Kinojahr 2018: Marvel, Netflix und eine Branche die sich verändern muss

1. Januar 2019
Mit 3,5 Millionen Besuchern war er deutschlandweit der meist besuchte Kinofilm: Phantastische Tierwesen- Grindelwalds Verbrechen. Foto: Warner Bros.
Braunschweig. 2018 war für die Branche in Deutschland nicht das allerbeste Jahr. Wenn man so will, lässt sich das Kinojahr auf zwei Schlagworte reduzieren: Marvel und Netflix. Und in Deutschland kommt vielleicht noch ein drittes Wort dazu: Klimawandel.

Ein Fazit des C1-Cinema Braunschweig zum Kinojahr 2018

Die Szene muss sich ernste Gedanken machen, wie man in Zukunft auf die immer heißer werdenden Sommer reagiert. In den USA ist das anders. Im Land der Klimaanlagen wird der Kinobesuch als Wohltat empfunden. Und so meldeten die nordamerikanischen Kinos Mitte November bereits eine neue Rekordmarke. Und hierzulande? Der Rückblick auf das Filmjahr 2018 ist erneut bestimmt von Blockbustern, die wie Stürme durchs Kino fegten und doch nur laue Lüftchen produzierten.

Noch nie so verwechselbar

Unter den Top 10 in Deutschland finden sich neben BOHEMIAN RHAPSODY nur Franchises. Hollywood-Blockbuster erschienen noch nie so gleichmäßig und daher verwechselbar, so unbegierig und daher gleichtönig wie jetzt. Sie alle wollen das große Spektakel und waren doch nur weitere Aufgüsse des ewig Gleichen. Die Marvelisierung des Kinos hat derweil sogar das traditionell comicverfilmungsmüde Deutschland erreicht. Nur die Phantastischen Tierwesen verzeichneten 2018 in einem furiosen Schlussspurt kurz vor Jahresende mehr Besucher als Marvels Avengers 3: Infinity War.

Mittlerweile gibt es kaum noch ein großes Filmstudio mehr, das nicht an irgendwelchen Superfranchiseplänen nach Vorbild des Marvel Cinematic Universe arbeitet. Da hilft auch nicht, dass selbst die gut geölte Disney-Maschine offenbar unerwartet ins Stocken geriet: Vor dem Totaldesaster Solo: A Star Wars Story galt ein nicht mindestens kostendeckender Sternenkriegskinofilm als quasi undenkbar.

Kerkeling-Film schenkt Hoffnung zum Jahresende

Und das deutsche Kino? Bis auf Bora Dagtekin wurde alles aufgefahren, was Rang und Namen hat: Bully Herbig, Til Schweiger, Sönke Wortmann und Florian Henckel von Donnersmarck gingen an den Start mit neuen Filmen; Matthias Schweighöfer zeigte sich gleich in zwei Hauptrollen. Am Ende reichte es nur zu Achtungserfolgen. Den Heimsieg holten sich zwei Family-Produktionen: JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER und DIE KLEINE HEXE. Immerhin blitzte zum Jahresausklang mit DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT endlich auf, dass das erwachsene Publikum wohl etwas länger braucht, um dem eigenen Markt sein Vertrauen respektive einen Kinobesuch zu schenken.

Aufsehenerregenden Filme hatten fast alle weibliche Heldinnen

Auch künstlerisch hatte dieses Jahr viel zu bieten. Und die wirklich aufsehenerregenden Filme hatten fast alle weibliche Heldinnen. Dieses Jahr gab’s vier Oscars für „The Shape of Water“. Sally Hawkins befreite in diesem düster romantischen Fantasy-Märchen einen Wassermann aus einem US-Geheimlabor. Dass sie dafür nicht auch den Oscar als beste Schauspielerin bekam, lag nur daran, dass Frances McDormand genau so grandios aufspielte in „Three Billboards Outside Ebbing Missouri“. Auch bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises stand eine Frau am meisten im Rampenlicht: Marie Bäumer, die sich in „3 Tage in Quiberon“ buchstäblich in die Schauspiel-Legende Romy Schneider verwandelt hatte. Sieben „Lolas“ gab es dafür.

„Die Branche wird sich verändern müssen

Dass sich Kino immer besser als Event verkaufen lässt, zeigt auch ein Blick auf die boomenden Filmfestivals, zu denen auch das Braunschweiger Filmfest zählt. Und das in Zeiten, in denen manche Kultur-Pessimisten dem Medium Kino einmal wieder das Ende voraussagen. Das ist einerseits natürlich richtig, der Medienkonsum der jungen Menschen verändert sich dramatisch. Und der weltweite Serien-Boom hält ja tatsächlich auch an. Doch all das spricht nicht gegen das Kino. Am besten demonstrierte das ein Film, der die klassische Auswertungskette in Frage stellte: das von Netflix produzierte mexikanische Schwarz-Weiß-Werk ROMA gewann bei den Filmfestspielen in Venedig den „Goldenen Löwen“ und wurde von der internationalen Presse zu Recht als Meisterwerk gefeiert. „Roma“ ist tatsächlich ein Meisterwerk, einer der eindrucksvollsten Filme der vergangenen Jahre, der beweist, dass die „siebte Kunst“ so schnell nicht aussterben wird – trotz Smartphone und sommerlicher Hitze.

Zweifellos aber wird sich die ganze Branche im Jahr 2019 verändern müssen. Am Ende entscheidet der Kinobesucher, was attraktiver ist: ein Weiterdenken des Begriffes Kino oder die Prophezeiung seiner Vernichtung durch multiple Abspielmedien.

Das Kinojahr 2018 in Zahlen

Gesamtbesucher Deutschland: 97 Millionen; – 17% gegenüber Vorjahr
Gesamtbesucher C1 Cinema: 485.000; -17 % gegenüber Vorjahr

Top 10 Deutschland (nach Besuchern) Quelle: ComScore

Phantastische Tierwesen- Grindelwalds Verbrechen = 3,5 Millionen

Avengers: Infinity War = 3,4 Millionen

Fifty Shades of Grey- Befreite Lust = 2,9 Millionen

Hotel Transsilvanien- Ein Monster Urlaub = 2,5 Millionen

Bohemian Rhapsody = 2,4 Millionen

Jurassic World: Das gefallene Königreich = 2,4 Millionen

Deadpool 2 = 2,2 Millionen

Die Unglaublichen 2 = 2,2 Millionen

Mamma Mia! Here we go again = 2,0 Millionen

Der Grinch = 1,9 Millionen

Top 10 C1 Cinema (nach Besuchern) Quelle: C1 Cinema

Phantastische Tierwesen- Grindelwalds Verbrechen = 25.000

Avengers: Infinity War = 22.000

Fifty Shades of Grey- Befreite Lust = 15.000

Deadpool 2 = 14.000

Jurassic World: Das gefallene Königreich = 13.000

Mamma Mia! Here we go again = 12.000

Bohemian Rhapsody = 11.500

Black Panther = 10.800

Die Unglaublichen 2 = 10.500

Star Wars: Die letzten Jedi = 10.200

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