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SERIE: „Akte ungeklärt“- Die Cold Cases von Braunschweig

5. März 2018 von
Holger Kunkel, Oberkommissar bei der Braunschweiger Polizei, öffnet alte Fallakten. Foto/Video: Anke Donner
Braunschweig. 16 ungeklärte Tötungsdelikte gibt es derzeit in Braunschweig. Holger Kunkel, Oberkommissar bei der Polizei Braunschweig, hat für regionalHeute.de den dicken Ordner mit den Fällen einmal aufgeschlagen und erklärt, warum diese Fälle bis heute nicht aufgeklärt werden konnten.

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Auf einige der ungeklärten Fälle der Polizei Braunschweig gehen wir in unserer Serie „Die Cold Cases von Braunschweig“ einmal etwas genauer ein. Dabei handelt es sich zum einen um Tötungs- und Vermisstenfälle, bei denen auch nach beinahe 50 Jahren weder Täter noch Opfer gefunden werden konnten. Zum anderem sind auch Fälle dabei, die nach vielen, vielen Jahren aus der Akten genommen werden konnten, weil der Mörder ermittelt wurde, oder der Fall eine ganz andere Richtung genommen hatte.

Im ersten Teil erzählt Holger Kunkel, Oberkommissar bei der Polizei Braunschweig, wie schwer es heute ist, die alten Fälle nach vielen Jahrzehnten noch aufzuklären. Oft hilft es der Polizei auch nicht, dass die Forschung weit fortgeschritten ist und DNA-Analysen möglich sind.

Im Büro von Holger Kunkel steht der Ordner mit den ungeklärten Fällen.

Fast täglich gehe Holger Kunkel an dem Aktenschrank vorbei, in dem die ungelösten Fälle, die sogenannten „Cold Cases“ liegen, berichtet er im Gespräch mit regionalHeute.de. Es ist ein dicker Ordner, gefüllt mit 16 ungeklärten Tötungsdelikten und fünf Langzeitvermissten. Die Fälle stammen aus den Jahren 1969 bis 1995. „Seit 1995 haben wir kein unaufgeklärtes Tötungsdelikt mehr in Braunschweig“, so Kunkel, der seit 21 Jahren in der Todesermittlung tätig ist. 

Es sei schwer, die alten Fälle heute noch zu lösen. Meist sei man dann auf den Zufall angewiesen. Denn gerade bei diesen Akten  handelt es sich um sehr alte Fälle. Die Akten dazu seien entweder ganz und gar vernichtet, oder Beweismaterialien – vor allem DNA –  sind heute mitunter nicht mehr vorhanden. Dabei wären sie heute so wertvoll. Bei den Fällen, wo DNA-Material vorhanden ist, fehlt es an Vergleichsproben. 

Beweismaterialien vernichtet

Holger Kunkel ist seit 21 Jahren Todesermittler bei der Polizei Braunschweig.

Vor einigen Jahren, so berichtet Kunkel, haben er und einige Kollegen den Versuch gestartet und sich die alten Fälle vorgenommen. Das war 2001. Damals hat sich Holger Kunkel, gemeinsam mit einem zehnköpfigen Team, an die die alten Fälle gesetzt. Bei 1969 habe man angefangen. Denn noch während Kunkel sich erstmals mit den alten Fällen beschäftigte, musste er feststellen, dass von Delikten, die noch weiter zurückliegen, die dazu gehörigen Akten und Beweismittel bereits vernichtet worden sind. Ein normales Prozedere zu dieser Zeit, so Kunkel. Denn erst seit Ende der 1970er Jahre gilt das Gesetz „Mord verjährt nicht“. Bis dahin wurden Fallakten nach 20 Jahren vernichtet – ob aufgeklärt oder nicht. Sie werden also auf immer ungeklärt bleiben. 

Mit 18 ungeklärten Tötungsdelikten sei man dann 2001 in die Ermittlungen eingestiegen, erinnert sich Kunkel. Aber nur von neun Fällen wurden noch Asservate bei der Staatsanwaltschaft aufgefunden. Es begann eine Sịsyphosarbeit für Kunkel und sein Team. Es wurden Akten gewälzt, Beweise gesichtet, Spuren verfolgt und rund 1.000 Personen überprüft. Auch DNA, die noch zum Teil archiviert war, wurde untersucht. Am Ende stand ein ernüchterndes Ergebnis. Nicht einen Fall konnten die Ermittler damals aufklären. Sie liegen bis heute im Schrank in Kunkels Büro. 

Erfolg nach über 20 Jahren

Die Tatortspuren eines jeden Falls werden in eine Datenbank eingepflegt. Taucht irgendwann einmal eine Übereinstimmung auf, werden die Ermittler wieder tätig. So wie vor gut zwölf Jahren. Damals konnten zwei Fälle, die bis dahin noch als ungeklärte Tötungsdelikte im Ordner von Holger Kunkel geführt wurden, aufgeklärt werden. Die Morde an Andrea F. aus Braunschweig und Doris M. aus Goslar aus dem Jahr 1981 wurden nach 24 Jahren gelöst. Der Mörder, der damals in Vienenburg lebte, sitzt bis heute hinter Gittern, erklärt Holger Kunkel. Wie die Fälle, die lange Zeit als ungeklärt galten, doch noch aufgeklärt werden konnten, erzählt Holger im nächsten Teil der Serien: „Die Cold Cases von Braunschweig“. 

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