerhaft. Außerdem sorgen sie dafür, dass der Esstisch zum „Stresstisch“ wird und schöne, gemütliche Mahlzeiten nicht stattfinden können.

Also, was tun, damit essen und Mahlzeiten wieder Spaß machen?

Zunächst sollte auffälliges Essverhalten der Kinder wahrgenommen und beobachtet werden, aber ein Fehler ist es, ihm zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Zeigt ein Kind über mehr als einen Monat ein auffällig mäkeliges Essverhalten und ziehen sich die Mahlzeiten über 45 Minuten und mehr hin, könnte es sich um eine sogenannte „Fütterstörung“ handeln. In diesem Fall ist ärztliche Hilfe ratsam.

Meist aber stellt sich ein ganz normales Essverhalten bei den Kindern von ganz allein wieder ein – zumindest dann, wenn keine Erkrankung vorliegt und wenn die Erwachsenen mit einer entspannten Gelassenheit darauf reagieren.

Möglicherweise sorgt eine neue kalifornische Studie für etwas mehr Entspannung am Esstisch. Die Studie ergab, dass selbst Kinder, die sich zwei Jahre lange extrem einseitig ernährten, trotzdem gedeihen und vergleichbar groß und schwer werden, wie unproblematische Esser. Kinder holen sich also früher oder später die Nährstoffe, die sie brauchen. Auch sehr mäkelige Kinder können sich somit noch zu guten Essern entwickeln.

Bewährte Verhaltensweisen bei mäkeligen Kindern:

Es gibt Zeiten zum Essen und Zeiten zum Spielen. Das muss für Kinder klar erkennbar sein. Ein regelmäßiger Mahlzeitenrhythmus sorgt dafür, dass Kinder zu den Mahlzeiten Hunger haben. Drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung. Die Mahlzeiten sollen in einen regelmäßigen Tagesablauf eingebettet sein. Ständiges Naschen zwischendurch führt dazu, dass Kinder zu den eigentlichen Mahlzeiten keinen Hunger haben.

Gemeinsame, abwechslungsreiche Mahlzeiten mit der Familie bringen Kindern neue Nahrungsmittel und Speisen näher. Eltern sind wichtige Vorbilder für ihre Kinder. Läuft der Fernseher nebenbei, lenkt er vom Essen ab. Druck oder Zwang führt erfahrungsgemäß nicht dazu, dass Kinder ein Lebensmittel lieber mögen. Die Hunger- und Sättigungssignale des Kindes berücksichtigen. Provoziert das Kind die Eltern, sollte diesem Verhalten keine große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Positives Verhalten des Kindes sollte zwar anerkannt, aber nicht übertrieben gelobt werden. Machen sich die Eltern große Sorgen um den Gesundheitszustand des Kindes, sollte der Kinderarzt zurate gezogen werden.

Eine große Portion Gelassenheit bei den Erwachsenen hilft, Mahlzeiten genussvoll und angenehm zu gestalten.

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