PETA: „Hunderte Tauben bei Wettflügen in den Tod geschickt“

13. September 2018
Viele Tiere kämen nie am Ziel an. Symbolfoto: Pixabay
Goslar/Nordharz/Braunschweig/Stuttgart. Von April bis September müssten jedes Wochenende tausende Tauben bei Wettflügen weite Strecken quer durch Deutschland oder von Nachbarstaaten aus zu ihren Heimatschlägen zurücklegen. Das berichtet der PETA Deutschland e.V. in einer Pressemitteilung.

Viele Tiere kämen jedoch nie am Ziel an – so im vergangenen Jahr auch mindestens 856 Tauben der Reisevereinigung Nordharz-Goslar, womit die Verlustrate 61 Prozent betragen hätte. Ende August habe PETA bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig Strafanzeige gegen alle Verantwortlichen des Vereins erstattet. Die Tierrechtsorganisation wirft den Angezeigten nach eigenen Angaben vor, im Zuge der Wettveranstaltungen in der Saison von April/Mai bis Ende Juli 2017 Wirbeltiere getötet und ihnen länger anhaltende, sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt zu haben.

„Verbot längst überfällig“

„Die Verantwortlichen nehmen billigend in Kauf, dass sehr viele Tauben sterben – Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt und muss strafrechtliche Konsequenzen haben“, so Dr. Christian Arleth, Rechtsanwalt bei PETA. „Vögel aus Profitgier und Prestigegründen zu missbrauchen, passt nicht in eine moderne Gesellschaft. Ein Verbot von Taubenwettflügen ist längst überfällig.“

PETAs Motto laute in Teilen: „Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten oder in irgendeiner anderen Form ausgebeutet zu werden.“ Die Tierrechtsorganisation habe insgesamt 22 deutsche Brieftauben-Reisevereinigungen angezeigt und habe den zuständigen Veterinärämtern Abschriften der jeweiligen Strafanzeige zukommen lassen. Den Beteiligten wirft die Organisation vorsätzliche mittäterschaftliche Tierquälerei vor, so PETA.

Tierschutzwidrige Veranstaltungen nicht behördlich kontrolliert

Obwohl Taubenwettflüge dem Tierschutzgesetz widersprechen, werde der gesamte „Brieftaubensport“ hierzulande nicht veterinärbehördlich kontrolliert. „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich faktisch ein rechtsfreier Raum entwickelt, in dem systematisch gegen teils strafrechtlich relevante Vorschriften des Tierschutzgesetzes verstoßen wird“, so Arleth. Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. Weiterhin lege das Gesetz fest, dass Tieren im Training oder bei Wettkämpfen keine erheblichen Schmerzen, Leiden oder körperlichen Schäden zugefügt werden dürfen. PETA fordert in einem ersten Schritt behördliche Kontrollen. Nach Ansicht der Tierrechtsorganisation sei im Hinblick auf die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz auf lange Sicht ein Verbot die einzig logische Konsequenz.

Bei Wettflügen würden zahlreiche Vögel an Flüssigkeitsmangel, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen sterben. Konkrete Zahlen zu Verlusten würden bisher nicht von staatlichen Stellen erhoben. Aus Studien und Recherchen gehe jedoch hervor, dass bei Taubenwettflügen Verlustraten von durchschnittlich 53 Prozent zu verzeichnen seien, mitunter sogar 75 bis hin zu 90 Prozent.

25.000 würden teilnehmen

Rund 25.000 der knapp 50.000 Brieftaubenzüchter in Deutschland würden an Wettflügen teilnehmen. In deutschen Taubenschlägen lebten schätzungsweise 2,5 Millionen sogenannte Brieftauben. Beim „Brieftaubensport“ stehe die Leistung der Vögel im Mittelpunkt, ihr Wohlbefinden spiele in der Regel keine Rolle. Bleiben die Vögel hinter den Erwartungen zurück und sind für die weitere Zucht ungeeignet, töteten Züchter sie oftmals ohne Betäubung, indem sie am Hals der Tauben ziehen oder ihren Kopf drehen würden, bis sie sterben.

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