OB Hoffmann: „Braunschweig sollte Hansestadt werden“

20. Juni 2014
Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann. Foto: WSF

Braunschweig. In einer aktuellen Beschlussvorlage empfiehlt Oberbürgermeister Dr. Hoffmann dem Rat der Stadt und seinem Nachfolger die Rolle Braunschweigs als Hansestadt wieder stärker in den Blickpunkt zu rücken und mittelfristig die Bezeichnung „Hansestadt“ anzustreben. Die Stadt Braunschweig soll zunächst dem neu gegründeten Hanseverein als Mitglied beitreten und ihre Aktivitäten im Hansebund wieder verstärken, schlägt der OB vor. Auch an den Hansetagen soll sie wieder aktiver und stärker teilnehmen.

„Meine Teilnahme am diesjährigen Hansetag in Lübeck hat mich sehr beeindruckt. Die Kooperation der Hansestädte hat eine neue Qualität erlangt“,  stellt Dr. Hoffmann fest. „Der Begriff der Hansestadt erfährt eine Renaissance, er ist wieder weithin mit einer positiven Wahrnehmung verknüpft.“ Nicht zuletzt die großen und bekannteren Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck pflegten und prägten das positive Image der Hansestädte sehr konsequent. Seit der Öffnung der Grenzen und der Erweiterung der Europäischen Union nach Osteuropa erfahre auch die alte Tradition des Hansebundes in ihrer internationalen Dimension neue Belebung, die Aktivitäten des Hansebundes fänden wieder stärker Beachtung. „Dies wird nicht zuletzt in der Teilnahme des Bundespräsidenten am diesjährigen Hansetag in Lübeck deutlich, aber auch in seinem großen Publikumszuspruch und der medialen Wirkung. Für mich ist dies Anlass für den Vorstoß, dass die traditionsreiche Hansestadt Braunschweig ihre Rolle wieder stärker wahrnimmt und herausstellt“, begründet Dr. Hoffmann seine Initiative.

Die Hansezugehörigkeit spielt in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte Braunschweigs eine herausragende Rolle. Schon für das 13. Jahrhundert ist Braunschweiger Handel im hansischen Kontext nachweisbar. Braunschweig gehört zu den wenigen Städten, die seit der Entstehung der so genannten Städtehanse Mitte des 14. Jahrhunderts und bis zum letzten Hansetag 1669 Mitglied waren. Gerade in der Spätzeit der Hanse (16./17. Jahrhundert) hat Braunschweig im Ringen um seine Unabhängigkeit mehrfach auch das politische Netzwerk der Hanse in Anspruch genommen. In wirtschaftlicher Hinsicht war Braunschweig nicht nur Handelsstadt, sondern auch Produktionsstandort, in erster Linie für Tuche, Metallwaren und landwirtschaftliche Produkte. International bekannt war damals und ist bis heute die Braunschweiger Mumme.

„Ich erwarte mir für die nahe Zukunft eine weitere positive Entwicklung der Hanse und eine positive Wirkung für das Image Braunschweigs, wenn wir uns da stärker einbringen“, so der OB. Der Beitritt in den neu gegründeten Hanseverein sei ein erster wichtiger Schritt, in den Folgejahren solle Braunschweig wieder aktiver bei den Hansetagen teilnehmen. „Für die Zukunft sollten wir anstreben, auch den Titel Hansestadt zu führen. Das würde unsere lange Hansetradition und Rolle als Vorstadt der Hanse betonen und sicher positiv wahrgenommen“, empfiehlt Dr. Hoffmann weiter.

Der Hanseverein wurde durch das Hansepräsidium unter Vorsitz des Bürgermeisters der Hansestadt Lübeck gegründet und im Mai offiziell ins Handelsregister eingetragen. Der Zweck ist die Förderung und Unterstützung der Arbeit des nicht rechtsfähigen internationalen Städtebundes DIE HANSE, insbesondere die Abwicklung von Projekten und die Beantragung von Fördermitteln. Der Verein ist den Zielen der HANSE verpflichtet, auf der Grundlage des grenzüberschreitenden Hansegedankens und der geschichtlichen Erfahrungen, die Gedanken und den Geist der europäischen Stadt/Gemeinde wiederzubeleben, das Eigenbewusstsein der Hansestädte zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen diesen Städten / Gemeinden zu entwickeln. Der Stadt entstehen durch eine Mitgliedschaft im Hanseverein unmittelbar keine finanziellen Aufwendungen. „Durch einen Vereinsbeitritt bekennt sich die Stadt Braunschweig zu ihrer hanseatischen Tradition und eröffnet sich dadurch Zugänge zu möglichen Fördermitteln und könnte noch aktiver von den Netzwerkaktivitäten des Vereins partizipieren“, formuliert Dr. Hoffmann die Zielsetzungen des Beitritts.

Die Stadt Braunschweig ist bereits langjähriges Mitglied im 1980 gegründeten Städtebund DIE HANSE, einem Zusammenschluss der internationalen Hansestädte. Der Hansebund veranstaltet jährlich den Hansetag in einer der Mitgliedsstädte. Der Hansetag gibt der auszurichtenden Stadt die Möglichkeit, ihre Tradition und Geschichte sowie ihre kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung einer großen Öffentlichkeit darzustellen. 1985 fand der 5. Hansetag in Braunschweig unter dem Motto „Kultur und Wissenschaft der Hansestädte“ statt, der nächste Hansetag in Braunschweig ist 2027 (47. Hansetag). Hierzu hatte sich die Stadt im Jahr 1999 aufgrund eines Beschlusses des Ältestenrates beworben und im Jahr 2000 anlässlich des Hansetages in Zwolle (Niederlande) den Zuschlag erhalten. Dort fand zuletzt eine Präsentation Braunschweigs auf dem Hansetag statt.

Seit 2001 hatte die Stadt Braunschweig primär aus Gründen der Haushaltskonsolidierung darauf verzichtet, regelmäßig eine Delegation zum Hansetag zu entsenden oder sich auf den parallel stattfindenden Hansemärkten zu präsentieren. Im Jahr 2004 war Bürgermeisterin Harlfinger zum Hansetag nach Turku/Finnland entsandt worden, um die Bewerbung Braunschweigs zur Kulturhauptstadt Europas 2010 zu vertreten. Die Stadt gehört seit der Gründung des Vereins in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch zu den traditionellen Mitgliedern des Hansischen Geschichtsvereins. Braunschweiger sind dort seither an wesentlicher Stelle präsent, Dr. Henning Steinführer vom Stadtarchiv selbst gehört derzeit dem Vorstand an. Der Hansische Geschichtsverein unterstützt und fördert Forschungen zur Geschichte der Hanse und der Städte, die früher der Hanse angehört haben. Für 2016 ist geplant, die 132. wissenschaftliche Pfingsttagung des Hansischen Geschichtsvereins in Braunschweig zu veranstalten, das Thema soll „Hansestädte und Landesherrschaft“ sein.

Der letzte Hansetag 1669 jährt sich 2019 zum 450. Mal. „Dieses Jubiläum böte einen guten Anlass für eine erneute Beschäftigung mit der hansisch-bürgerlichen Geschichte Braunschweigs“, ist Dr. Hoffmann überzeugt. Die letzte Ausstellung mit dem Titel „Hanse – Städte – Bünde“ fand 1996 statt.

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