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Städtisches Museum zeigt Karikaturen des Zwangsarbeiters Charrin

9. März 2018
Braunschweig. Das Städtische Museum zeigt im Haus am Löwenwall ab Donnerstag, 15. März, bis 13. Mai die Ausstellung "PHILIBERT UND FIFI – Karikaturen des französischen Zwangsarbeiters P. Philibert Charrin im Nationalsozialismus". Dies teilt das Museum mit.

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Eröffnet wird sie am Mittwoch, 14. März, um 19 Uhr. Es sprechen der Museumsdirektor Dr. Peter Joch, Dr. Jürgen Müller vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und Dr. Lars Berg, Kurator der Graphischen Sammlung des Städtischen Museums Braunschweig. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.

Die Ausstellung umfasst Blätter Philibert Charrins (1920 – 2007), die er während seiner Zeit als Zwangsarbeiter in einem Nazi-Arbeitslager in den Jahren 1943 bis 1945 anfertigte: Über 80 Karikaturen, Zeichnungen und Plakate, ergänzt um Originaldokumente aus seinem Nachlass. Die Sammlungsausstellung „bitter und böse. Karikaturen der Kaiserzeit von Rudolf Wilke“ begleitet die Schau.

Karikaturen von Hitler und seinen Vasallen

Schon früh befasste sich der französische Künstler Philibert Charrin mit dem Nationalsozialismus. Er karikierte Hitler und Vasallen als lächerliche Großmäuler. 23-jährig von den Nazis zur zivilen Zwangsarbeit in der Steiermark und im Burgenland verurteilt, zeichnete Charrin sich eine eigene Welt. So oft es ging, skizzierte er mit spitzer Feder Lagerleben und -arbeit. Eine pfiffige Besonderheit der Blätter ist das Strichmännchen „Fifi „, Charrins Alter Ego, das als beobachtender Kommentator in den Zeichnungen auftaucht.

Einige Blätter musste Charrin verstecken, denn sie thematisierten Widerstand oder Sabotage. Andere Darstellungen weisen eher dokumentarischen Charakter auf und spiegeln den Alltag im Arbeitslager wider: Sie zeugen von den widrigen, harten Lebens- und Arbeitsumständen. Eines jedoch ist allen Zeichnungen in gleicher Weise eigen: Der Humor, mit dem Charrin seine Welt sah – ein Humor, der für ihn Freiheit bedeutete und der zuweilen ein Lachen bewirkt, das ‘im Halse steckenbleibt‘.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Charrins Zeichnungen ausgestellt und publiziert. In den Folgejahren erlangte Charrin als französischer Künstler mit seinen Gemälden und Collagen großes Ansehen. Für seine Karikaturen als Zwangsarbeiter interessierte sich zunächst niemand mehr, und Charrin selbst verschloss diesen Lebensabschnitt in sich – bis kurz vor seinem Tod. Nach mehr als 70 Jahren entwickelte das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln eine Ausstellung zu diesem einzigartigen Schatz, der zum ersten Mal nach 1946 wieder in Gänze öffentlich zu sehen ist.

Mit spitzer Feder und bitterböser Ironie

Aus eigenen Beständen zeigt das Städtische Museum Braunschweig begleitend die Ausstellung „bitter und böse. Karikaturen der Kaiserzeit von Rudolf Wilke“. In seinen Karikaturen nimmt der gebürtige Braunschweiger Künstler Rudolf Wilke (1873-1908) mit spitzer Feder und bitterböser Ironie adelige Persönlichkeiten, die Professorenschaft, Geistliche, Soldaten und Corpsstudenten der Kaiserzeit aufs Korn. Mit nur wenigen Strichen gelingt es Wilke, den Charakter seiner Figuren aufs Papier zu bringen. Er arbeitete überwiegend mit Bleistift, Tusche und Deckfarben. Oft kombiniert er die künstlerischen Verfahren und lässt raffinierte Mischtechniken entstehen.

Erste Aufträge erhielt Rudolf Wilke für Karikaturen in den Blättern „Die Geißel“ oder „Über Land und Meer“, ein illustriertes Unterhaltungsblatt, das von 1858 bis 1923 wöchentlich in Stuttgart erschien. Der Durchbruch gelang ihm schließlich 1896. In diesem Jahr gewann Wilke den Wettbewerb, den die neugegründete Zeitschrift „Jugend“ für die Gestaltung eines Titelblattes ausgeschrieben hatte. Wilke arbeitete für das bekannte Magazin, bis er 1899 zum gleichfalls berühmten „Simplicissimus“ wechselte.

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