Nulllösung in Waggum: Bleibt der Nord-Osten abgeschnitten?

8. Mai 2019 von
Wo einst die Grasseler Straße von Waggum nach Querum führte und in die Bevenroder Straße mündete befindet sich jetzt die Landebahn. Foto: Alexander Dontscheff
Braunschweig. Vor zehn Jahren wurde am Flughafen Waggum die Start- und Landebahn verlängert. Für den Stadtbezirk Wabe-Schunter-Beberbach bedeutete dies, dass er quasi in zwei Teile zerschnitten wurde. Der Nord-Osten ist seit dem vom Rest der Stadt abgeschnitten beziehungsweise nur über Umwege zu erreichen. Und offenbar soll dies auch so bleiben.

Bezirksbürgermeister Gerhard Stülten und seine Stellvertreterin Tatjana Jenzen weisen nun in einer Pressemitteilung auf die für viele unbefriedigende Situation hin. Seit zehn Jahren warte man auf eine Lösung. Es gebe keine direkte Verbindung mehr wie es sie zu Zeiten einer intakten Landesstraße, der Grasseler Straße, gab. 6.500 Fahrzeuge hätten diese täglich passiert, mit einer direkten Verbindung zur Innenstadt und zum Osten der Stadt oder zur A 2.

Aus dem Gerichtsurteil zum Ausbau des Flughafens bestehe allerdings eine Verpflichtung für die Stadt Braunschweig, genauer gesagt für die Flughafengesellschaft BS-WOB, die Kappung der Landesstraße zu kompensieren und die Verkehrsbeziehungen neu zu bewerten. Dieses sei nun zehn Jahre lang hinausgezögert worden, so Stülten und Jenzen. Der Verkehr habe sich nicht „zurechtgeruckelt“, wie es vom damaligen Fraktionsvorsitzenden der CDU, Klaus Wendroth, vorausgesagt wurde.

Weder Tunnel noch Ortsumgehung geplant

„Während zu Beginn der Ausbauplanung von sämtlichen Parteien eine Tunnellösung zur Minderung der Auswirkungen auf alle Verkehrsteilnehmer und Bürger versprochen wurde, ist mittlerweile auch die Minimalforderung einer sogenannten Ostumfahrung nicht mehr in der Diskussion. Die Flughafengesellschaft sowie die Stadt Braunschweig möchten nicht einmal mehr die planerische Möglichkeit einer Ostumfahrung diskutieren, sondern favorisieren die sogenannte Nulllösung mit einer Verbesserung der Ortsdurchfahrt Waggum“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Verkehrsgutachter der Firma WVI, die bereits mehrfach in der Angelegenheit durch die Flughafen GmbH beauftragt worden sei, komme in einem mehr als fragwürdigen neuen Gutachten trotz prognostizierter gleichbleibender Verkehrsströme im Laufe der Zeit zu unterschiedlichen Bewertungen und Lösungsvorschlägen, so der Bezirksbürgermeister und seine Stellvertreterin.

„Rettungsziel wird seit der Kappung verfehlt“

Es sei bedauerlich festzustellen, dass die Aussagen von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften, wie bei der Variantenuntersuchung in der Vergangenheit geschehen, im jetzigen Gutachten nicht abgebildet wurden. Diese würden eine eindeutige Sprache sprechen, sie wiesen auf die deutlich höheren Anfahrtszeiten hin und lehnten deshalb eine Nulllösung ab. Das vorgeschriebene Rettungsziel werde seit der Kappung verfehlt.

„Viele Läden mussten schließen“

Zahlreiche lokale Geschäfte wie Bäcker, Gaststätten, Bekleidungs-, Schuh- oder Zeitschriftengeschäfte hätten in den letzten zehn Jahren nicht zuletzt auf Grund der Kappung der Grasseler Straße ihren Betrieb geschlossen. Das sei nicht nur ein Verlust an Arbeitsplätzen sondern auch an Lebensqualität für die Bürger vor Ort.

Die Sperrung habe ebenso eine Verlängerung sämtlicher Fahrtstrecken und Fahrzeiten zur Folge. Für den öffentlichen Nahverkehr habe sich die Zeit signifikant verlängert. Schulkinder säßen im Durchschnitt vier Stunden pro Monat länger im Bus als vor der Kappung.

Tatjana Jenzen und Gerhard Stülten. Foto: privat

Die Straße von Bevenrode nach Hondelage (K 31) befinde sich in einem desolaten Zustand und sei so als östliche Ersatz-Umfahrung um den Flughafen für den zusätzlichen Verkehr nicht geeignet. Bei der Variantenuntersuchung zur K 31 aus dem Jahr 2010 stehe: „Aufgrund der vorhandenen Fahrbahnbreite ist für die Nutzung der K 31 eine Ertüchtigung erforderlich.“ Dies sei seitens der Stadt nie umgesetzt worden. All diese Punkte hätten keine Berücksichtigung im neuen Verkehrsgutachten gefunden.

„Die verlängerte Start- und Landebahn wird nicht mehr benötigt“

In zehn Jahren sei viel geschehen. Das Umfeld des Flughafens habe sich prächtig entwickelt, viele Forschungseinrichtungen seien Europaweit einzigartig. „Die meisten von ihnen benötigen jedoch keine Landebahn, weil sie nicht über ein eigenes Flugzeug verfügen. Die verlängerte Start- und Landebahn indes wird nicht mehr benötigt, da in Kürze der Airbus A320 des DLR abgegeben wird und damit das öffentliche Interesse entfällt. Der Hauptnutzer Volkswagen hat seinen Airbus A319 bereits vor Jahren an die Bundesregierung verkauft“, erklären die Bezirksbürgermeister.

Werde die jetzt geplante Nulllösung bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zur Genehmigung eingereicht, gebe es keine Verbesserung der verkehrlichen Situation im Nord-Bezirk mehr. Wenn selbst Gutachter mit variablen Annahmen nicht plausibel erläutern könnten, warum es im Jahr 2019 entgegen den vorherigen Aussagen nur noch die Nulllösung gebe, dann sei es Zeit, beherzt umzusteuern.

„Wir fordern eine Ostumfahrung“

„Wir stehen nicht für eine Nulllösung mit all den Nachteilen für die Menschen unseres Stadtbezirkes. Wir fordern eine Ostumfahrung und damit eine Anbindung zum Osten Braunschweigs, der Innenstadt und zur Autobahn, ohne die Ortsdurchfahrten von Waggum, Bienrode, Kralenriede, Bechtsbüttel und die K 31 über Gebühr zu strapazieren“, so die Forderung.

Die Zustände nach Verlängerung der Landebahn dürften für die Anrainer und die Umwelt nicht ungünstiger sein als zuvor. Vor diesem Hintergrund müsse eine Lösung gefunden werden, die allen Beteiligten gerecht werde. Es dürften nicht nur der Flughafen und die preiswerteste Lösung im Vordergrund stehen, sondern es müssten die Interessen aller, das heißt auch die der Rettungskräfte, der lokalen Wirtschaft und vor allem der Bevölkerung vor Ort berücksichtigt werden.

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