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Kinokritik: „Mortal Engines“ – Effekte top, Story flop

14. Dezember 2018
Seit Donnerstag läuft „Mortal Engines" im C1 Cinema Braunschweig. Kann der Film überzeugen? Die Kinokritiker berichten. Foto/Video: Nick Wenkel
Braunschweig. Am gestrigen Donnerstag feierte „Mortal Engines: Krieg der Städte" seine Premier im C1 Cinema Braunschweig. Als Produzent konnte Regisseur Christian River für sein Kinodebüt niemand geringeren als Peter Jackson („Herr der Ringe", „King Kong") gewinnen. Wer bei „Mortal Engines" allerdings auf ein neues Meisterwerk hofft, wird klar enttäuscht.

Nach seinen epischen Verfilmungen der Kultbestseller „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ hat sich Oscar-Preisträger Peter Jackson als nächstes Großprojekt die Tetralogie „Predator Cities“ vorgenommen und präsentiert mit „Mortal Engines“ eine neue ebenso faszinierende wie erschreckende Zukunftsvision in bombastischen Bildern. Vor Hunderten von Jahren verwüstete eine gewaltige Katastrophe die Erde, doch die Menschheit hat sich ihrer neuen Umgebung längst angepasst.

Zur Handlung

Gigantische Metropolen auf Rädern erhoben sich aus den Trümmern der untergegangenen Zivilisation. Auf der Suche nach den letzten Ressourcen fahren sie über die verdorrte Steppe und verschlingen gnadenlos die kleineren Städte. Zu den großen Metropolen gehört auch London als einer der gewaltigsten rollenden Kolosse. In diesem unerbittlichen Kampf trifft der unscheinbare Tom Natsworthy in einer schicksalshaften Begegnung auf die gefährliche Flüchtige Hester Shaw – zwei Gegensätze prallen aufeinander, zwei Menschen, deren Wege einander nie hätten kreuzen sollen. Sie und Anna Fang schmieden eine überraschende Allianz, die über den Fortgang der Menschheitsgeschichte bestimmen könnte.

Alle Infos, Trailer und Tickets gibt es unter www.c1-cinema.de.

Der Trailer zum Film

Kritik

„Von den Machern von Der Herr der Ringe´ und `Der Hobbit´“: Mit diesem Slogan versucht „Mortal Engines“ nahezu in jedem Trailer und Werbespot zahlreiche Zuschauer in die Kinos zu locken. Mit Erfolg: Der Kinosaal ist gut gefüllt, viele freuen sich auf den neuen Film von Peter Jackson. Was viele aber nicht wissen: Jackson war überhaupt nicht für die Regie verantwortlich, sondern Christian Rivers, der in den „Herr der Ringe“- und Hobbit-Trilogien für die visuellen Effekte zuständig war und nun als Regisseur sein großes Kinodebüt feiert. Und das merkt man: Denn während Rivers über die gesamte zweistündige Filmlaufzeit durchgängig bildgewaltige Szenen auf die Leinwand bringt, mangelt es an allem anderen, was ein Kinofilm sonst noch zu bieten hat.

Lieber eine Trilogie

Die Story von „Mortal Engines“ ist im Grunde genommen recht übersichtlich, erstickt aber an Informationen und Begriffen, die der Kinozuschauer in „nur“ zwei Stunden definitiv nicht alle aufsaugen kann. Generell wirkt „Mortal Engines“ eher wie drei Filme, zusammengepresst in einem. Viel zu schnell und viel zu inszeniert sind die Beziehungen einzelner Protagonisten, die keine Zeit bekommen, das Gegenüber richtig kennenzulernen oder aber den Kinozuschauern ausreichend Zeit geben, die Protagonisten besser zu verstehen. Auch wenn mittlerweile die Absichten von Filmemachern, ihre Produktionen als Franchise auszubauen, kritisch beäugt werden, da meist der erste Teil schon an seinen eigenen Ambitionen scheitert, wäre es bei „Mortal Engines“ sicherlich klüger gewesen, die Handlung auf eine Trilogie auszubauen. Der mögliche erste Teil der Reihe wurde in diesem Fall quasi innerhalb von 15 Minuten erzählt.

Krieg der Sterne… äh Städte.

„Mortal Engines“ hätte ohne Frage das Potenzial ein nächstes „Der Herr der Ringe“ oder „Star Wars“ zu werden. Apropos „Star Wars“: „Krieg der Städte“ klingt nicht nur verdammt ähnlich zu „Krieg der Sterne“, sondern die Filme haben auch extreme Parallelen. Hier liegt der Verdacht nahe, dass Christian Rivers und Peter Jackson, der auch für das Drehbuch zuständig war, sich ein bisschen was von der weit, weit entfernen Galaxis abgeguckt haben. Der erfahrene Kinozuschauer wird es merken. Ebenfalls eine Gemeinsamkeit mit dem ersten „Star Wars“-Teil ist dabei auch die Bekanntheit der Darsteller. Denn bis auf Hugo Weaving („Der Herr der Ringe“), der seine Rolle wie immer grandios spielt, wurden bei „Mortal Engines“ größtenteils unbekannte Schauspieler gecastet. Sie alle machen ihre Sache aber den Umständen entsprechend gut. Die oft peinlichen Dialoge und teils hirnrissigen Interaktionen sind nämlich eher dem Drehbuch geschuldet.

Bild und Ton als Highlights

Wo man Regisseur Christian Rivers sicherlich nichts vorwerfen kann, ist in der visuellen Gestaltung des Films. Denn „Mortal Engines“ ist ein wahres CGI-Feuerwerk. Die Städte sind unfassbar schön gestaltet und auch die Action-Sequenzen sind bildgewaltig. Vor allem die riesige Stadt London ist einfach zauberhaft umgesetzt. Hin und wieder erhascht man sogar ein Bauteil, das aus der heutigen Zeit stammt. Die Liebe zum Detail wird bei „Mortal Engines“ zumindest aus visueller Sicht groß geschrieben. Keine Frage also, dass hier jemand am Werk war, der für die ebenso spektakulären Aufnahmen der „Herr der Ringe“-Trilogie verantwortlich war. Nicht nur das Bild, sondern auch der Ton überzeugt. Komponist Junkie XL liefert einen donnernden Soundtrack, der das Visuelle perfekt untermalt. Bild und Ton sind definitiv die Highlights des Films.

Fazit

„Mortal Engines“ ist zwar ein audiovisuelles Feuerwerk, mit seiner undurchdachten Story bleibt der Film dann doch aber eher als Blindgänger im Gedächtnis der Kinozuschauers. Parallelen zu „Star Wars“ sind nicht von der Hand zu weisen. Doch während es andere Filmreihen verstanden haben einen Spannungsbogen aufzubauen, wird dieser bei „Mortal Engines“ spätestens in der Mitte des Films schon gebrochen. Vor dem Filmdreh hätten bei „Mortal Engines“ nur zwei Optionen eine Rolle spielen dürfen: Entweder drei Teile oder eben keiner. Die phänomenale Inszenierung und der tolle Soundtrack sorgen letztlich dann aber doch für ein zumindest nicht negatives Filmerlebnis.

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