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High-Tech auf dem Acker: TU entwickelt Spargel-Radar

30. April 2014 von
Noch hängen Radar und Computer etwas wackelig am Traktor, aber Jörg Schöbel (links) und Daniel Seyfried (rechts) sind zuversichtlich, dass das Gerät in etwa drei Jahren serienreif sein wird. (Foto: André Ehlers)

Braunschweig. Um die Geschwindigkeit geht es nicht beim Spargel-Radar, aber eine Art Falle ist es schon, was die Physiker an der Technischen Universität (TU) Braunschweig entwickeln. Ihr Ziel ist es, Spargelwälle zu durchleuchten, um die weißen Standen mit Maschinen besonders effizient zu ernten. Am Mittwoch haben die Forscher ihr Gerät zum ersten Mal in freier Wildbahn ausprobiert.


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Folie hoch, gucken, stechen, Folie runter: Spargelstechen per Hand ist mühsam. Erntemaschinen, die die Spargelstecher ersetzen können, gibt es schon heute. Sie mähen sozusagen den kompletten Wall ab, sammeln Erde wie Spargel ein, lassen das Gemüse auf Förderbändern heraussortieren und formen aus der Erde hinten den Wall neu. Das ist zwar schnell, birgt aber ein Problem: „Es wird einfach alles abgeschnitten, auch kurze Stangen, die zu kurz sind für den Verkauf“, erkärt Jörg Schöbel, Professor an der TU. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Messer das Wurzelgeflecht der Pflanzen verletzen.

Ein Radar soll nun helfen, diese beiden Probleme zu beheben. Mit Funkwellen wollen die Forscher erkennen, auf welcher Höhe das Wurzelgeflecht liegt und wie lang die Spargelstangen schon sind – ohne im Wall herumgraben zu müssen. „So kann dann die Höhe der Messer genau eingestellt werden, um möglichst viele große Stangen zu ernten, aber ohne die Wurzeln zu beschädigen“, sagt Schöbel. Angst vor strahlendem Spargel müsse man übrigens nicht haben. Das Radargerät funke mit einem Hunderttausendstel der Leistung einer Mikrowelle.

Spargelstechen per Hand ist mühsam. Erntemaschinen mähen den kompletten Wall inklusive Stangen einfach ab.

Spargelstechen per Hand ist mühsam. Erntemaschinen mähen den kompletten Wall inklusive Stangen einfach ab. (Foto: Christina Balder)

Am Schluss soll die Ernteeinheit von diesem Signal aus gesteuert werden. Dazu müssen die Forscher die Signale herausfiltern, die für die Maschine wichtig sind – daran  „Die Kunst ist es, zu sehen, welches Signal ist Wurzelgeflecht, was ist Stein, was ist vielleicht eine Wühlmaus“, sagt Daniel Seyfried. Er ist Physiker und promoviert zum Thema „Detektion von Spargel per Radar“. So ein lebensnahes Thema freut die Wissenschaftler: „Es ist schön, wenn man eine Theorie auch mal in einem Bereich anwenden kann, der so praktisch ist wie hier“, sagt Jörg Schöbel. „Wenn man sich mit Radartechnik beschäftig, hat man schon Ideen für Einsatzzwecke, aber mit der Spargelernte kennen wir uns naturgemäß ja nicht so gut aus.“ Durch Gespräche mit Landwirten sei das Thema aber aufgekommen. Am Mittwoch haben die Forscher nun zum ersten Mal ihre Technologie auf einem echten Spargelfeld ausprobiert. Bisher liefen die ersten Tests an einem nachgebauten Spargelwall im Labor. „Jetzt können wir hier sehen, wie realistisch unser Laboraufbau ist“, sagt Seyfried.

Die Forscher arbeiten zusammen mit der Wolfsburger Firma ASM Dimatec, die schon jetzt die sogenannten Spargel-Vollernter herstellt. Gemeinsam habe man die Aufgabenstellung verfeinert: „Auf die Frage mit dem Wurzelgeflecht ist ASM gekommen“, erzählt Schöbel. Auch davon abgesehen dürfte die Maschine Vorteile für die Spargelbauern haben, glaubt Malte Helberg von ASM – denn sie müssten dann weniger Stangen verkaufen, die zu kurz geraten sind. Und auch der Arbeitsmarkt dürfte sich verändern. „Dadurch spart man sicher Erntehelfer ein“, sagt Helberg. Gerade im Zuge der Mindeslohndebatte sei das ein Kostenvorteil.

Eine Weile werden die Spargelbauern aber noch mit herkömmlichen Methoden ernten müssen. Erst etwa 2017 soll das Spargel-Radar serienreif sein.

 

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