Waldexperten und Bürgerinitiativen warnen vor Waldkrise

11. September 2019
Unter anderem die Bürgerinitiative Baumschutz Braunschweig als Mitglied der BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) beteiligte sich an einem offenen Brief an Landwirtschaftsministerin Klöckner. Symbolfoto: Pixabay
Braunschweig. Angesichts der aktuellen Waldkrise fordert eine Gruppe von Waldexperten, Forstpraktikern, Waldbesitzern, Verbändevertretern, die BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) mit den ihr angeschlossenen Bürgerinitiativen in einem offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft. Die Bürgerinitiative Baumschutz Braunschweig übersendete eine Pressemitteilung der BBIWS.

Die Unterzeichner des offenen Briefes „fordern die staatliche Forstwirtschaft auf, anstelle teurem Aktionismus endlich eine sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens vorzunehmen und dabei alle Akteure mit einzubeziehen. Gefordert werden eine konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als Holzfabrik behandelt“. Die BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) habe diese Forderung bereits in ihrer Online-Petition „Wald statt Holzfabrik“ erhoben, die bereits 98.000 Unterschriften erzielt habe. Das Positionspapier der BBIWS sei das „Manifest zum Wald in Deutschland“, in dem die gegenwärtige Situation des Waldes und die Forderungen der BBIWS detailliert aufgeführt seien.

Offener Brief an Landwirtschaftsministerin Klöckner

„Die Forstreformen im öffentlichen Wald, unserem Bürgerwald, haben eine desaströse Bilanz,“ so Claudia Blank, Sprecherin der BBIWS. „Für kurzfristigen Gewinn wurden nicht nur enorme wirtschaftliche Schäden verursacht. Weitaus schlimmer sind die langfristigen Schäden am Ökosystem Wald. Die Holzgewinnung hatte bisher Vorrang vor dem Schutz des Ökosystems. Dies muss sich endlich ändern! Die BBIWS fordert eine schonende Waldbehandlung und ausreichend holznutzungsfreie Schutzgebiete im öffentlichen Wald.“ Mitunterzeichner des offenen Briefes Wilhelm Bode, ehemaliger Leiter der saarländischen Forstverwaltung und Autor des Buchs „Waldwende“, betone: „Wir brauchen endlich eine Waldwende, die die natürlichen Produktionskräfte des Waldes stärkt und nicht weiter schwächt. Darum ist zunächst die Forstwirtschaft selbst gefragt, betriebliche Stressoren zurückzunehmen und bei der Wiederbewaldung auf die Natur zu setzen.“ Der Waldökologe Prof. Pierre Ibisch sage: „Die derzeitige Waldkrise in Deutschland ist nicht allein eine Folge des Klimawandels – auch die Art der Waldbewirtschaftung trägt eine erhebliche Mitverantwortung. Es gibt zu viele struktur- und artenarme Wälder, die durch zu viele Wege zerschnitten wurden. Waldböden werden zu intensiv befahren und vielerorts ist das Waldinnenklima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt“.

Waldkrise Folge von Klimawandel und Wirtschaft

Kritisiert werde zudem der Plan, die aktuellen Waldschäden aktionistisch durch rasche Beräumung geschädigter Bäume und Aufforstung anzugehen. Mitinitiator und Waldschützer Norbert Panek betone: „Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald in Deutschland, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde. Wir brauchen ein neues, ökologisch orientiertes Konzept für den zukünftigen Wald – keinen hektischen „Waldumbau“, sondern schlicht Waldentwicklung – hin zu mehr Naturnähe, die dem Wald als Ökosystem den notwendigen Spielraum belässt, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können.“ Die von allen Bürgern über ihre Steuern zu bezahlenden Hilfen für die Waldbesitzenden seien gerechtfertigt – aber nur, wenn sie genutzt würden, einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen. Definitiv sei geboten, Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu vermeiden. László Maraz, Koordinator der AG Wald vom Forum Umwelt und Entwicklung: „Es wäre Steuergeldverschwendung, jetzt Millionen von Bäumen zu pflanzen, wenn diese vom Wild gefressen werden wie bisher. Eine waldverträgliche Verringerung des Wildbestandes ist dringender als je zuvor“. Zu den Unterzeichnern des Briefes an Ministerin Julia Klöckner gehören neben Naturwissenschaftlern Forstexperten mit jahrzehntelanger Erfahrung, Vorsitzende von Umweltverbänden, wie etwa dem Deutschen Naturschutzring, Greenpeace, NABU, Naturfreunde und die Deutsche Umweltstiftung, Aktive der BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) und ihren vertretenen Bürgerinitiativen, sowie namhafte Autoren wie Franz Alt oder Peter Wohlleben.

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