TU Braunschweig beendet Bodenseebohrungen erfolgreich

1. August 2019
ie Bohrplattform HIPERCORIG im Einsatz auf dem Bodensee im Juli 2019. Foto: Antje Schwalb/TU Braunschweig
Braunschweig/Konstanz. Von Mitte Mai bis Mitte Juli 2019 entnahmen laut einer Pressemitteilung der technischen Universität Braunschweig vier Bohrexperten auf der neu entwickelten Plattform „HIPERCORIG“ Seesedimentenproben aus über 200 Metern Wassertiefe auf dem Bodensee. Neben Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Konstanz waren Studierende aus Braunschweig, Bern und Bochum im Einsatz.

Das Ziel war laut der Universität, das neue Bohrsystem zu testen und damit Seesedimente durchgehend zu gewinnen und zu beproben. Zwei je 24 und 22 Meter lange Kernstrecken – das sei mehr als doppelt so tief wie bisher möglich – hätten auf diese Weise zwei Kilometer südwestlich vor Hagnau am Bodensee geborgen werden können. Die Technik hätte dabei wesentlich verbessert werden können, betont die TU. „Große Herausforderungen waren vor Ort die große Wassertiefe, starke Wasserströmung sowie sandige Sedimentschichten anstatt feiner Tone.“, beschreibt die Universität das Projekt. Dazu wären die heftigen Gewitter mit Starkregen und auch ein lokales Unwetter gekommen, die den Wasserspiegel um einen Meter angeschwollen hätten. In der Folge hätte sich ein Anker gelöst, die Plattform versetzte sich leicht und schließlich sei die Verrohrung des Bohrlochs gerissen. Diese Extrembedingungen dienten als Härtetest der Anlage, die unmittelbar daran angepasst wurde, erklärt die Universität. Den sandigen Sedimenten wurde eine verbesserte Bohr- und Spültechnik entgegengesetzt, so die Forscher, bis schlussendlich die Sedimentkerne im Stundentakt an die Oberfläche befördert werden konnten. Der Versatz der Plattform hätte mit Hilfe der Kameras eines Tauchroboters des Instituts für Seenforschung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg korrigiert werden können. Die zum Bohrsystem gehörenden Führungselemente am Seeboden seien ebenso umgebaut worden, sodass sie den Bohrstrang besser einführen konnten. Zudem sollen künftig neue Winden und sicherere Hebewerkzeuge Verluste der Bohrgerätschaften ausschließen, die bei dem Test auf dem Bodensee erhebliche Zeitverluste verursacht hätten. Insgesamt sei die Bohrkampagne der perfekte Test gewesen: „Es wurden viele Lektionen gelernt, und es wurde sich durchgebissen nach dem Motto: ‚Besser jetzt auf dem Bodensee, als während nachfolgender Einsätze am anderen Ende der Welt‘“, so Professorin Antje Schwalb von der TU Braunschweig.

Neugier bei Anwohnern

Die Arbeiten auf dem Bodensee seien von Anwohnern und Wassersportlern mit großem Interesse und Neugier begleitet worden. Manchem Segler habe die Plattform als Wendeboje gedient. Für die hervorragende Unterstützung bedanken sich die Beteiligten bei: Bürgermeister Frede und Hafenmeister Müller in Hagnau, Hafenmeisterin Willer von Hagnau-West, Herrn Burger vom Landratsamt Bodenseekreis, den Wissenschaftlichen Werkstätten der Universität Konstanz und dem Institut für Seenforschung für den Einsatz des Forschungsschiffs „Kormoran“ mit Tauchroboter. Der Verlauf des Tests erlaube nun auch die Betriebskosten realistisch zu erfassen, die Kostenschätzungen für zukünftige Einsätze möglich machen. Den letzten Schliff erhalte „HIPERCORIG“ nun bei seinem Hersteller in Mondsee. Anschließend werde die Anlage beim Internationalen Geothermiezentrum (GZB) an der Hochschule Bochum gelagert. Eine Ausschreibung auf Nutzung und Einsatz des Geräts werde außerdem in Kürze veröffentlicht. Dann könne „HIPERCORIG“ weltweit auch an Einsatzorte in schlecht zugänglichen Regionen transportiert werden. Die Sedimentkerne seien nach einer ersten Beprobung an der Universität Konstanz hinsichtlich leicht flüchtiger sowie biologisch empfindlicher Bestandteile an der Universität Bern untergebracht. Dort werde im Oktober 2019 die gemeinsame weitere Beprobung, die sogenannte „Core Sampling Party“, stattfinden, an der insgesamt elf Institutionen beteiligt sein werden. 

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