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Hände weg vom Bürgerpark

2. März 2018
Edmund Schultz von der Bürgerinitiative Baumschutz. Foto: Bürgerinitiative Baumschutz
Braunschweig. Aktive aus der Bürgerinitiative Baumschutz haben nach eigenen Angaben die Veranstaltung „HOT SPOTS am Bürgerpark“ des Bundes Deutscher Architekten und Architektinnen (BDA) am 27.02.2018 im ArtMAX besucht.

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„Es gab erfreulich viel Stimmen aus dem Publikum, die sich lautstark für den Erhalt des Parks in seiner jetzigen Form und der südlich gelegenen Kleingärten ausgesprochen haben und gegen jegliche Eingriffe“ so Edmund Schultz von der BI. „Wir haben aber auch einige aus unserer Sicht sehr positive Ansätze gesehen und diese weiterentwickelt:

  • eine Vergrößerung des Bürgerparks und auch der anderen Parks und Grünflächen
  • der Wolfenbütteler Straße ihren Autobahncharakter zu nehmen und sie wieder zu einer Stadtstraße mit Aufenthaltscharakter zu entwickeln
  • die Theodor-Heuss-Straße umzuwandeln in einen Parkweg mit Stadtbahn (Anschlüssen am Europaplatz und an das Gleis in der Eisenbüttteler Straße) und dafür den Park bis an und zwischen die anliegenden Gebäude auszudehnen
  • Als Ersatz die Straße „Am Alten Bahnhof“ als urbane Straße zu gestalten (durch Umwidmung der großen Parkplätze und Anbindung der Enden an die Frankfurter Straße und an den Europaplatz)
  • den Tennisclub BTHC nach Süden zu verlagern (auf das Gelände zwischen der Oker, den beiden Bahndämmen und den Kleingärten), um den Bürgerpark zu erweitern
  • im Zuge der Umgestaltung des Europaplatzes einen Lückenschluss des grünen Wallrings vom Petritorwall bis zum Löwenwall herzustellen, der damit immer entlang der Oker einmal vollständig um die gesamte Innenstadt führen würde (Okerwanderweg und Fahrradstraße)“

Architektenvorschläge finden keine Unterstützung

Allerdings sollten viele der Architektenvorschläge aus Sicht der BI keinesfalls umgesetzt werden. „2015 gab es einen ähnlichen Workshop zur Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes. Dabei war auf einmal von einer angedachten Randbebauung des Parks Viewegs Garten die Rede, die wir, zusammen mit vielen Bürger entschieden ablehnen!“, so Baumschützerin Sabine Sambou.

„Zwei der Vorschläge beinhalten den Bau einer Ost-West-Autostraße („Parkway“) quer durch den Park. Dadurch würde er in zwei Hälften zerschnitten, von Autolärm und Abgasen beeinträchtigt, weiter versiegelt und seines Charakters als Ruhe- und Erholungsraum beraubt“, kritisierten mehrere Besucher/innen in ihren Wortbeiträgen.

Die BI Baumschutz stört sich auch an der Forderung, die Randbereiche des Parks zu „entbuschen“ und offene Sichtachsen zu schaffen. Das bedeute aus Sicht der BI zwar freie Sicht in den Park für die Autofahrenden, jedoch im Gegenzug leider auch freie Sicht auf den Autoverkehr und die geplanten Hochhäuser für die Erholungssuchenden im Park. Zudem bedeutet ein Verlust von Büschen und Bäumen immer auch Nachteile für den Natur- und Artenvielfalt.

Die Immobilienbewertungsgesellschaft Altmeppen betrachtet den Gesamtbereich „Am alten Bahnhof“, „Europaplatz“, Umfeld Sparkasse und Messegelände als „Central Business District“. Dies sieht Baumschützerin Renate Rosenbaum mit Sorge: „Wenn einmal angefangen wird, im Park oder am Parkrand zu bauen, wird es damit schleichend weitergehen.“

Der Bürgerpark locke bereits jetzt viele Braunschweiger an, die dort joggen, Fahrrad fahren, Spaziergänge unternehmen, jonglieren, Kanu fahren, mit seltsamen Geräten an den Füßen herumhüpfen, picknicken, in der Sonne liegen, Schlittschuh laufen, Hunde rufen, heimlich mit Bäumen reden, lesen, musizieren, telefonieren oder sonstige glücklich machende Dinge täten. Daneben gebe es die Okercabana und viele etablierte Veranstaltungen. Es sei daher absolut nicht notwendig und auch schädlich für den Park, eine vermeintlich größere Attraktivität durch Baumaßnahmen und Steintreppen herzustellen, so die BI Baumschutz in ihrer Mitteilung.

Auch eine Bebauung des Harz&Heide-Geländes lehne die BI ab, da das Gelände auch jetzt vielfach gebraucht würde. Edmund Schultz ergänzt: „Für neue Wohnungen schreibt der Gesetzgeber neue Autoparkplätze vor – dafür ist der wenige vorhandene Platz viel zu schade. Besser wäre es, eine autofreie Modellsiedlung, wie sie weltweit in vielen Städten erfolgreich erprobt wird, zu bauen – und diese natürlich nicht unmittelbar an den Parkrand zu setzen.

Eigene Vorschläge erarbeitet

Die BI hält alte gewachsene Strukturen für erhaltenswert. Dazu Baumschützerin Sabine Sambou: Wir wollen keine Neugestaltungs-Tabula-Rasa. Stattdessen machen wir folgende Vorschläge für den Erhalt und die Verbesserung des Bürgerparks:

  • sehr viele Bäume nachpflanzen als Verlustausgleich für die großen Sturmschäden und Fällungen der vergangenen Jahre, auch Obstbäume
  • nach Regenfällen die großen Wasserflächen auf den Wegen kartografieren und diese Stellen ausgleichen, um Pfützenbildungen zu minimieren
  • viele Büsche neu pflanzen (unter anderem Nistplatz für Vögel, Versteck für Kleintiere)
  • einzelne Naturinseln gestalten, die dann nie wieder angerührt werden
  • die wilden Grünbereiche im Süden zwischen dem Harz&Heide-Gelände, Realkauf und den Kleingärten weiterhin unberührt lassen, nicht bebauen
  • Der Eingang zum Fuß- und Radweg am Tennisheim ist häufig zugeparkt. Wäre es nicht viel schöner, einen autofreien Park zu haben und den Friedrich-Kreiss-Weg für Kraftfahrzeuge zu sperren?
  • Die sichtbaren „Trampelpfade“ kartographieren, ausbauen und dafür ungenutzte Wege entsiegeln
  • ein paar zusammenhängende inlinertaugliche Wege (zum Beispiel BS <=> WF) erstellen
  • Laubbläser im Park verbieten und mehr Laub liegen lassen (als Versteck und Überwinterungsort für Kleintiere)
  • den gefährlichen Stein auf dem Weg gegenüber von der Brücke am Tennisheim entfernen
  • Büsche um die Bäume pflanzen, um diese zu schützen, unter anderem vor Hunde-Urin
  • weitere Bodenverdichtung vermeiden (durch Autos und Maschinen der Stadtgärtner und durch das ATP-Turnier)
  • Deckel auf die Mülleimer, damit die Krähen diese nicht mehr ausräumen können
  • mehr Fledermaus-und Vogelnistkästen anbringen
  • ein paar bunte und bienenfreundliche Blumen schaden auch nicht
  • Imker mit ihren Bienen in den Park lassen
  • einen Teil der Grünflächen nur noch ein- bis zweimal im Jahr zu mähen, um artenreiche Wiesen zu entwickeln.“
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