Gute Stimmung in Flüchtlingsunterkunft

16. Oktober 2015 von
Die ehemalige Rehberg-Klinik in St. Andreasberg bietet derzeit Unterkunft für rund 1.500 Menschen. Fotos: Martina Hesse

Sankt Andreasberg. Eigentlich war ein Interview mit Mohamed Abou-Taam geplant, aber das Treffen in der Rehberg-Klinik in St. Andreasberg verlief anders.

Abou-Taam war kaum zu finden, da er ständig von Menschentrauben umringt war, denen er geduldig auf arabisch ihre vielen Fragen beantwortete. Der junge Chef des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) hat die Lage im Griff und verfügt über zahlreiche Helfer, die ebenfalls arabisch sprechen und den Flüchtlingen Rede und Antwort stehen können. Nein, die Situation vor Ort vermittelt nichts von einem befürchteten Chaos, sondern zeigt, wie sehr hier alle darum bemüht sind, Ordnung und damit Ruhe zu schaffen. Die ärztlichen Untersuchungen sind in vollem Gang, und außerdem werden weitere Helfer eingestellt.

Rehberg Flüchtlingskinder (Foto: Martina Hesse)

Immer wieder wollten die Kinder fotografiert werden. Selfies, selfies, riefen sie.

Fröhliche Spiele gegen den Kriegswahnsinn

Der Harz zeigt sich zwar in seinen trüben Farben, es regnet unentwegt und ist ziemlich kalt, aber die Großzügigkeit des ehemaligen Klinikgebäudes bietet viel Raum, der vor allem von zahlreichen Kindern spielend genutzt wird. Diese Kinder repräsentieren eine gewisse Leichtigkeit. Während vielen Erwachsenen der Stress, schlimme Bilder, Unsicherheit und Angst ins Gesicht geschrieben stehen, scheinen die Kinder ein unglaubliches Abenteuer zu erleben. Sie springen durch die Gänge, rasen die Treppen rauf und runter, bespritzen sich gegenseitig mit Wasser und wollen unbedingt fotografiert werden. Sie zeigen keine Berührungsängste mit dem Fremden, das sie umgibt. Im Gegenteil: der große Schlafsaal wird für eine überdimensionale Kissenschlacht genutzt – ein kleines Zwischenparadies. Sie machen vor, wie es funktioniert, aufeinander zu zu gehen, unkompliziert und frei.

Schlafsaal Rehbergklinik (Foto: Martina Hesse)

Eine gute Lösung für die Unterbringung vieler Menschen, aber auch ein klasse Ort für eine Kissenschlacht.

Sicherlich haben diese Kinder Schlimmes erlebt, aber sie scheinen im Hier und Jetzt alles zu genießen, was sie vom Vergangenen trennt. Es ist herzergreifend, wie sorglos diese Bilder wirken. Mit den gesammelten Eindrücken erscheint es undenkbar, dass es Menschen geben könnte, die mit dieser Lösung so unzufrieden sind, dass sie ihre Wut beispielsweise in rechtsradikale Parolen packen und damit hausieren gehen. Eines steht fest: die Rehberg-Klinik ist geradezu prädestiniert als Zwischenstation. Sie liegt etwas abseits des Ortes und verfügt über genügend Raum. Im Inneren ist sie in verschiedene, großzügige Bereiche aufgeteilt, sodass die Menschen sich aus dem Weg gehen können. Vor allem ist ein umfangreiches Team bemüht, der Situation durch Fröhlichkeit und Unbeschwertheit die Brutalität zu nehmen. Frauen waren nicht viele zu sehen, aber sehr viele Kinder. Außerdem junge Männer zwischen 14 bis 30 Jahren. Diese Menschen benötigen Schuhe, warme Kleidung, Jacken und Kinderspielzeug. Für solche Sachspenden soll eine Kleiderkammer eingerichtet werden.

 

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