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Kinokritik: „Fisherman’s Friends“ – Beschauliche Feelgood-Komödie

9. August 2019
Am Donnerstag lief das auf einer wahren Begebenheit basierende Komödiendrama "Fisherman's Friends" im C1 an. Foto: C1 Cinema/Video: Marvin König
Braunschweig. Am Donnerstag lief das Komödiendrama "Fisherman's Friends" in den deutschen Kinos an. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte über eine Gruppe Seemänner aus Port Isaac, die von Universal Records unter Vertrag genommen wurden und mit ihrem Debutalbum voller traditioneller Shanties einen Top 10 Hit landeten. Ob der Film die spannende und außergewöhnliche Geschichte unterhaltsam erzählen kann, wissen unsere Filmkritiker.

Für Chris Foggin ist es erst der zweite große Film als Regisseur. Nachdem sein Kurzfilm „Friend Request Pending“ Auf mehreren Filmfestivals in Kategorien wie „Bester Comedy-Kurzfilm“ gewonnen hatte, ebnete er seinen weiteren Weg mit seinem Debutfilm „Kids in Love“. „Fisherman´s Friends“ ist Foggin’s erster internationaler Kinofilm. Auch Produzenten Nick Moorcroft, Meg Leonard und James Spring betreten mit „Fisherman’s Friends“ weitestgehend Neuland.

Inhalt

Fast zu schön, aber tatsächlich wahr! Die herzerwärmende Feel-Good-Komödie basiert auf der sensationellen Erfolgsgeschichte des Shanty-Chors Fisherman’s Friends: Die singenden Seebären stürmten 2010 die britischen Charts und wurden zu Kultstars. Traumhafte Bilder und ein sympathisches Ensemble machen diesen bewegenden und lustigen Film zu einem unwiderstehlichen Kinovergnügen!

Das Junggesellen-Wochenende im idyllischen Cornwall ist ein Reinfall: absolut nichts los hier. Musikmanager Danny und seine Kollegen aus London fallen in dem beschaulichen Fischerdorf Port Isaac peinlich auf – erst recht, als die ach so coolen Großstädter beim Stand-up-Paddling aus dem Meer gezogen werden müssen.

Die freiwilligen Seenotretter um Fischer Jim sehen Danny und seine Jungs überraschend schnell wieder: Die kauzigen Seemänner treten als Chor Fisherman’s Friends auf und schmettern Shantys. Prompt wird Danny beauftragt, die Hobbysänger unter Vertrag zu nehmen. Dummerweise ist ihm nicht klar, dass seine neue Mission bloß ein Scherz ist. Und so quartiert sich Danny im Bed & Breakfast von Jims attraktiver Tochter Alwyn ein und heftet sich an die Gummistiefel der Fishermen. Das Werben um die zehn kornischen Fischer wird zu einem Kampf um den Respekt der Männer, die Familie, Freundschaft und die Gemeinschaft über Ruhm und Reichtum stellen. Während Danny immer tiefer in die traditionelle Lebensweise der Fischerfreunde gezogen wird, stellt sich ihm die Frage, was Erfolg im Leben wirklich bedeutet.

Trailer

Kritik

„Fisherman’s Friends“ erweckt zunächst wirklich keinen guten Eindruck und gibt einem das Gefühl, man sehe eine 08/15 Komödie mit stumpfen Charakteren: die hübsche Frau, der schmierige, reiche Unsympath mit dem Fäkalhumor, die biertrinkenden Seeleute in der Taverne. Doch die Skepsis verfliegt schnell. Protagonist Daniel Mays gelingt der Absprung von seiner Rolle des listigen Musikmanagers im Laufe des Films gut und überzeugend. Er wird zum Schlüsselelement zwischen der schnelllebigen Londoner Geschäftswelt und dem urig heimeligen Leben im historischen Port Isaac mit seinen traditionsbewussten Einwohnern. James Purefoy brilliert in seiner Rolle als mürrischer Fischer Jim, und die Dialoge zwischen ihm und seiner Tochter Alwyn (Tuppence Middleton) und Musikmanager Danny (Daniel Mays) wirken durchdacht, begründet und authentisch. Auch die Dynamik zwischen Jim und seinem Vater Jago (David Hayman), der als Charakterkopf vor allem durch sein loses Mundwerk auffällt, ist einfühlsam umgesetzt. Jagos loses Mundwerk wird letztlich nicht nur für stumpfe Gags missbraucht, es symbolisiert die Lebensfreude eines in die Jahre gekommenen Fischers, der in seiner Dorfgemeinschaft für seine Art einfach geliebt wird und sich dort nicht zurückhalten braucht. 

Etwas unnötig hingegen sind die um den Werdegang des Männerchores geflochtenen Nebenplots. Es bleibt unklar, ob Danny sein Wort lediglich hält, weil er ein guter Mensch sein möchte oder um der alleinerziehenden Alwyn zu imponieren. Ein stärkerer Fokus auf die Männer des Chores hätte dem Film gutgetan.

Was begeistern kann, sind die stimmgewaltigen Shanty Gesänge, die den gesamten Film gleichmäßig durchziehen. Die kauzigen Seebären werden überzeugend von größtenteils unbekannten Gesichtern porträtiert. Die stets hervorgehobene Authentizität verblasst jedoch im Angesicht der Postkartenschönheit, mit welcher Port Isaac portraitiert wird. Die perfekt gepegelten und durch Musikinstrumente – welche sich nicht in der Szene befinden – untermalten Studioaufnahmen der angeblich live singenden Seebären bilden da nur noch das i-Tüpfelchen.

Fazit

„Fisherman’s Friends“ gelingt anschaulich die Darstellung des Lebenswandels eines für die Karriere lebenden Musikmanagers, der das Dorfleben für sich entdeckt. Abschließend bleibt zu bemerken, dass „Fisherman’s Friends“ ein stärkerer Fokus auf Leben und Werdegang der einzelnen Chormitglieder gutgetan hätte, statt sich an Nebenschauplätzen zu verlieren. Als entspannende und bisweilen Fernweh hervorrufende Komödie macht der Streifen aber einen gute Figur. 

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