Gewässerschutz: Messwerte des Grundwassers liegen vor

18. September 2018
Harald Guelzow und Lina Remme im Labormobil. Foto: VSR-Gewässerschutz e.V.
Braunschweig. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen seiner Informationsveranstaltungen am 1. August in Braunschweig abgegeben wurden. Das geht aus einer Pressemitteilung des VSR-Gewässerschutz e.V. hervor.

In jeder sechsten untersuchten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen.

Insgesamt 112 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen hätten Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Harald Gülzow, Projektleiter, aus dem Raum Wendeburg – Vechelde – Braunschweig – Königslutter für die Untersuchung entgegengenommen. Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft. Diese habe sich in den letzten zehn Jahren immer weiter ausgebreitet.

Gleichzeitig hätte die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft – der ökologische Landbau – kaum wachsen können. Hier müssten vor allem die Verpächter handeln. Der VSR-Gewässerschutz rate Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen.

„Wasser nicht mehr zum Trinken geeignet“

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz hätten bei den Untersuchungen 128 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Wendeburg gefunden. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen hätten die Umweltschützer in Zweidorf mit 77 Milligramm pro Liter (mg/l), in Harvesse mit 91 mg/l, in Schwülper mit 103 mg/l, in Leiferde mit 98 mg/l, in Beienrode mit 80 mg/l, in Königslutter mit 80 mg/l und in Gardessen mit 71 mg/l festgestellt. Das Wasser sei wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet.

Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbenen Pflanzen könnten anschließend zu Fischsterben führen. Nitratbelastetes Grundwasser führe beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung. Diese müsse in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden. Nur so könne eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in Gemüse verhindert werden.

Bürger könnten dem Verein bis Ende September eine Wasserprobe mit der Post zusenden, falls sie wissen möchten, ob sie auch von der hohen Nitratbelastung betroffen sind. Informationen dazu erhält man auf der Homepage https://www.vsr-gewässerschutz.de/analyse/.

Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten steigt

Der ökologische Landbau habe weit strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es werde auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Außerdem komme es zu weitgehend geschlossenen Nährstoffkreisläufen, da die Zahl der Tiere sich an der Fläche orientiere, die dem Betrieb zur Verfügung stehen. Nährstoffüberschüsse würden somit bestmöglich vermieden.

Der VSR-Gewässerschutz begrüße deswegen, dass ökologisch erzeugte Produkte in den letzten Jahren immer stärker gefragt sind. „Das freut uns als Gewässerschützer. Jedoch verbessert die Nachfrage für ökologisch erzeugte Produkte nicht die Grundwasserqualität in Niedersachen. Dort werden nicht mal vier Prozent der landwirtschaftlichen Flächen vom ökologischen Landbau bewirtschaftet. Der große Bedarf wird inzwischen mit weit transportierten Lebensmitteln gedeckt“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR- Gewässerschutz.

Ernährung habe sich geändert

Jahrzehntelang hätten die landwirtschaftlichen Verbände darauf hingewiesen, dass sie produzieren, was die Bürger kaufen. Damit hätten sie den Einkäufer für die Grundwasserbelastung verantwortlich gemacht. Viele Bürger ernährten sich heute jedoch anders als vor 20 Jahren. Es würden wesentlich mehr ökologische Produkte gekauft.

Deswegen sei es dringend an der Zeit, dass der ökologische Landbau stärker gefördert werde. Viele ökologische Betriebe würden gerne wachsen, bekämen aber keine weiteren landwirtschaftliche Flächen. Gemeinden, Kreise und Kirchengemeinden könnten diese Betriebe unterstützen und ihnen ihre landwirtschaftlichen Flächen verpachten.

So könnten auf diesem Land die Wünsche der Bürger berücksichtigt werden. Der Gartenbesitzer könne sich über eine geringere Nitratbelastung seines Brunnenwassers freuen und wieder Brunnenwasser statt kostbares Leitungswasser nutzen.

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