Kommentar

Von Hakenkreuzbriefmarken und dem richtigen Zeitpunkt aufzugeben

11. Juli 2019
von
Ein Auszug aus der Briefmarkensammlung des Autors, der sich an dieser Stelle ausdrücklich von einer Verherrlichung der abgebildeten Marken distanziert. Fotos: Alexander Dontscheff
Braunschweig. Seit gestern Nachmittag ist Richard Borek offiziell Ehrenbürger der Stadt Braunschweig. Wie zu erwarten war, gab es im Vorfeld und auch am Tag der Verleihung Kritik und Proteste. Dass diese mitunter ins Groteske abgedriftet sind, wirft kein gutes Licht auf die politische Streitkultur in dieser Stadt. Und leider war auch die Festrede von IHK-Chef Dr. Bernd Meier kein Ruhmesblatt, das die Wogen glätten dürfte.

Ob nun Richard Borek zurecht Ehrenbürger dieser Stadt geworden ist, darüber vermag ich mir kein Urteil zu erlauben. Es ist auch müßig, denn er ist es definitiv geworden. Die Kundgebung der BIBS am gestrigen Mittwoch hatte schon etwas Verzweifeltes an sich. Einem Briefmarkenhändler vorzuwerfen, dass er auch Marken aus der Zeit des Dritten Reichs verkauft und diese gar bewirbt („Verherrlichung“) mutet doch schon arg konstruiert an. Und zum Vorwurf, Richard Boreks Vater sei ein Nazi-Profiteur gewesen, schreibt die BIBS selbst in ihrer Ankündigung der Protestkundgebung, dass dies eigentlich nichts mit dem nun geehrten Richard Borek zu tun habe. Warum also thematisiert man es in diesem Maße? Eine Erbsünde würde ich dann doch eher im Bereich der Katholischen Kirche verorten als in der Politik.

Dr. Bernd Meier machte den Borek-Kritikern schwere Vorwürfe.

Aber auch Dr. Bernd Meier ist in seiner Festrede mit der Kritik an den Kritikern über das Ziel hinaus geschossen. Man mag das verbissene Vorgehen zum Beispiel der BIBS verurteilen, den dahinter stehenden Personen (die zwar nicht namentlich genannt wurden) mangelnden Intellekt vorzuwerfen, geht dann doch zu weit und hat auch nichts mit dem an anderer Stelle von Meier eingeforderten Respekt zu tun.

Auch die Betonung der Akzeptanz politischer Mehrheiten durch den scheidenden IHK-Geschäftsführer geht mir zu weit (Wer Mehrheiten nicht respektiere, setze die Axt an einen der Grundpfeiler der Demokratie, hatte Dr. Meier in seiner Rede gemahnt). Wenn man von einer Sache überzeugt ist, sollte man schon dafür einstehen dürfen. Auch wenn die politische Mehrheit etwas anderes sagt. Das nennt man Pluralismus. Man muss nur den Zeitpunkt erkennen, wann man aufgeben sollte, bevor man sich lächerlich macht. So nützt es nichts (um ein Beispiel aus dem Borek-Universum heranzuziehen), heute noch dem Schlosspark hinterher zu trauern und das „Kaufschloss“ zu verdammen. Denn man hat seit über zehn Jahren eine neue Faktenlage. Und eine Mehrheit, die Schlossarkaden wieder abzureißen, wird sich auch nicht so bald finden lassen.

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