Stadt will die Burggasse, muss aber noch Ministerium überzeugen

28. Januar 2019
Der Eingang aus Sicht Hutfiltern wurde von der obersten Denkmalbehörde beanstandet. Foto: Welp von Klitzing
Braunschweig. Wie die Stadt Braunschweig mitteilt, steht die Verwaltung hinter dem Projekt "Burggasse" und will die Baugenehmigung erteilen. Allerdings fehlt hierfür noch das OK des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) als Oberste Denkmalschutzbehörde.

Die Stadt Braunschweig sieht im Projekt Burggasse eine Schlüsselinvestition für die Braunschweiger Innenstadt, die in dem aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangenen Entwurf städtebauliche, denkmalschutzrechtliche und wirtschaftliche und Aspekte in angemessener Weise berücksichtigt und für die zukünftige Entwicklung der Innenstadt eine einzigartige Chance eröffnet. Sie beabsichtigt deshalb, das Projekt zu genehmigen. Damit das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) als Oberste Denkmalschutzbehörde die Genehmigung der denkmalrechtlichen Eingriffe bei beiden Eingangsgebäuden mitträgt, steht die Verwaltung mit dem MWK im engen Austausch. Das hat die Stadtverwaltung am heutigen Montag dem Planungs- und Umweltausschuss öffentlich mitgeteilt, der am Mittwoch tagt.

Die zweigeschossige Erhöhung des Eingangs Hutfiltern ist der Knackpunkt

Die Stadtverwaltung hatte nach Abschluss des Wettbewerbsverfahrens, wie bei der Vorstellung des siegreichen Architektenentwurfs 2017 angekündigt, nach einer Stellungnahme durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalschutz als Denkmalfachbehörde auch eine Bewertung des MWK eingeholt. Das MWK stellte im Herbst 2018 bezüglich des Abbruchs des Gebäudes Schuhstraße 6 (Ost) mit Resten alter Bausubstanz in der Fassade kein denkmalrechtliches Abwägungsdefizit fest, wohl aber zunächst hinsichtlich der zweigeschossigen Erhöhung des Eingangs Hutfiltern 8.

Das BBE-Gutachten soll das MWK überzeugen

Demnach war das so genannte „öffentliche Interesse anderer Art“ gemäß § 7 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes bis dato nicht ausreichend dargelegt worden. Die Verwaltung wird deshalb dem MWK neue Unterlagen zur Abwägung vorlegen. Ein Baustein wird hierbei das aktuell vorgelegte Gutachten der BBE Handelsberatung sein, das sich mit aktuellen Anforderungen von Handelsobjekten in den Innenstädten befasst.

„Unsere Position war stets: der Denkmalschutz muss ausreichend berücksichtigt werden“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth. „Deshalb haben wir uns bereits im Vorfeld gegen einen Komplettabriss am Hutfiltern ausgesprochen. Ich habe deshalb die Entscheidung der Wettbewerbsjury für die behutsamere Variante des Entwurfs von Welp von Klitzing begrüßt. Eines muss aber ebenso klar wie die Position zum Denkmalschutz herausgestellt werden: Die Burgpassage funktionierte in der alten Form nicht mehr, wie jeder an den leerstehenden Handelsflächen sehen konnte. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich dieses für die Vitalität der westlichen Innenstadt außerordentlich wichtige Ensemble lebendig weiterentwickeln kann, mit Handel, Gastronomie, Wohnungen, Aufenthaltsqualität. Das neue, zeitgemäße Einzelhandelskonzept, verbunden mit neuem innerstädtischem Wohnen und der Idee, aus der Passage eine Gasse zu machen und so Hutfiltern und Schuhstraße weiterhin städtebaulich zu verbinden, bietet dafür eine einmalige Chance.“

Burggasse auch abends belebt

„Auch wenn der Verlust an denkmalgeschützter Substanz schwer wiegt, rechtfertigen der Erhalt der Innenstadt als lebendigem Einzelhandelsstandort und die hohe städtebauliche und architektonische Qualität des Entwurfs von Welp von Klitzing die Umsetzung dieses wichtigen Projekts für Braunschweig“, hebt Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer hervor. „Vor allem die neue Wohnnutzung – 44 Wohneinheiten sind in den Obergeschossen geplant – wird dazu beitragen, dass der Bereich um die Burggasse auch in den Abendstunden und an den Wochenenden belebt ist. Die Burggasse wird schon bald selbstverständlicher Bestandteil der Innenstadt sein und deren Vielfalt und Attraktivität in hohem Maße steigern.“ Es müsse auch berücksichtigt werden, dass bei den Umbauten der Vergangenheit in dem Gebäudeblock der Denkmalschutz weit stärker beeinträchtigt wurde, als dies jetzt vorgesehen ist.

Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa: „Die Innenstädte und insbesondere der Handel stehen vor großen Herausforderungen. Landauf und landab sind der Rückzug des Einzelhandels, Leerstände und verödende Innenstadtlagen zu beobachten. In Braunschweig haben wir eine erfolgreiche Innenstadtentwicklung betrieben und sind Stand heute in der glücklichen Lage, in Städtevergleichen gut dazustehen. Das wird aber auch für die Zukunft kein Automatismus sein und bedarf der Fortsetzung unseres Engagements und der Bereitschaft zur Gestaltung des Wandels. Mit dem Projekt Burggasse ist eine große Chance für diesen zentralen Bereich der Innenstadt verbunden. Es schafft zukunftsfähige Einzelhandelsflächen, stärkt die Wohnfunktion in der Innenstadt und das alles mit hoher städtebaulicher Attraktivität.“

Rückbau von Bausünden angeregt

Abschließend regt OB Markurth an, die aktuelle Diskussion zu nutzen, um Konzepte für einen Rückbau von „Bausünden“ an denkmalgeschützten Gebäuden der letzten Jahrzehnte im Bereich der Hauptfußgängerströme zu entwickeln und umzusetzen.

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