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Stadt gedenkt 75. Jahrestag der Deportation Braunschweiger Sinti

4. März 2018
Am 3. März eines jeden Jahres wird in Braunschweig an der Erinnerungsstätte im Rathaus an diese Opfergruppe im Rahmen eines Stillen Gedenkens erinnert. Foto: Sina Rühland
Braunschweig. Im März 1943 wurden die zu dieser Zeit in Braunschweig lebenden Sinti von dem zuvor eingerichteten Sammellager am Sandanger in Veltenhof zu einem Braunschweiger Bahnhof gebracht und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur wenige überlebten.

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Aus Anlass des 75. Jahrestages wurde in diesem Jahr ein umfangreiches Projekt zur Erinnerung an die Verfolgung, das Leiden und die Ermordung der Braunschweiger Sinti in Zusammenarbeit mit einer Schulinitiative entwickelt und umgesetzt.

Am 3. März eines jeden Jahres wird in Braunschweig an der Erinnerungsstätte im Rathaus an diese Opfergruppe im Rahmen eines Stillen Gedenkens erinnert. Um die Opfer der Anonymität zu entheben und eine bewusste, konkrete Beschäftigung mit dem Geschehenen anzuregen, wurden 124 Opfernamen Bestandteil der Erinnerungsstätte, die die Stadt Braunschweig im Jahr 2002 in enger Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti e.V. eingerichtet hat.

Zum Abschluss des Stillen Gedenkens, an dem in diesem Jahr Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Bürgermeisterin Annegret Ihbe und Bürgermeister Dr. Helmut Blöcker sowie zahlreiche Vertreter des Rates teilgenommen haben, richtete der Oberbürgermeister das Wort an die wenigen Überlegenden der Deportation von 1943 und die Hinterbliebenen der Ermordeten: „Es war mir heute ein besonderes Anliegen, anlässlich dieses Jahrestages das Gedenken mit Ihnen gemeinsam zu begehen und damit zum Ausdruck zu bringen, dass die Auseinandersetzung auch mit den Schattenseiten unserer Stadtgeschichte für uns alle ein dauerhafter Auftrag und ein aufrichtiges Anliegen bleibt, wenn wir unsere Gegenwart und ihre Anforderungen an uns als Stadtgesellschaft meistern wollen.“

Im Anschluss erinnerten die Teilnehmer der Gemeinde der Sinti im Rahmen einer ihren Traditionen folgenden Feier unter anderem mit Wortbeiträgen von Siegfried Franz als Vertreter des Landesverbands Niedersächsischer Sinti und Roma e. V. und Herbert Erchinger, Pfarrer im Ruhestand, sowie Musikdarbietungen, gespielt von den Brüdern Maurice und Kussi Weiss, an die Opfer.

Erinnerung an das Geschehen im Jahr 1943

Im Anschluss wurde am Ort des ehemaligen Sammellagers, in dem die Braunschweiger Sinti vor ihrer Deportation ghettoisiert worden waren, eine Informationstafel der Öffentlichkeit im Beisein von Bürgermeisterin Annegret Ihbe, Bezirksbürgermeister Carsten Degering-Hilscher und zahlreichen Mitgliedern des Stadtbezirksrates Veltenhof-Rühme übergeben. Diese Tafel erinnert an das Geschehen im Jahr 1943. Initiiert wurde die Tafel, die den authentischen Ort der Verfolgung der Sinti markiert, von Schülerinnen und Schülern des Wahlpflichtkurses Geschichte aller 10. Klassen der Nibelungen-Realschule unter der Leitung der betreuenden Sozialarbeiterin, Simone Weiss, und des Geschichtslehrers Lorenz Meyer. Viele der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer haben die Veranstaltung in Veltenhof begleitet.

Abschließend wurde in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße eine neue Texttafel an der Wand des Gedenkortes enthüllt. Frank Ehrhardt (Geschäftsführer des Arbeitskreises Andere Geschichte und Leiter der Gedenkstätte) begrüßte die Schülerinnen und Schüler der Nibelungen-Realschule und dankte ihnen für ihr großes Engagement an der geleisteten Schülerarbeit, die die Anbringung einer neuen Texttafel an der Tafelwand der Gedenkstätte ermöglicht hat. Nachfolgend ergriff Bürgermeister Dr. Blöcker zusammen mit Schülerinnen und Schülern das Wort.

Die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma wurde vom nationalsozialistischen Regime systematisch betrieben. Die Basis der Vernichtungspolitik bildete ein biologistisches Rassedenken, für das insbesondere die 1936 gegründete „Rassenhygienische Forschungsstelle“ des Neurologen und Psychiaters Robert Ritter die Argumente lieferte. Seit 1934 wurden nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ Sterilisationen an Sinti und Roma vorgenommen. Mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 wurden die „Zigeuner“ zur „außereuropäischen Fremdrasse“ erklärt. Die daraus resultierende Diskriminierung und Ausgrenzung, die vollständige Erfassung und die seit 1939 erfolgende „Festsetzung“ der Sinti in sogenannten Sammellagern waren Schritte auf dem Weg zur Vernichtung.

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