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Von der Realität überholt: Diskussion zu Terrorismus-Film

22. Juli 2017 von
Braunschweigs Kripo-Chef Ulf Küch (li.) und Schauspieler/Regisseur Ken Duken diskutierten im C1. Fotos: Alexander Dontscheff
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Braunschweig. Ein Terroranschlag in Berlin kurz vor Weihnachten? Dies ist nicht nur die traurige Realität des 19. Dezembers 2016, sondern auch das Thema von Ken Dukens Film "Berlin Falling". Um dem brisanten Thema gerecht zu werden, fand im Anschluss an die Vorstellung am Freitagabend eine Diskussion mit Ken Duken und Braunschweigs Kripo-Chef Ulf Küch statt.

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Mit dem Film, der Dukens Regiedebüt darstellt und in dem er selbst eine der beiden Hauptrollen verkörpert, wurde bereits vor drei Jahren begonnen. „Damals wollte ich das Thema überspitzen, hatte damit gerechnet, dass die Leute sagen, so etwas kann bei uns sowieso nicht passieren. Leider wurde der Film von der Realität überholt“, so Duken. 

Für Ulf Küch kann es in einem Rechtsstaat keine hundertprozentige Sicherheit geben.

Von einem Extrem ins andere

Laut Ulf Küch ist auch das Szenario, das im Film dargestellt wird (letztendlich handelt es sich um Terroristen mit einem rechtsradikalen Hintergrund) durchaus realistisch. Dies hätten der Amoklauf von München im letzten Sommer und die Taten der NSU gezeigt. Doch dass der Film den Zuschauer über die Motive des geplanten Attentats so lange im Unklaren lässt und zunächst andere Spuren legt (Linksradikale, Islamisten) hat nicht nur dramaturgische Gründe, wie Ken Duken betont. „Es geht darum die aktuelle Stimmung bezüglich der Extreme einzufangen, wie sie von Einzelnen benutzt werden, um daraus Kapital zu schlagen. Um einem Extrem auszuweichen, sollte man niemals in ein anderes verfallen“, so der Regisseur.

„Man muss genau gucken, was steckt dahinter“, ist auch Küch überzeugt. „Ich sehe in der Tat Paralellen zur NSU. Auch dort hat man die wahren Motive zuerst nicht erkannt. Im Film ist man dann fast schon erleichtert, wenn alles auf die Araber hindeutet. Am Ende ist es dann aber doch nicht so.“ Auch Parallelen zum Braunschweiger Zeitgeschehen zieht der Kripo-Chef. „2015 hatten wir 40.000 Flüchtlinge hier. Da haben auch manche gedacht, dass wer weiß was passiert. Am Ende gab es aber kaum Zwischenfälle.“

Ken Duken appelliert an die freiheitlichen Werte.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Doch wie groß ist das Risiko in Braunschweig, Opfer eines Anschlags zu werden? Die Absage des Karnevalsumzugs 2015 nach einer Terrorwarnung dürften noch alle im Bewusstsein haben. „In einem freiheitlichen Rechtsstaat kann es keine hundertprozentige Sicherheit geben. Wer das erzählt ist ein Scharlatan oder Spinner. Auch Forderungen nach immer mehr Polizei ist nur ein Placebo. Es wird immer Sicherheitslücken geben, die kann man nur mit totalitären Mitteln schließen“, so Küch.

Was die Polizei mache, sei zu lernen und sich vorzubereiten. Doch auch hier gebe es Rückschläge wie der Fall Amiri gezeigt habe. Dennoch sei Angst niemals ein guter Berater, sind sich Küch und Duken einig. „Es geht darum die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft hoch zu halten und diese täglich zu leben“, so Duken abschließend.

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