Politisches Bandprojekt: Mit dem Flüchtlingsfloß durch Deutschland

23. August 2014 von
Djamila aus Hamburg unterstützt die Aktion von Heinz Ratz (rechts) mit ihrer Stimme. Fotos: Christina Balder

Braunschweig. Heinz Ratz kann sie nicht ertragen, die Reichen, die sich einmal im Jahr  mit ihrer Spende an Brot für die Welt das Gewissen freikaufen. Das wird in seinen Liedern mehr als deutlich. Aus diesem Antrieb hat er mit seiner Band „Strom und Wasser“ schon 2012 ein Flüchtlingsprojekt gestartet. In diesem Jahr gibt es wieder eines. Mit Flüchtlingsfrauen und auf zwei Flößen touren die Musiker durch Deutschland, spielen jeden Abend woanders und sehen, wie Flüchtlinge in unserem Land leben. 

Auf solche Flößen fahren die Musiker und Flüchtlingsfrauen durch Deutschland. Foto: Strom und Wasser

Auf solche Flößen fahren die Musiker und Flüchtlingsfrauen durch Deutschland. Foto: Strom und Wasser

Am Freitagabend spielen „Strom und Wasser und die Flüchtlingsfrauen“ in reduzierter Besetzung. Die Flöße sind noch auf dem Mittellandkanal und werden erst gegen halb elf abends ankommen. Es gehört zum Konzept, dass auf den zwölf mal drei Meter großen Flößen Menschen wie auf Flüchtlingsbooten durch die Republik gefahren werden – allerdings bequemer und ohne das tödliche Risiko, im Mittelmeer zu kentern. Am 14. Juli sind sie in Nürnberg gestartet und fahren über Main, Rhein und Mittellandkanal bis nach Berlin. Nachmittags gehört ein Kinderprogramm in den Flüchtlingsheimen der Städte dazu, die mitreisenden Frauen tauschen sich mit den Frauen in den Heimen aus. Abends spielt die Band mit Gästen aus Afrika, Syrien, Iran oder Russland Konzerte – wie am Freitag im Kinder- und Jugendzentrum im östlichen Ringgebiet.

Ratz benutzt konsequent das Wort „Lager“ für die Orte, an denen Flüchtlinge in

Die Band spielt gemeinsam mit Flüchtlingsfrauen.

Die Band spielt gemeinsam mit Flüchtlingsfrauen.

Deutschland untergebracht werden. „Ein Heim ist etwas, wo man sich heimisch fühlen kann“, sagt er. „Aber wo Menschen einfach nur abgelagert werden, das ist für mich ein Lager.“ Seit der Tour 2012 habe sich in den Lagern erschreckend wenig getan, erzählt er. „Hunde haben vom Tierschutz her das Recht auch acht Quadratmeter Platz. Flüchtlinge haben in Bayern das Recht auf 5,5 Quadratmeter.“ Unter Flucht und Unterbringung leiden vor allem Frauen, hat Ratz beobachtet – deswegen widmet er sein jetziges Projekt auch nur ihnen.

Damaris aus Kenia, die für Women in Exile mitreist und mitsingt, erzählt von ihren Erfahrungen: „Gehen Sie mal in das nächstgelegene Lager und schauen Sie sich um! Die Flüchtlinge leben in Containern. Container sind aber für Waren, nicht für Menschen.“ Sie erzählt von sexueller Belästigung, von der Angst, darüber zu sprechen. Sie erzählt von Besuchsverboten und  ignoranter Behandlung religiöser Bedürfnisse. „Jeder weiß, dass Muslime kein Schweinefleisch essen. Aber was kriegen sie? Schweinefleisch. Was sollen sie damit machen? Es in den Müll werfen?“  Auch Flüchtlinge wollten arbeiten, zur Schule gehen und Steuern zahlen wie andere Menschen auch, und unter menschenwürdigen Bedingungen leben. „Es stehen so viele Wohnungen und Häuser leer, warum dürfen wir nicht dort wohnen?“

Akram aus Teheran ist Pianistin. Sie begleitet „Strom und Wasser“ bei ihrer Tour.

Mit rauer Stimmen und rauen Texten unterstreicht Heinz Ratz seine politische Haltung. „Ihr Schönen, ihr Edlen, ihr immer Gerechten, ihr feiert euch selber voll Leidenschaft. Aber hört ihr den Ruf aus den dreckigen Nächten? Auch die schlafende Armut, auch die Armut hat Kraft.“ Unterstützt wird er dabei unter anderem von der Hamburgerin Djamila, die mit ihm im Duett das Lied „Man kann sie nicht zwingen“ über Prostitution sind, von zwei Frauen aus Kenia und von Akram, einer Pianistin aus Iran, die in Teheran als Musikprofessorin gearbeitet hat und erst während der Tour ihre Aufenthaltserlaubnis bekam.

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